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Landkreis Augsburg

28.02.2015

Handwerker will den Meisterbrief einklagen

Ein Metallbauer fällt bei der Prüfung durch. Weil er sich unter Druck gesetzt fühlt, klagt er. Eine Rolle spielen eine Bemerkung der Lehrer und vier Metallnieten.
Bild: Alexander Kaya

Ein Metallbauer fällt bei der Prüfung durch. Weil er sich unter Druck gesetzt fühlt, klagt er. Eine Rolle spielen eine Bemerkung der Lehrer und vier Metallnieten.

Dass Schüler mit dem Urteil ihrer Lehrer nicht zufrieden sind, soll durchaus mal vorkommen. Dass Auseinandersetzungen dieser Art aber vor Gericht landen, ist dann aber doch die Ausnahme. Ein 33-jähriger Handwerker aus dem nördlichen Landkreis zerrte seine Prüfer nun vor Gericht: Der Metallbauer war im Dezember 2013 durch die Meisterprüfung der Handwerkskammer gerasselt. Weil er sich ungerecht behandelt fühlte, forderte er auf juristischer Ebene eine neue Chance. Eine entscheidende Rolle in der Verhandlung spielten eine Bemerkung der Prüfer und vier Nieten aus Aluminium.

Schon die Ausgangslage vor dem Gespräch gestaltete sich für den Handwerker (Anwalt: Tobias Friedrich) denkbar schlecht: In den anderen Teilbereichen war er bereits durchgefallen. Dass die mündliche Prüfung überhaupt wiederholt wurde, lag an einem Formfehler: Ein Jahr zuvor fehlte eine von drei Unterschriften.

Bei der Neuauflage des Gesprächs, das sich um das Meisterstück des Mannes – eine Balkenwaage – drehte, habe er keine faire Chance erhalten, klagte der Handwerker im Gerichtssaal: „Die Prüfer haben mich seelisch fertiggemacht, das war extrem.“

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Im Detail ging es um einen Plagiatsvorwurf, der schon etwas länger im Raum stand: Ein Jahr zuvor fielen bei dem Meisterstück des Mannes einige Ungereimtheiten auf. Nach Aussage eines Prüfers wiesen die eingereichten Dokumente große Qualitätsunterschiede auf: „Während die Zeichnungen nahezu perfekt und auch komplett ohne Rechtschreibfehler waren, waren die schriftlichen Dokumente voll mit Rechtschreibfehlern.“ Stutzig wurde die Kommission zudem noch bei einigen Dokumenten, die sich auf einem USB-Stick befanden: Diese wiesen als Urheber nicht den Metallbauer, sondern jemand anderen aus. Eine vernünftige Erklärung dafür hatte der Prüfling damals nicht parat.

Dazu wurden nach Ansicht der Kommission bei dem Meisterstück die falschen Nieten verwendet. Diese waren aus Aluminium, nicht wie in den Unterlagen angegeben aus Stahl und leichter zu verarbeiten gewesen. Den Plagiatsvorwurf habe man damals aber nicht restlos aufgeklärt. Warum, erklärte einer der Prüfer: „Wenn wir gewollt hätten, hätten wir den Beweis führen können – wir haben ihm aber endlos weitere Chancen gegeben.“

Ein Jahr später sollen die Prüfer bei der mündlichen Untersuchung den schwelenden Vorwurf wieder thematisiert haben – ebenso wie die Frage nach den richtigen Nieten. Über den Zeitpunkt und die Wortwahl gingen die Aussagen vor dem Verwaltungsgericht zwar auseinander, am Ende hatte Richter Ivo Moll aber keine Zweifel: „Das Verfahren ist in einer Weise durchgeführt worden, die dazu beigetragen hat, den Prüfling zu verunsichern.“

Denn etwas Wesentliches wurde laut Ivo Moll verpasst: den Plagiatsvorwurf eindeutig zu klären. „Das ist für uns der eigentliche Mangel – dass man diese Frage ein Jahr lang durchgeschleppt hat. Subjektiv war das sicher gut gemeint – objektiv eine totale Verunsicherung“, so Moll. Dass dann bei der Prüfung die Rede auf das Thema kam, habe das Problem schließlich noch zusätzlich befeuert.

Das Urteil des Verwaltungsgerichts sieht nun vor, die mündliche Prüfung erneut durchzuführen – und den Plagiatsvorwurf zuvor eindeutig auszuräumen.

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