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Landkreis Augsburg

12.09.2019

Heute heulen im Augsburger Land die Sirenen

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Feuerwehrübung im Gersthofer Industriepark: Dort befinden sich drei so genannte Störfallbetriebe. Wegen der für die Produktion verwendeten Stoffe sind besondere Sicherheitsvorkehrungen nötig.
Bild: Marcus Merk (Archiv)

In vielen Kommunen gibt es heute einen Probealarm. Dies hat einen Grund, was auch ein Vorfall vor einigen Tagen zeigt. Wo überall die Sirenen heulen.

Als vor gut drei Wochen Feuerwehrfahrzeuge aus dem ganzen Landkreis nachts durch Gersthofen rollten, um die Einwohner vor verschmutztem Wasser zu warnen, verschanzten sich einige im Keller. Der Grund: Eine Feuerwehr aus dem südlichen Landkreis hatte in einem Straßenzug versehentlich eine falsche Durchsage abgespielt, die die Menschen in Panik versetzte.

Der skurrile Vorfall zeigt: Im Augsburger Land müssen Retter und Behörden versuchen, sich für weitaus schlimmere Unfälle zu wappnen als Coli-Keime im Trinkwasser. Offenkundig wird das heute am späten Vormittag, wenn in 29 von 46 Kommunen des Landkreises die Sirenen heulen.

Sie liegen innerhalb eines 25-Kilometer-Radius um das Kernkraftwerk Gundremmingen oder haben ein Chemiewerk in der Nähe, in dem mit gefährlichen Stoffen gearbeitet wird. Doch was wäre eigentlich, wenn es zu einem schlimmen Unfall käme? Durchgespielt werden diese Szenarien immer wieder.

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  • Gundremmingen Experten sind sich einig: Was wirklich passieren würde, ist kaum zu kalkulieren. Konkret geprobt werden könnten nur einzelne Schritte. Zuletzt spielten die Katastrophenschutzbehörden das Szenario im Herbst 2017 durch. Allein aus der sogenannten Mittelzone, das ist ein Bereich von 20 Kilometern rund um das Kernkraftwerk, müssten bei einem Evakuierungsbefehl der Regierung von Schwaben innerhalb von 24 Stunden mehr als 150 000 Menschen fliehen. Im Landkreis wären es laut Landratsamt rund 16000. Dort liegen Gemeinden wie Zusmarshausen und Altenmünster im betreffenden Radius.

Die Außenzone beträgt 100 Kilometer ums Kraftwerk

Rund drei Viertel der Menschen würden sich nach Schätzungen der Behörden in ihren Autos auf den Weg machen, die anderen müssten mit Bussen und der Bahn geholt werden und an Sammelplätzen in den Gemeinden zusammenkommen. Zudem gibt es eine Außenzone (100-Kilometer-Radius ums Kraftwerk). Für sie gibt es laut Auskunft des Augsburger Landratsamtes keine zeitlichen Fristen für eine Evakuierung. Was in diesem Bereich empfohlen wird, hänge von der zu erwartenden Belastung durch radioaktive Stoffe ab.

Zuständig für die Einsatzleitung wäre die Regierung von Schwaben, die Arbeit vor Ort müssten Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste machen. Doch wären diese Helfer überhaupt verfügbar? Das bayerische Innenministerium stellt schon mal klar: „Es ist nicht beabsichtigt, Zwangsmaßnahmen einzusetzen, um Einsatzkräfte zum Tätigwerden bei einem kerntechnischen Unfall zu zwingen.“

Mit Lautsprecherwagen durch die Orte fahren

So steht es in den „Informationen zum Katastrophenschutz in der Umgebung kerntechnischer Anlagen“, die das Ministerium herausgegeben hat und auf die auch das Landratsamt als Leitfaden verweist. Darin ist unter anderem geregelt, dass die Menschen in einem Umkreis von 25 Kilometer mit Sirenentönen gewarnt werden müssten. Zusätzlich sollen die Feuerwehren mit Lautsprecherwagen durch die Orte fahren.

Zudem lagern auch im Landkreis Augsburg große Mengen an Kaliumjodidtabletten. Über den genauen Lagerort will das Landratsamt aus Sicherheitsgründen keine Angaben machen. Im Ernstfall sollen die Tabletten zu Feuerwehrhäusern und Apotheken gebracht und dort an die Menschen verteilt werden. Bis in jeden einzelnen Ortsteil sei die Zahl der Tabletten geplant, so die Kreisbehörde. Die Jod-Dosis soll verhindern, dass die menschliche Schilddrüse radioaktives Jod aufnimmt.

Störfallbetriebe Unter den rund 40 Chemiefirmen im Landkreis gibt es ein halbes Dutzend Störfallbetriebe. Dort wird mit gefährlichen Stoffen oberhalb einer bestimmten Menge hantiert, was besondere Sicherheitsvorkehrungen und spezielle Notfallpläne erfordert. Die Menschen in Gersthofen und Umgebung, wo diese Betriebe gehäuft liegen, kennen das. Zu den Sicherheitsvorkehrungen gehören spezielle Übungen und eine regelmäßige Information der Öffentlichkeit. Im Industriepark wacht eine eigene Werksfeuerwehr.(mit kinp)

  • Im Landkreis Augsburg werden ab 11 Uhr folgende Städte, Märkte und Gemeinden, jeweils mit Ortsteilen alarmiert: Adelsried, Allmannshofen, Altenmünster, Aystetten, Biberbach, Bobingen, Bonstetten, Diedorf, Dinkelscherben, Ehingen, Ellgau, Emersacker, Gablingen, Gersthofen, Heretsried, Horgau, Königsbrunn, Kühlenthal, Langweid, Meitingen, Neusäß, Nordendorf, Oberottmarshausen, Stadtbergen, Thierhaupten, Wehringen, Welden, Westendorf, Zusmarshausen.
  • Mit dieser Überprüfung soll die Bevölkerung mit dem Warnsignal „1-minütiger Heulton“ und dessen Bedeutung „Rundfunkgeräte einschalten“ vertraut gemacht werden.
  • Sollten bei der Funktionsprüfung Sirenensignale nicht ablaufen oder sonstige Störungen auftreten, so wird gebeten, dies umgehend dem Landratsamt Augsburg unter den Telefonnummern 0821/3102-2249 oder -2311 zu melden.
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