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Ustersbach

09.08.2019

Hitler war für Theodor Haecker die Macht der Finsternis

Das Grab Theodor Haeckers befindet sich in Ustersbach.
Bild: Manuela Rauch (Archiv)

Theodor Haecker starb 1945 in Ustersbach. Er unterstützte etwa die „Weiße Rose“. Nun plant die Gemeinde zum 75. Todestag eine Gedenkfeier.

Theodor Haecker war kein oberflächlicher Mensch. Er gehörte zu den sprachmächtigsten katholischen Schriftstellern und radikalsten Kulturkritikern zwischen den beiden Weltkriegen. In Adolf Hitler sah er eine Macht der Finsternis und einen bodenlosen Betrüger. Der Kontakt zur Widerstandsgruppe der Weißen Rose um die Geschwister Hans und Sophie Scholl lag so fast zwangsläufig auf der Hand. Der entschiedene Gegner des Nationalsozialismus starb am 9. April 1945 in Ustersbach. Zu seinem 75. Todestag plant die Gemeinde nun eine Gedenkfeier.

Dabei ging es Haecker – geboren am 4. Juni 1879 im baden-württembergischen Eberbach und aufgewachsen in Esslingen – in seinem Kampf gegen die nationalsozialistische Ideologie vordergründig nicht um Politik, sondern um theologische Aspekte. In seinen Augen war Hitler ein „Agent der Unterwelt“ und das Hakenkreuz das Zeichen einer „schauerlichen Perversion“.

Theodor Haecker forderte uneingeschränkte Gerechtigkeit

1917 nannte er die protestantische Kirche „Schmach und Elend“. Seine existenzielle Leere und Verzweiflung versuchte er, mit fundamentaler Satire und Polemik auszugleichen. Zunächst vergebens. Der Autor Jakob Knab, bis 2015 Studiendirektor am Jakob-Brucker-Gymnasium in Kaufbeuren, siedelte Haeckers Lebensgeschichte an „zwischen den Polen Schwermut, Zorn und tiefer Gläubigkeit“. Theodor Haecker forderte von der Politik uneingeschränkte Gerechtigkeit, sah die „Singularität der Juden“ in Form des auserwählten Volks. Das nationalsozialistische Regime reagierte sofort. Die Gestapo verhaftete ihn vorübergehend. 1935 erhielt er Rede-, drei Jahre später Publikationsverbot. Fortan schrieb er im Heimlichen. Ende 1941 begegnete er Hans und Sophie Scholl, Mitglieder der Weißen Rose, einer studentischen Münchner Gruppe, die im Widerstand gegen den Nationalsozialismus aktiv war. Die vom Geschwisterpaar verbreiteten Flugblätter lassen erkennen, wie sehr diese von Haeckers Worte und Ausführungen beeinflusst waren. Nach der Verhaftung der Geschwister führte dies bei Haecker zu einer Hausdurchsuchung. Dabei gelang es seiner Tochter Irene die Tagebuchaufzeichnungen ihres Vaters, ein erschütterndes Zeugnis seines inneren Kampfes um Glauben und Hoffnung während des Untergangs christlicher Werte, gerade noch vor der Gestapo zu verstecken.

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Heackers Wohnung in München wurde zerstört

Danach ging es Schlag auf Schlag. Im Juni 1944 wurde Haeckers Wohnung in München durch Bombenangriffe zerstört. Nach einem kurzen Aufenthalt im Schwarzwald floh der mittlerweile gesundheitlich schwer angeschlagene Diabetiker nach Ustersbach. Dort hatte die ehemalige Magd Amalie Wagner ihm Unterkunft gewährt. Deren Eltern bewirtschafteten den Hof an der Hauptstraße 34. Sein Leben in der Provinz war still und zurückgezogen, sein Zorn gegen das Hitler-Reich aber nach wie vor präsent.

Nach zwei Tagen im Zuckerkoma starb Haecker am 9. April 1945. Sein Eintrag im Sterbebuch ist augenscheinlich das einzige Dokument über seine Existenz in Ustersbach. Sein Grab befindet sich hoch oben auf dem Hügel des Friedhofs. Obwohl Haecker bei Experten als prophetische Stimme des Widerstands gilt, ist er heute fast vergessen. Nicht jedoch von der Gemeinde Ustersbach.

Bereits im vorgen Jahr wurde mit der Planung der Gedenkfeierlichkeiten begonnen. So verständigte sich der damalige Bürgermeister Max Stumböck mit dem Theater Eukitea aus Diedorf über zwei Gastspiele. Die erste Veranstaltung „Viola und das Friedensalphabet“ findet vormittags am 2. April für Schüler in der Grundschule statt. Am 4. April wird abends das Stück „Sophie Scholl“ im Forum aufegeführt.

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