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19.06.2017

Harte Kante wider Luther

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Der hochgebildete Sturkopf Johann Eck aus dem Günztal hat sich mit dem Reformator angelegt

Da mag man nun konfessionsbeeinflusst denken, wie man will: Luther war ein Kämpfer, dabei auch ein grober Klotz im Namen seiner Überzeugung, und auf so einen groben Klotz gehört sicher ein scharfer Keil, ein ähnlich kantiger Überzeugungstäter. Und der war Schwabe, hieß Johann(es) Maier. Er nannte sich nach seinem Geburtsort Eck/Egg an der Günz – zwei Glaubenskämpfer, Überzeugungstäter par excellence, was dem Autor evangelische wie katholische Geistliche verzeihen mögen.

Nebenbei: Pikanterweise gibt es auch noch einen Namensvetter Johann Eck, gebürtiger Kulmbacher und Lutheraner, aber um den geht es hier nicht. Eck von der Günz, Jahrgang 1486, stammte aus einfachen Verhältnissen und studierte – das war damals ohne Hochschulreife nach dem Gymnasium möglich – ab seinem zwölften Lebensjahr an verschiedenen Unis Theologie. Mit 22 empfing er die Priesterweihe und zwei Jahre später promovierte er an der Uni in Ingolstadt, damals Zentrum der Gegenreformation.

Eck war wohl als überzeugter Humanist anfangs den Ideen des kritischen „Revoluzzers“ (im positiven Sinn) Luther durchaus aufgeschlossen. Bis der Begründer der Evangelischen Kirche seine berühmten 95 Thesen an die Kirchentür in Wittenberg nagelte. Vor allem das Ablasswesen, also die Sündenvergebung nach Bezahlung, verdammte Luther und die Papsthörigkeit. Eck machte vertrauliche Notizen für den Eichstätter Fürstbischof. Diese Anmerkungen wurden Luther zugespielt, heute würde man „durchgestochen“ sagen. Darauf antwortete Luther wiederum und so schaukelte sich eine religiöse Unstimmigkeit zu einem handfesten Streit hoch. Mag sein, dass Eck dem mit Herzblut für seine Einschätzung kämpfenden Luther rhetorisch und taktisch überlegen war. Immerhin konnte er Luther dazu verleiten, einige Thesen des als Ketzer verbrannten Jan Hus als biblisch gerechtfertigt zu bezeichnen. Eck veröffentlichte daraufhin Argumentationen pro Papstamt, das Luther anzweifelte. Die Polemik zwischen beiden weitete sich aus. Für Luther war „Dr. Eck = Dreck“. Zwar zeitgemäße, aber durchaus raue Töne unter christlichen Gläubigen …

Im Jahre 1525 erschien Ecks gegenreformatorisches Standardwerk gegen Luthers Auffassungen. Erstaunlich bleibt, dass Eck nach Luther auch eine Bibel ins Deutsche übersetzte, eine katholische „Korrekturbibel“.

Am Rande bemerkt und gerade auch im Lutherjahr durchaus Thema: Die doch recht antisemitische Einstellung des Reformators Luther, die auch sein erbitterter Gegner Eck hatte – eine der wenigen Gemeinsamkeiten zwischen dem Mitteldeutschen aus Eisleben in Sachsen-Anhalt und dem Schwaben.

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