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Landkreis Augsburg

23.06.2017

Hilfe, wenn es bei der Feuerwehr brennt

Anton Langenmeir (63 Jahre) aus Gersthofen ist seit 30 Jahren bei der Feuerwehr in Gersthofen. Bei Alarm fährt er mit dem Fahrrad zum Feuerwehrhaus.

Dank eines neuen Gesetzes werden die Floriansjünger älter. Und jünger – denn in Zukunft können auch Kinder ab sechs Jahren kommen. Aber was bringt das wirklich?

Wenn’s brennt, schwingt sich der Gersthofer Anton Langenmeir aufs Rad. Bei Alarm fährt er mit dem Drahtesel zum Feuerwehrhaus. Langenmeir, 63, hält sich mit Joggen für den aktiven Dienst in einer der am meisten geforderten Feuerwehren im Land kreis fit und dank einer Gesetzesänderung darf er nun sogar länger Dienst tun.

Umsetzung der Änderung noch offen

Mit den Änderungen des Feuerwehrgesetzes sollen die Feuerwehren in Bayern für die Zukunft gerüstet werden. Unter anderem wird die bestehende Altersgrenze von 63 auf 65 Jahre angehoben. Außerdem können Buben und Mädchen ab dem vollendeten sechsten Lebensjahr jetzt zur Kinderfeuerwehr. Damit alleine ist es aber nicht getan, meint der Kommandant der Gersthofer Wehr, Wolfgang Baumeister. „Jetzt muss ein Konzept her“, sagt er. Schließlich sei noch nicht klar, wie sich die Änderungen konkret umsetzen lassen.

Wer Kinder frühzeitig für den Feuerwehrdienst begeistern und sie über die Jahre zu den Prüfungen führen will, muss sie pädagogisch betreuen. Denn: „Irgendwann wird ja auch das fröhliche Wasserspritzen langweilig“, sagt Baumeister. Aber wer betreut die Kinder? Und vor allem: Wer hat wann noch die Zeit, um sich altergerecht mit dem Nachwuchs zu befassen?

Neusässer Wehr freut sich über Zuwachs

Obwohl die Feuerwehr Gersthofen zu den größeren Einheiten im Landkreis zählt, stoße sie an ihre Grenzen. 25 bis 30 Mal rücken die Gersthofer im Monat zu Einsätzen aus. Dazu kommt die Ausbildung. Auch das Vereinsleben soll nicht zu kurz kommen. „Wie soll ich dann jemanden für die Arbeit mit einer Kindergruppe begeistern?“ Baumeister, der sich seit 1981 bei den Floriansjüngern engagiert und viele Entwicklungen miterlebt hat, empfiehlt jetzt: „Wir müssen uns bei anderen Organisationen wie dem THW oder dem Jugendrotkreuz schlau machen.“

Erfahrungen in Sachen Nachwuchs gesammelt haben bereits die Feuerwehren Neusäß: Sie starteten vergangenes Jahr eine ungewöhnliche Fotokampagne. Junge Mitglieder ließen sich in einer Einsatzsituation und in ihrem Berufsumfeld ablichten und berichteten, was für sie die Arbeit bei der Feuerwehr ausmacht. Rund zehn Jugendliche sind seitdem beigetreten.

Wesentlich für den Erfolg sei laut Kommandant Christian Kannler die Unterstützung durch die Stadt gewesen: Sie bezahlte die Aktion. Die Stadt ist es auch, die ihre Mitarbeiter immer wieder auf den freiwilligen Dienst hinweist, damit es im Ernstfall tagsüber zu keinen Engpässen kommt.

Ein Problem, das auch in Gersthofen bekannt ist

Teilweise seien werktags tagsüber nur zehn bis zwölf Männer verfügbar – bei einer Wehr, die sonst rund 70 Aktive zählt. Baumeister bezweifelt, ob das gewonnene Zeitfenster von zwei Jahren durch das geänderte Bayerische Feuerwehrgesetz tatsächlich das erhoffte Potenzial bringt. Seiner Erfahrung nach würden sich viele Mitglieder ab einem Alter von 45 Jahren ohnehin langsam zurückziehen. Eine andere Erfahrung hatte jüngst Kreisbrandrat Alfons Zinsmeister gemacht: Zwei Schiedsrichter mussten sich verabschieden, weil sie zu alt waren. Mit ihnen sei auch Erfahrung verloren gegangen.

Aber was hilft den Rettern wirklich? Landtagsabgeordneter Johann Häusler (FW) denkt über einen Feuerwehrfonds nach. Dadurch könnten mit gezielten Maßnahmen Mitglieder generiert werden, derzeit gibt es für diese Zwecke vom Freistaat 275 000 Euro für den Landesfeuerwehrverband.

. Das sei wie ein Tropfen auf den heißen Stein, sagt der Fraktionsvorsitzenden der Freien Wähler im Kreistag, Fabian Mehring. Sein Kollege Markus Brem spürt die starke Belastung der regionalen Feuerwehren am eigenen Leib. Er ist seit Jahrzehnten in Hirblingen aktiv: „Es werden von Jahr zu Jahr mehr Einsätze, auch weil sich unser Einsatzgebiet ändert. Dritter Bürgermeister Dempf sieht den Freistaat maßgeblich in der Pflicht: „Wir fordern eine deutliche Unterstützung der Kommunen.“ Nicht so schwarz wie die FW-Politiker sieht die CSU-Landtagsabgeordnete Carolina Trautner. Sie ist vom Nutzen der Gesetzänderung überzeugt. „Wir stellen jetzt die Weichen dafür, dass unsere Feuerwehren auch in Zukunft noch regen Zulauf haben“. Im Falle von Anton Langenmeir stimmt es. Er will jetzt noch zwei Jahre draufsatteln.

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