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Landkreis Augsburg

25.01.2019

Hat der Beruf des Bauern überhaupt noch Zukunft?

Die Volkstanzgruppe Kutzenhausen tritt bei den Landfrauentagen in der Stadthalle Gersthofen auf.
Bild: Isabelle Thoma

Der Landfrauentag in Gersthofen gibt Denkanstöße. Landwirte erzählen, wie ihr Beruf aussieht und wie es um den Nachwuchs steht.

Der Saal im ersten Stock der Stadthalle Gersthofen ist fast bis auf den letzten Stuhl besetzt. Die Landfrauen haben eingeladen zur Andacht und um dem stressigen Alltag kurz zu entfliehen.

German Schwehr, Mesner, Teilzeitlandwirt und Autor aus Weißenhorn, unterhält das Publikum auf Schwäbisch mit Witzen und Anekdoten. Die lustigen Verse aus seinem Gedichtband sorgen alle paar Minuten dafür, dass der Saal tobt. In den Gedichten erzählt er unter anderem von einem Tag im Freibad mit seiner selbst genähten Badehose mit Tigermuster und von seinen übermütigen Söhnen. Die Volkstanzgruppe Kutzenhausen beeindruckt die anwesenden Frauen mit einem Appenzeller Klatschwalzer und einem Marschierbairisch.

Die Zahl der Milchbauern in Bayern sinkt

Doch der gesellige Nachmittag kann nicht über die Probleme der Landwirte hinwegtäuschen: Die Zahl der Milchbauern in Bayern sinkt seit Jahren immer weiter. 2018 war ein Rückgang des Rinderbestandes von 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Oft sind die Höfe auch nicht mehr rentabel, und für Investitionen in modernere Technik oder mehr Vieh fehlt vielen Bauern das Geld. Doch wie ist der harte Beruf des Landwirts wirklich? Gibt es genug Nachwuchs und lohnt sich die harte Arbeit noch?

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Martin Mayr, Landwirtschaftsmeister und Milchviehhalter aus Kutzenhausen, hat 60 Rinder. Er steht täglich um 6 Uhr auf, geht im Anschluss in den Stall und erledigt Waldarbeiten. Abends ist er noch mal eineinhalb Stunden im Stall bei den Tieren. Er führt den Familienbetrieb in sechster Generation. „Urlaub wäre zwar möglich, ich brauche aber keinen, da ich wegen Schulungen schon oft unterwegs bin“, erklärt der Landwirt. Die Gründe für das Aufhören vieler Milchbauern seien vielfältig: Neben dem Milchpreis spielen vor allem die Kostenstruktur und eine Diskussion um die Anbindehaltung eine große Rolle. Bei dieser Haltung können sich die Tiere nicht frei im Stall bewegen, sondern sind an einem Platz fixiert.

Ausreichend Nachwuchs unter den Landwirten

Kreisbäuerin Andrea Mayr engagiert sich nicht nur im Bayerischen Bauernverband und als Sprecherin auf Veranstaltungen der Landfrauen, sie bewirtschaftet auch einen Geflügelhof. Auf dem Familienbetrieb in Großaitingen leben Legehennen und Masthähnchen. Neben dem Betrieb gibt es noch einen Hofladen, in dem es regionale sowie eigene Produkte vom Hof zu kaufen gibt. Andrea Mayr sieht in dem Beruf auf jeden Fall Potenzial: „Jeder Beruf hat Vor- und Nachteile. Wir müssen den Kindern beibringen, dass der Beruf des Landwirts nicht nur Nachteile hat. Begeisterung dafür wird natürlich vorausgesetzt.“ Die Hähnchen werden auf dem Hof in Bodenhaltung gehalten, bekommen allerdings viel mehr Platz als andere Tiere in der Haltungsform. Zudem werden ihnen Spielzeuge in Form von Strohballen und Picksteinen angeboten. „Diese Haltungsform kommt der Biohaltung schon sehr nahe. Für unsere Kunden ist es das Wichtigste, dass sie sehen, dass es unseren Tieren gut geht“, erklärt Mayr. „Unsere Legehennen werden auch in Bodenhaltung gehalten, bekommen aber Freilauf, der überdacht ist. Wegen der Gesetze dürfen wir es trotzdem nicht Freilandhaltung nennen.“ Wegen diesen und vielen anderen neuen Gesetzen haben bereits viele Landwirte ihre Betriebe geschlossen oder sie ins Ausland verlagert. Viele Bauern bezeichnen das System als zu bürokratisch und schwer zu durchblicken. Bevor sie in teure Neuerungen investieren, die dann eventuell wieder nicht genehmigt werde, ziehen viele die Reißleine.

Trotz all dessen und trotz der vielen Arbeit, die auch mal am Wochenende oder spät abends anfallen kann, entscheiden sich immer noch viele junge Menschen für den Beruf des Landwirts. „Die stabilen Ausbildungszahlen jedes Jahr sprechen für sich. Mit und in der Natur und mit den Tieren zu arbeiten ist sehr schön“, schwärmt Martin Mayr.

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