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Interview

27.03.2015

„Heimat ist doch nicht veraltet“

Die neue Kreisheimatpflegerin Claudia Ried.
Bild: Marcus Merk

Claudia Ried, 39, ist die neue Kreisheimatpflegerin im Landkreis Augsburg. Zwei Dinge sind bei ihr anders als bei ihren Kollegen: Sie ist jung und sie ist eine Frau. Doch sie hat noch mehr zu bieten

Seit einem knappen Monat ist Claudia Ried die neue Kreisheimatpflegerin des Landkreises Augsburg. Das ist nicht allein ein Generationswechsel. Sie die zudem eine der ersten Frauen, die im Landkreis Heimatpflegerin ist. Und sie hat eine Menge neuer Ideen und Schwerpunkte, wie sie im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt.

Frau Ried, mit noch nicht einmal 40 Jahren sind Sie eine ganz junge unter den Kreisheimatpflegern. Ist Heimat und Heimatpflege denn überhaupt noch aktuell?

Im Moment erlebt der Heimatbegriff doch eine Art Renaissance. Das hat nichts mit angestaubt oder veraltet zu tun. Heimat ist da, wo die eigene Familie und die Freunde sind. Und das Wissen um die Geschichte und die Eigenarten einer Region trägt dazu bei, die eigene Heimat kennenzulernen. Die regionalen Besonderheiten helfen dann, das Ganze zu verstehen. Das Wissen darum wachzuhalten und zu erneuern, darum kümmert sich die Heimatpflege.

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Wie ist denn Ihr eigenes Interesse an Geschichte entstanden?

In meiner Familie, im Gespräch mit Eltern und Großeltern, war Geschichte immer wieder präsent. Ich wusste schon früh, dass mich das Thema interessiert. Das ist auch so geblieben: Immer wenn es um die Geschichte von Menschen geht, wird es für mich interessant.

Nehmen sie diesen Ansatzpunkt auch mit in ihre tägliche Arbeit?

Auf jeden Fall. Mit Wettbewerben oder konkreten Projekten ist es leichter, Kinder und Jugendliche zu gewinnen. Ein Beispiel: Ich bin seit vielen Jahren schon im Bauernmuseum Staudenhaus aktiv. Wenn wir dort Kindergruppen zu Gast haben, lassen die sich ganz automatisch auf das Thema ein. Sie vergleichen ihr eigenes Leben mit dem damaligen, fragen, wo denn das Bad war oder warum es kein fließendes Wasser gab. Das fasziniert Kinder. Und dann bleibt auch etwas hängen. Wir versuchen über solche Veranstaltungen und Aktionen zusätzlich, die ganze Familie einzubeziehen. Lokale Geschichte und Kreisheimatpflege sind Themen, die für jede Altersgruppe interessant sein können. Jugendliche etwa lassen sich gut über Schulprojekte einbeziehen. Vor ein paar Jahren waren es Schüler der Realschule Neusäß, die bei der Aufarbeitung der Geschichte der Blechschmiede in Horgau halfen. Dort wurden Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge beim Bau von Flugzeugen während des Zweiten Weltkriegs eingesetzt.

Diese Themen der Heimatgeschichte sind noch gar nicht so weit weg. Sind das Ihre Schwerpunkte?

Ich komme aus der Landesgeschichte, da hat man eine Region im Wandel der Zeiten im Blick. Mein Vorgänger, Professor Walter Pötzl, hat eine riesige Lebensleistung hinterlassen. Dazu gehört unter anderem, dass die Heimatpflege im Landkreis so einen hohen Stellenwert hat. Und ausgeforscht ist eigentlich nie. Gerade der Landkreis Augsburg hat eine interessante Geschichte und man findet immer wieder neue Quellen. Vor wenigen Monaten erst haben wir neue Berichte erhalten, wie Menschen aus dem Landkreis den Ersten Weltkrieg erlebt haben.

Stammen Sie selbst aus dem Landkreis?

Ich bin aus Forchheim in Oberfranken. Nach Augsburg bin ich als junge Erwachsene gekommen und habe dann hier studiert, neben Landesgeschichte auch Volkskunde. Nach meinem Abschluss 2005 war ich zunächst wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der schwäbischen Forschungsgemeinschaft auf Honorarbasis und seit 2006 beim Landkreis Augsburg in der Kultur- und Heimatpflege. Das Amt des Heimatpflegers ist ein Ehrenamt, für das ich für fünf Jahre bestellt wurde. Inzwischen habe ich auch den Vorsitz im Kreisheimatverein übernommen. Auch bei meinem Vorgänger lagen beide Aufgaben in einer Hand. Es war sein Wunsch, dass das so fortgeführt wird. Dem habe ich gerne entsprochen und die Mitglieder des Vereins haben mir das Vertrauen ausgesprochen.

Damit ist die Kultur- und Heimatpflege im Landkreis Augsburg nun fest in weiblicher Hand.

Das stimmt. Gisela Mahnkopf ist Heimatpflegerin für Archäologie und dann haben wir noch Julia Romankiewicz-Döll als Mitarbeiterin.

Ist das so üblich?

Nein. Ich bin noch eine Ausnahme als Frau bei den Heimatpflegern. Allgemein holen Frauen in der Geschichtswissenschaft aber langsam auf. Inzwischen gibt es eine Reihe von Positionen, die mit Frauen besetzt werden.

War es da nicht ziemlich riskant, dass sie diesen Weg eingeschlagen haben?

Zunächst habe ich zur Sicherheit Lehramt studiert. Aber ich wollte nochmehr mit Geschichte zu tun haben. Irgendwann wusste ich, ich riskier das. Und mir gefällt es hier. Ich mag die Schwaben.

Fragen: Jana Tallevi

"Kommentar

Einen Bericht über die Verabschiedung von Walter Pötzl als Kreisheimatpfleger finden Sie auf "Seite 4

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