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Horgau

20.07.2020

Horgau setzt auf Hackschnitzel: Was Anwohner wissen sollten

Heizen mit Hackschnitzeln: Die Gemeinde Horgau präsentierte Pläne für eine Anlage.
Bild: Marcus Merk

Plus Die Gemeinde Horgau möchte sich klimafreundlicher aufstellen und plant eine Hackschnitzelanlage. Was Anwohner wissen sollten.

Die Gemeinde Horgau möchte sich klimafreundlicher und wirtschaftlicher aufstellen. In einer Bürgerversammlung wurden Pläne für eine hackschnitzelbetriebene Heizzentrale vorgestellt. 50 interessierte Bürgerinnen und Bürger waren gekommen, um sich über die Möglichkeit, ihre Privathäuser an die Versorgungsleitungen anzuschließen, zu informieren. Für Bewohner des Schwedenwegs, Pater-Gaul-Platzes, Martinsplatzes, des Gewerbegebiets und des Baugebiets „Am Hinteren Feld“ dürfte diese Versorgungsplanung interessant sein, soll doch das Hackschnitzelheizkraftwerk unterhalb des Bauhofs am Schwedenweg errichtet werden.

Eingeladen waren auch Gerhard Schrettle, Vorstand der HerAG (Holz Energie Regio AG) aus Hirblingen (die Firma bietet Holzpellets und Hackschnitzel an) und Klaus Jekle von der Jekle Energie GbR. Sie versorgt Edelstetten und Neuburg bereits mit Fernwärme aus ihrer Hackschnitzelheizung und Biogasanlage. Seit 2015 ist diese Heizanlage in Betrieb, die auch jetzt in Horgau zum Einsatz kommen soll.

Weder Platz für Öltanks, Brenner und Kaminanlage noch Raum zur Lagerung

Die Vorteile einer Hackschnitzelheizung liegen darin, dass weder Platz für Öltanks, Brenner und Kaminanlage noch Raum zur Lagerung von Brennstoffen benötigt wird. Auch die Wartungskosten für die Heizanlage würden somit entfallen. „Und Sie haben keinen Wärmeverlust an der Heizung“, so der Fachmann. Abgerechnet wird nur die tatsächlich verbrauchte Nutzenergie im Gebäude. Zu den finanziellen Überlegungen kommt der Umweltgedanke: Holz ist ein nachwachsender Rohstoff und weist eine günstige CO2-Bilanz auf. Deshalb bezeichnet Jekle die preiswerte, nachwachsende und umweltschonende Energieform als großen Vorteil. „Es ist eine Aufwertung der eigenen Immobilie.“ Was das Klimaschutzgesetz betrifft, wird 2021 die CO2-Steuer eingeführt und ab 2026 kommt ein Verbot einer Neuanschaffung von Ölheizungen. Und teuer wird es auch, denn „im 10-Jahres-Durchschnitt liegt der Heizöleinkaufspreis pro Liter bei knapp 70 Cent brutto. Dazu kommen noch die 20 Cent CO2-Steuer“, sagt der Fachmann.

Da eine Holzheizung besonders umweltfreundlich arbeitet, unterstützt Vater Staat die Hausbesitzer mit hohen Zuschüssen. Nach Einschätzung von Klaus Jekle ist Holzenergie sehr günstig und wird auch auf längere Zeit so bleiben.

Hackschnitzelheizung: In der Anschaffung teuer, im Betrieb günstiger

Die Hackschnitzelheizung ist in der Anschaffung für den Betreiber – im vorliegenden Fall die Gemeinde Horgau – relativ teuer, dafür aber im Betrieb äußerst günstig. Der Bürger zahlt für die Herstellung des Heizanschlusses einmalig 2500 Euro – inklusive der Wärmemengenzähler, der Wärmetauscher. Die monatlichen Bereitstellungskosten liegen bei 35,70 Euro. Der Verbrauchspreis ist mit 10 Cent je kWh. beziffert. Die Laufzeit für diese Preisbindung soll zehn Jahre betragen. Diese Angaben sind noch nicht verbindlich, räumte Jekle jedoch ein.

Nicht alle Bürger sind von dieser Art zu heizen einverstanden. „In zehn Jahren gehen die Preise auch für eine Hackschnitzelheizung nach oben und wir haben bis dato vielleicht eine Wasserstofftechnik. Es ist zu teuer“, bemängelte ein Besucher. Ob diese Hackschnitzelheizung auch für Fußbodenheizung geeignet ist, interessierte sich ein Besucher. Wie sieht es in einem Sechs- bis Zehnfamilienhaus aus? Wie hoch die staatliche Förderung sein wird, darüber konnte Jekle noch keine verbindliche Zusage machen. Woher kommen die Hackschnitzel? Was passiert bei Stromausfall? Ist eine Notheizung geplant? Gibt es Gemeinden, die bereits Erfahrungen mit einer Hackschnitzelheizung haben?

Bürger haben Zeit, eine verbindliche Zusage abzugeben

„Es muss nicht die einfachste, nicht die billigste Lösung und auch nicht die Susi-Sorglos-Lösung sein, wenn es um den Klimaschutz und um die nachfolgenden Generationen geht“, sagt Bürgermeister Thomas Hafner. „Wir stellen ein Modell vor, das für die Umwelt Vorteile bringt, wirtschaftlich vertretbar ist und die Wertschöpfung in der Region belässt. Die Hackschnitzel stammen aus unserer Region.“

Klaus Jekle hat einen Fragebogen erstellt, bei dem die Horgauer ihr Interesse an einem Anschluss bekannt geben und ihren voraussichtlichen Bedarf an Fernwärme darstellen sollen. Die Rückgabe des Fragebogens mit Angaben der Energiedaten sollte bis zum 30. Juli an die Gemeinde Horgau erfolgen. „Es besteht jedoch keine Verpflichtung“, betonte Jekle. Der Fragebogen dient lediglich dazu, um den Streckenverlauf und die Investition zu kalkulieren. Alle Interessierten werden danach zu einer zweiten Sitzung eingeladen, um die konkreten Kosten zu erläutern. Danach haben die Bürger Zeit, eine verbindliche Zusage abzugeben.

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