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Region Augsburg

25.11.2019

Hohes Unfallrisiko: Kommt ein Tempolimit auf der Autobahn A8?

Die Polizei fordert tagsüber ein Tempolimit von 120 Kilometern pro Stunde auf der A8 - weil es dort immer wieder zu Unfällen kommt.
Bild: Weizenegger (Archiv)

Plus Seit dem Ausbau der A8 ist das Unfallrisiko gestiegen. Die Polizei fordert deshalb ein Tempolimit von 120 Stundenkilometern.

Kaum ein Thema erhitzt die Gemüter so wie ein Tempolimit auf der Autobahn. Auch für die A8, wo sich seit dem Ausbau das Unfallrisiko erhöht hat, wünschen sich viele Bürger ein Tempolimit. Die Polizei sprach sich bisher für die Telematik aus, für eine zeitweise Geschwindigkeitsbegrenzung mithilfe von Schilderbrücken. Aber da diese nicht schnell genug kommen, hat das Polizeipräsidium Schwaben Nord nun für die A8 zwischen Neusäß und Friedberg tagsüber ein Tempolimit von 120 km/h empfohlen – aufgrund erhöhter Unfallgefahr. Dies sagte Polizeioberrat Ralf Bührle bei einem „Runden Tisch“ der Grünen im Landkreis zum Thema Tempolimit.

Eingeladen hatte der Landtagsabgeordnete der Grünen, Max Deisenhofer. Er will trotz aller Widerstände im Kreis, Land und Bund beim Tempolimit nicht locker lassen und wollte hören, was die Experten der Region zu dem Thema sagen. Mit dabei waren Robert Schmidt vom Autobahnbetreiber Pansuevia, von den Feuerwehren Wolfgang Baumeister ( Gersthofen) und Markus Furniert ( Adelsried) sowie die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kreistag und Landratskandidatin Silvia Daßler.

Tempolimit auf A8 gefordert: Zahl der Unfälle nimmt zu

Der allgemeine Tenor: Das Verkehrsaufkommen auf der A8 nimmt zu, die Zahl der Unfälle auch, also wären zumindest zeitweise Geschwindigkeitsbegrenzungen mithilfe von ferngesteuerten Anlagen an so genannten Schilderbrücken sinnvoll. Diese sollen aber bekanntlich nur zwischen den Abschnitten Neusäß und München und frühestens 2022 kommen.

Das ist zu spät, finden nicht nur die Grünen, sondern auch die Polizei. Wie Polizeioberrat Ralf Bührle, beim Polizeipräsidium Schwaben Nord für das Thema Verkehr zuständig, erklärte, halte man zwischen Neusäß und Friedberg tagsüber Tempo 120 für notwendig. „Wir sehen hier akuten Handlungsbedarf“, so Bührle. Weil es im Ballungsraum Augsburg auf der Autobahn immer wieder zu gefährlichen Situationen und Unfällen kommt, könne man nicht noch Jahre warten, bis die Telematik kommt.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Kreistag und Landratskandidatin Silvia Daßler setzt hingegen nicht auf die Schilderbrücken, „die irgendwann kommen und uns Millionen kosten, die wir auch anders sinnvoll einsetzen könnten“, sondern auf ein generelles Tempolimit von 130 km/h auf den Autobahnen. Dies sei die sicherste, sinnvollste, günstigste und umweltfreundlichste Lösung.

Polizeioberrat Bührle meint hingegen, dass die Akzeptanz in der Gesellschaft wichtig sei: „Die Telematik-Anzeige liefert einen nachvollziehbarer Grund für die Beschränkung, da ist der Bürger eher bereit, sich daran zu halten.“

Für die Feuerwehren stelle sich ohnehin nicht so sehr die Frage nach einem Tempolimit, „denn der Verkehr hat allgemein enorm zugenommen“, so Kommandant Wolfgang Baumeister. Die Rettungskräfte würden eher von einem Lkw-Überholverbot an manchen Stellen profitieren, weil dann die Rettungsgassen öfter frei wären. Dem pflichtet Markus Furnier von der Feuerwehr Adelsried bei und kritisiert zudem die Zunahme an Zwischenfällen mit Gaffern an der Unfallstelle.

Die meisten Unfälle auf der A8 gibt es tagsüber

Fakt ist, dass zu hohe Geschwindigkeit die Todesursache Nummer 1 bei Unfällen ist. „Je langsamer man fährt, desto sicherer ist es“, so Polizeioberrat Bührle. Nach der Unfallstatistik des Polizeipräsidiums Schwaben Nord stieg der Zahl der Verkehrsunfälle auf der A8 im Bereich der Landkreise Augsburg und Aichach-Friedberg in den vergangenen sechs Jahren an. Entsprechend mehr Verletzte gab es. Und: Die Zahl der Verletzten bei Unfällen bei hoher Geschwindigkeit hat sich mehr als verdoppelt. Robert Schmidt von der Autobahnbetreibergesellschaft Pansuevia, die ebenfalls eine Unfallstatistik führt, spricht für dieses Jahr hochgerechnet von einer Zunahme der Unfälle und Unfallereignisse um etwa 14 Prozent. Die meisten Unfälle passieren zwischen 9 und 18 Uhr. Bei den Wochentagen ist der Samstag der Spitzenreiter, gefolgt von Freitag.

