Newsticker

USA: Fünf Millionen gemeldete Corona-Infektionen seit Beginn der Pandemie
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Horrorunfall bei Adelsried entflammt Debatte um Tempolimit auf der A8 neu

Adelsried

30.06.2020

Horrorunfall bei Adelsried entflammt Debatte um Tempolimit auf der A8 neu

Die Vorderseite eines BMWs blieb auf der Fahrspur nach München liegen. Ein Feuerwehrmann begutachtet das Wrack.
Bild: Marcus Merk

Plus Nach dem Horrorunfall auf der A8 werden die Stimmen für Tempo 120 lauter. Bürgermeister, Polizei und die Autobahnmeisterei sind dafür – was spricht dagegen?

Der Bürgermeister von Adelsried ist schockiert: „Einen so brutalen und krassen Unfall, wie am Montag habe ich noch nicht erlebt“, sagt Sebastian Bernhard. Auf der Auffahrt zur A8 bei Adelsried spielten sich schreckliche Szenen ab. Ein Auto wurde bei einem schweren Unfall entzwei gerissen, das Heck auf die Gegenfahrbahn geschleudert. Eine Frau starb noch an der Unfallstelle, drei Männer und eine weitere Frau sind schwer verletzt. Ein Gutachter soll nun klären ob es sich um einen technischen oder menschlichen Fehler handelte.

Der schreckliche Unfall lässt nun die Debatte um ein Tempolimit auf der A8 neu aufflammen. Auch Bürgermeister Bernhard ( CSU) setzt sich dafür ein. Er sagt: „Die Autobahn ist stark befahren obwohl sie sechs Spuren hat.“ Das bedeute auch viele Unfälle, die durch ein Tempolimit verhindert werden könnten. Bernhard fordert dazu eine Zusammenarbeit der Bürgermeister entlang der A8 sowie der Landräte in Günzburg und Augsburg. „Es ist wichtig, gegenüber dem Innenministerium geschlossen aufzutreten“, sagt der Adelsrieder.

Das Hinterteil des Wagens wurde auf die Fahrbahn nach Stuttgart geschleudert. Da der Verkehr dort gering war, blieben weitere Opfer aus.
Bild: Marcus Merk

Auch die Polizei fordert ein Tempolimit auf der A8

Auch die Autobahnpolizei Gersthofen fordert das Tempolimit. Die Auffahrt in Adelsried sei zwar bisher nicht besonders aufgefallen, „aber an allen Autobahnauffahrten gibt es ein erhöhtes Unfallaufkommen“, sagt Josef Sitterer von der Autobahnpolizei. Durch eine Geschwindigkeitsbegrenzung würde es weniger schwere Unfälle geben. Ein normales Schild sei aber nicht die optimale Lösung: „Eine temporäre elektrische Anlage wäre ideal“, sagt Sitterer.

Sensoren sind dabei in der Lage Verkehrsaufkommen und Wetterverhältnisse zu überprüfen. Die automatisch berechnete Höchstgeschwindigkeit wird dann per Leuchtsignal angezeigt. Robert Schmidt, Geschäftsführer von der zuständigen Autobahnmeisterei Pansuevia, ist sich hingegen sicher, dass ein generelles Tempolimit den Unfall nicht verhindert hätte. Diese Frage soll nun ein Gutachten klären.

Hintergrund: Beim Auffahren auf die A8 in Richtung München war am Montag ein BMW mit einem VW Passat kollidiert. Die Fahrbahn war in beide Richtungen für mehrere Stunden gesperrt. Laut Autobahnpolizei Gersthofen kann über den Unfallgrund noch nicht viel gesagt werden, da die Beteiligten nicht ansprechbar seien.

Hätte ein Tempolimit den Unfall auf der A8 verhindert?

Obwohl er nicht glaubt, dass ein generelles Tempolimit den Unfall verhindert hätte, ist Robert Schmidt für eine elektronische Anlage. Ein klassisches Tempolimit kann er sich nur als Übergangslösung vorstellen. „Die Streckenführung ermöglicht durchaus höhere Geschwindigkeiten aber nicht bei allen Verhältnissen“, sagt er. Viel Verkehr oder regen könnten schnelles Fahren unverantwortlich machen. Doch auch leere Straßen können gefährlich sein, denn sie animierten zum Rasen. Sobald am Wochenende weniger Laster auf der Autobahn unterwegs sind, steige die Zahl der Unfälle, sagt Schmidt.

Zuständig für ein Tempolimit auf der A8 wäre der bayerische Verkehrsminister Joachim Herrmann. Der CSU-Politiker hat vergangene Woche bereits ein streckenweises Tempolimit von 120 Stundenkilometern für die A8 angekündigt. Bei Adelsried ist aber keines vorgesehen. Eine elektronische Anlage, wie sie sich die Autobahnpolizei Gersthofen wünscht, soll 2022 folgen.

