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Fischach

02.01.2020

Hilfe aus Fischach für Kinder in Ungarn

Familie Braun unterstützt hilfsbedürftige Menschen in ihrem Heimatland Ungarn. Zuletzt bestand ihr privater Hilfstransport aus knapp 400 Geschenken.
Bild: Gabor Braun

Gabor Braun organisiert Spenden für Familien in Not in seiner ungarischen Heimatstadt Dombóvár. Für seine Hilfeleistung hat der 35-Jährige einen Grund.

Um leuchtende Kinder- und Elternaugen zu erleben ist ihm fast kein Weg zu weit. Erst vor Kurzem stattete Gabor Braun seiner ungarischen Heimatstadt Dombóvár wieder einen Besuch ab. Sein Fahrzeug war rappelvoll. Im Kofferraum und in der Dachbox stapelten sich Spielzeuge, Plüschtiere, Puzzles, aber auch Kleidung, Schuhe und Lebensmittelpakete.

Gabor Braun, seine Frau Gabriella und ihre drei Kinder brachten diese kleinen Überraschungen dorthin, wo sie dringend benötigt werden. „In meiner Heimatstadt gibt es leider immer noch viele Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind“, verdeutlicht er.

Kinderarmut zwischen Donau, Drau und Plattensee

Wie in vielen Teilen Ungarns sei auch in Dombóvár – einer rund 20.000 Einwohner zählenden Kleinstadt im Süden des Landes zwischen Donau, Drau und Plattensee – Kinderarmut und die Reduzierung der staatlichen Unterstützung ein zunehmendes Problem, informiert der selbstständige Handelsvertreter.

Hilfe aus Fischach für Kinder in Ungarn

„Die Zahl armer Menschen ist in meinen Augen in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen.“ Traurig habe er feststellen müssen, dass nicht nur Menschen in Afrika Zuwendungen benötigen.

Hilfe aus Thannhausen, Holzheim, Aystetten und Fischach

Seit rund vier Jahren organisiert die Familie ihre Hilfstransporte. Dabei kann Gabor Braun auf seinen großen Kundenstamm bei der Firma Tiefkühl- und Heimservice Eismann zurückgreifen. Mit Genehmigung des Unternehmens darf er seine Kunden auf seine Hilfsaktionen in Ungarn hinweisen. Dafür hat er einen Flyer aufgelegt, in dem er seine Kundschaft in der Region Thannhausen, Holzheim, Aystetten und Fischach bittet, ihm Kleidung, Spielzeug und andere Dinge zu spenden.

„Dadurch ist ein sehr gutes Vertrauensverhältnis aufgebaut worden“, resümiert der 35-Jährige. „Die Leute wissen, dass alle Sachspenden ohne Umweg in die Hände hilfsbedürftiger Kinder gelangen.“

Doch am Anfang musste er feststellen, dass Schenken nicht so einfach war. Die zunächst von ihm kontaktierten Kindergärten hatten bei der Annahme der Geschenke Bedenken unter anderem aus hygienischen Gründen, beispielsweise bei den Plüschtieren. Zudem merkte Gabor Braun, der seit 13 Jahren in Deutschland lebt, schnell, dass seine private Hilfsaktion auch politisch nicht gewollt war. „Darüber hinaus verstecken diejenigen, die Hilfe am dringendsten hätten, ihre Probleme am meisten“, erzählt Braun. Viele würden sich schämen. Er habe festgestellt, dass man sie regelrecht überzeugen müsse, Hilfe anzunehmen.

Unterstützungssystem für arme Menschen und Benachteiligte aufgebaut

Mittlerweile hat er die dortige Caritas mit ins Boot geholt. Das Hilfswerk hat mit geringen finanziellen Mitteln ein Unterstützungssystem für arme Menschen und Benachteiligte aufgebaut. „Wenn ich jetzt nach Dombóvár komme, wird für die Aktion das Pfarrheim bereitgestellt.“ Dort präsentieren Familie Braun und Caritas-Helfer die Geschenke auf Tischen. Eingeladen zu dieser Veranstaltung werden von der Caritas nur Menschen, die nachweislich bedürftig seien, so Gabor Braun.

Die Transporte stellt er unter Themen zusammen. Zu Ostern gebe es Kleidung, Schuhe, zum Schulanfang Ranzen, Malbücher, Zeichenblöcke, Federmäppchen, Stifte und kleine Geschenke, zu Weihnachten vor allem Spielzeug, aber auch Lebensmittelpakete mit Nudeln, Salz, Öl und Schokolade. „Einmal hat eine Kundin für die Aktion extra 20 Mützen und 20 Paar Socken gestrickt“, erinnert sich Braun.

„Wir sind mittlerweile ein eingespieltes Team“

Alle Spenden werden zunächst in seiner Garage zwischengelagert, dort sortiert und schließlich ins Auto verladen. Nach der rund 850 Kilometer langen und knapp neunstündigen Fahrt wird das Fahrzeug leer geräumt. „Wir sind mittlerweile ein eingespieltes Team“, schmunzelt Braun. Beim letzten Hilfstransport seien knapp 400 Gegenstände zusammengekommen. „Damit konnten wir weit über 100 Familien glücklich machen.“ Die Aktion sei schon ein gewisser Kraftakt, gesteht er. Aber am Ende werden er, seine Frau und die Caritas-Helfer mit einem Lächeln oder leuchtenden Augen beschenkt. Das lohne den ganzen Aufwand.

Nach einer kleinen Pause nennt Gabor Braun noch einen Grund für seine uneigennützige Hilfeleistung: „In meinem eigenen Leben hatte ich öfters Hilfe notwendig und habe sie auch erhalten.“ Dies sei nun eine kleine Revanche.

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