Für Schmidt sollten die Schilderbrücken zu jeder modernen, neu gebauten oder sanierten Autobahn standardmäßig dazugehören. So ließen sich nicht nur viele Unfälle vermeiden, auch Reinigungsarbeiten und andere Maßnahmen könnten so viel sicherer abgewickelt werden. Schmidt: „Ich verstehe nicht, warum man jetzt so lange mit der Nachrüstung zögert.“

Wie unsere Redakteurin Angela David zum Thema Tempolimit steht, lesen Sie hier: Alle können es, nur wir nicht

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Die Diskussion ist geschlossen.

26.11.2019

Überall wird alles mit entferntesten Bezug zum 3. Reich ausgemerzt bis hin zu Strassen- und Schulnamen. Aber diese Erfindung des fehlenden Tempolimits findet man toll. Die Reichsautobahnen wurden für eine konstante Geschwindigkeit von 160 km/h gebaut, die damals kein Serienfahrzeug erreicht hat. Daher war auch kein Tempolimit nötig. Also wäre ein Tempolimit heute dem Fortschritt geschuldet und nicht dem ewig gestrigen.

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26.11.2019

Es ist wirklich grotesk. Es gibt Spurhalteassistenten, Bremsassistenten, intelligente Tempomaten, Rückfahrkameras, Navigationssysteme, auf den Meter genaue Ortungssysteme, ja sogar Schildererkennungssysteme und noch allerhand unnötigen Sche...zusätzlich, aber auf die Iddee das ein Auto bei Passage eines Ortsschild nur Max. 50km/h, oder entsprechend der erlaubten Höchstgeschwindigkeit schlicht nicht schneller fahren kann, ist noch niemand gekommen.
Stattdessen werden Außenspiegel durch Kameras ersetzt, Tachometer durch Heimkinoanlagen, ein schlichtes Metallschiebedsch durch automatisch verdunkelnde Glaspaneele, etc. Der Irrsinn dieses Produktes kennt in Allegorie zur Dummheit seines Nutzers keine Grenzen.

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25.11.2019

Wer wie ich Münchenpendler ist, der erlebt im Schnitt jeden Tag zwischen Augsburg und München einen Unfall in der Rushhour, gerne auch mehr. Es ist ein Wunder, dass die Zahl der Verletzten so gering ist.
Natürlich wäre die variable Schilderbrücke die beste Lösung, da häufig schon 120 um die Uhrzeit zu schnell sein kann. Solange diese aber nicht kommt, hilft nur ein (zeitlich beschränktes) Tempolimit und ein LKW-Überholverbot. Die Geschwindigkeitsdifferenzen zwischen den Spuren sind wie die Verkehrsdichte zu hoch, der Abstand häufig zu gering und wenn dann noch ein LKW ausschert wird es eng.
ÖPNV ist leider keine Option, wenn man nicht in der Nähe der Hauptbahnhöfe in Augsburg und München wohnt.

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25.11.2019

Lkw Überholverbot würde schon reichen!

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25.11.2019

Zum Thema Tempolimit: Freie Fahrt für freie Bürger!

Im übrigen scheint es mir gibt es die Zunahme der Unfälle erst seid auf der A8 z.B. am Derchinger Berg FR Stuttgart Warnschilder aufgestellt wurden und daher viele Verkehrsteilnehmer im darauf folgenden, von der Kuppe aus nicht einsehbaren Bereich abbremsen und sich so leichter ein Stau zwischen Derching und A-Ost bildet auf welchen dann mit hohen Geschwindigkeiten vom Derchinger Berg aus aufgefahren wird.

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25.11.2019

Freie Fahrt für freie Bürger. Okay. Wenn die beiden rechten Spuren mit LKW belegt sind, darf man dann mit 140 km/h auf der 3. Spur fahren. Nein. Dann wird man von wildgewordenen zwanghaften Rasern durch lebensbedrohliches dicht Auffahrt bedroht. Haben nur Raser Rechte? Dürfen die Menschen, die nicht rasen wollen, nicht frei fahren?

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25.11.2019

Warum sollte es kein Generelles Tempolimit auf der Autobahn geben.
130 Km/h sind vernünftig und bringen jeden in einer angemessenen
Zeit von Punkt A nach Punkt B.
Ein Autobahn-Tempolimit hat nichts mit Gängelung oder Bevormundung zu tun
sondern ist ein Attribut des wachsenden Verkehrsaufkommens.
In einem Punkt muss ich Herrn Bührle mit seiner Aussagen widersprechen.
„Je langsamer man fährt, desto sicherer ist es“ ist weder für Autobahnen noch
für Landstraßen zutreffend, sondern stellt meiner Meinung nach ein ebenso großes
Risiko dar wie zu schnelles fahren. Ich habe schon zu oft erlebt wie
Lastwagen PKW‘s auf der Autobahn überholten, weil die PKW‘s mit 80 Km/h „gemütlich und ohne Stress“ Morgens auf der rechten Spur in die Arbeit fahren.
Ein LKW-Überholverbot ist zwar durchaus gerechtfertigt sollte aber auch, in Fällen wie beschrieben, nicht zum Nachteil der LKW-Fahrer ausgelegt werden.

Sich an die eigene Nase fassen, gelassener Fahren, keinen anderen provozieren und sich nicht provozieren lassen, sind Schritte ohne Unfall und noch wichtiger, ohne Menschliche Tragödien nach Hause zu kommen.

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26.11.2019

* ... wie Lastwagen PKW‘s auf der Autobahn überholten, weil die PKW‘s mit 80 Km/h... *

In der StVO steht aber, dass Fahrzeuge mit mehr als 3.5 t zGG nicht schneller als 80 km/h fahren dürfen...

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