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Konzert

26.02.2018

Herrliche Hommage an Simon & Garfunkel

Die Folksongs wurden von Rockband und Orchester unterstützt.
Bild: Thomas Hack

Graceland lässt die schönsten Stücke des Erfolgsduos in Gersthofen wieder auferstehen

Im Grunde begann der Abend nicht anders als bei einem klassischen Konzert von Vivaldis Vier Jahreszeiten: eine Handvoll dissonanter Celloklänge, eine Reihe stakkatohafter Violinenstriche, ein frühlingshaftes Sujet mit einem nonchalanten Zusammenspiel der Streicher. Doch als schließlich Schlagzeug und E-Bass einsetzten, merkte man rasch, dass hier ein etwas anderes Konzerterlebnis stattfinden würde. Das Duo Graceland hat in der Gersthofer Stadthalle die musikalische Herausforderung gewagt, die populärsten Stücke des einstigen Erfolgsduos Simon & Garfunkel originalgetreu in Szene zu setzen, diese gleichzeitig aber auch mit Streicherquartett und Rockband auf spannende Weise neu zu beleben.

Doch nach der Ouvertüre hatte erst einmal die authentische Vergangenheit das Sagen, als die ersten Gitarrenriffs von Thomas Wacker (Paul Simon) und Thorsten Gary (Art Garfunkel) in harmonischer Zweisamkeit ins Publikum transportiert wurden. Als sich deren gefühlvolle Charakterstimmen dann beinahe unbemerkt mit den seufzenden Klängen des Saxofons vermischten, entstand schließlich ein überzeugendes musikalisches Gesamtgemälde, welches die späten Sechzigerjahre geschickt mit den Klängen der Moderne zusammenbrachte. Das leidenschaftliche „Old Friends“ verwandelte sich in eine sphärische Instrumentalsinfonie, der traditionelle Folksong „Scarborough Fair“ mittels eines verträumten Violinensolos zu einem altbekannten und dennoch neuartigen Arrangement, das auch dem heutigen Zeitgeist absolut gerecht wurde.

Dass die Stimmen der beiden Musiker perfekt harmonierten, war dann am deutlichsten an den Interpretationen von „Homeward Bound“ und „The Boxer“ zu hören, wobei bei Letzterem auch das Publikum tatkräftig am fröhlichen Refrain mitwirkte. Das versierte Zusammenspiel spiegelte sich aber auch zwischen den beiden Sängern und deren Begleitorchester wider, welches spätestens bei „El Condor Pasa“ zum eigenständigen Hauptdarsteller auf der Bühne wurde.

Zum stimmigen Rahmenprogramm passte schließlich auch, dass die beiden Gitarristen zwischen den Arrangements immer wieder kurze Hintergrundinfos zu den persönlichen Lebensstationen ihrer großen Vorbilder zum Besten gaben, was dem Konzert letztendlich die Wesenszüge einer kleinen emotionalen Zeitreise ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten verlieh.

Nur ein einziges Mal mussten die Interpreten kurz unterbrechen, da Sänger Thorsten Gary wohl von einer penetranten Erkältung geplagt war, die während der inoffiziellen US-Hymne „American Tune“ unmissverständlich ans Tageslicht befördert wurde. Der Interpret nahm es gelassen und auch seiner Stimme tat die brennende Nase kaum einen Abbruch – es war schließlich der ohnehin etwas näselnde Art Garfunkel, den der Gitarrist hier verkörperte, und nicht etwa Tom Waits.

Dass es Wacker und Gary wunderbar verstanden, so nahe wie möglich am Original zu bleiben, ohne jedoch einfach nur die Musik ihrer Vorbilder zu kopieren, war durchwegs bis zum letzten Beitrag des Abends zu erleben – die Emotionalität, die das Duo beim wunderschön inszenierten „Sound of Silence“ an den Tag legte, war rundum glaubwürdig und überzeugend. Und auch, wenn für den einen oder anderen Besucher die Kombination aus melodischem Akustik-Folk und rockigen Beatrhythmen etwas ungewohnt geklungen haben mochte: Es wird wohl nicht gerade viele Interpreten geben, die den Charakter von Simon & Garfunkel derart authentisch und gefühlvoll in Szene setzen können, wie es das Duo Graceland an diesem Abend in der Stadthalle geschafft hatte.

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