Herrmann sieht vorerst keinen weiteren Handlungsbedarf, wie er dem Zusmarshauser Marktgemeinderat Stefan Vogg mitgeteilt hat. „Gerade für die Berge bei Zusmarshausen, Adelsried und Burgau wäre ein Tempolimit aber dringend nötig“, sagt Vogg, der etwa 300 Meter von der A8 entfernt lebt. Vogg kämpft bereits seit Jahren für ein Tempolimit und ein Überholverbot für Lastwagen. Doch seine Forderungen fanden bisher kein Gehör: „Ich werde eigentlich überall abgeblockt“, sagt er. Damit gibt er sich nicht zufrieden: Die Briefe und Emails zu diesem Thema füllen bereits mehrere Regale in seinem Büro.

Hören Sie sich dazu auch unseren Podcast an. In dieser Folge geht es um den harten Job der Berufsfeuerwehr:

Lesen Sie auch:

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

01.07.2020

Der Unfall wäre durch niedrigere Geschwindigkeiten vielleicht nicht verhindert worden, aber die Folgen nicht so schwer gewesen. Wenn die Herren Verkehrssachverständigen im Physikunterricht aufgepasst hätten, wüssten sie, dass die Bewegungsenergie mit steigender Geschwindigkeit quadratisch zunimmt (E = 1/2 m v²). Und beim Unfall wird die Bewegungsenergie in Deformationsenergie umgesetzt etc..

Permalink
01.07.2020

Es gibt die Annahme, dass die Autobahnen Teststrecken der Autoindustrie sind und deutsche Autos deswegen im Ausland als besonders sicher angepriesen werden.
Daher glauben Politiker, dass ein Tempolimit der Autoindustrie schaden könnte. Ob deshalb Menschen sterben, verletzt werden und viel Leid entsteht ist dem bayerischen Verkehrsminister Joachim Herrmann und seinem Kollegen im Bund, Herrn Scheuer vollkommen egal. Das die beiden Herren in einer Partei sind, die mit C für "Christlich" beginnt ist ein Hohn.

Permalink
01.07.2020

Das C steht für "Commercial"...

Permalink
01.07.2020

>> „Die Streckenführung ermöglicht durchaus höhere Geschwindigkeiten aber nicht bei allen Verhältnissen“ <<

Es ist doch wetterunabhängig, wenn jemand durch einen offensichtlichen Fahrfehler beim Beschleunigen auf der Einfahrt wie im aktuellen Fall ins Schleudern kommt und sich dann auf der Fahrbahn quer stellt?

Permalink
30.06.2020

Was spricht denn eigentlich GEGEN ein Tempolimit dort?? Passieren dann zuwenig Unfälle und gibt es dann zuwenig Tote und Verletzte dort?? Man könnte ja mal probeweise für ein Jahr ein Tempolimit mit 120 km/h einführen und dann schauen, ob es was gebracht hat.

Permalink
01.07.2020

Man könnte auch einfach ein generelles Überholverbot für LKW, zumindest von 6-18 Uhr auf allen BAB einführen. Eine entsprechend höhere Kontrolldichte durch die Verkehrspolizei, insbesondere gegen notorische "Linksstreifenfahrer" bzw. "Mittelstreifenfahrer" obwohl rechts alles frei ist, wäre zudem eine sinnvolle Maßnahme. Ich verstehe auch nach über 8 Jahren Außendienst immer noch nicht, weshalb manche Menschen meinen, Sie müssten bei einer 3-spurigen Autobahn einen LKW mit annähernd identischer Geschwindigkeit überholen, der sich gerade auf dem Mittelstreifen mit 100 km/h ein Elefantenrennen mit einem weiteren LKW liefert. Meist ziehen dann genau diese PKW unvermittelt auf die linke Spur ohne Rücksicht auf den nachfolgenden Verkehr. Ebenfalls gehören die Strafen für diese Überholvorgänge von LKW drastisch verschärft. Sie überschreiten in 95% der Fälle die maximal vorgegebene Zeitspanne des Überholvorganges.
Ein Überholvorgang darf lt. Urteil max. 45 Sekunden dauern. Dies ist aber in der Praxis ja gar nicht zu schaffen. Nimmt man den Mindestabstand zweier LKW auf einer BAB von min. 50m der einzuhalten ist, und dann noch zusätzlich die Länge des zu überholenden LKW von ca. 25m ist bei z.B. 3 km/h der Überholvorgang nicht unter 90 Sekunden zu schaffen. Und dies auch nur, wenn er rechnerisch direkt wieder vor dem überholten LKW einscheren würde. Der Gesetzgeber hat hier eigentlich klare Grundlagen geschaffen, diese werden jedoch nur in den seltensten Fällen überwacht geschweige denn sanktioniert. Die Höchstgeschwindigkeit von LKW sollte grundsätzlich auf 80km/h begrenzt sein. Dies sieht in der Realität jedoch bekanntlichermaßen anders aus. Für einen LKW der seine zu fahrenden 300km mit 85 statt 80km/h fährt, benötigt 14 Minuten länger. Sollten diese 14 Minuten ausschlaggebend sein, bin ich gerne bereit für meine Konsumgüter ein paar Cent mehr zu bezahlen.

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren