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Ehrenamt

03.03.2017

Hospizbegleiter: Genussmomente bis zum Tod

Mandy Regis-Lebender (Mitte), die Koordinatorin der Hospizgruppe Meitingen, freut sich, dass bereits die zweite Generation an Hospizbegleiterinnen nun ihre Ausbildung beendet. Barbara Kopold (rechts) gehört dazu. Ulrike Müller (links) ist bereits seit 2014 aktives Mitglied der Hospizgruppe.
Bild: Steffi Brand

Ende Februar endete die zweite Ausbildung der Hospizgruppe Meitingen. Warum es vor allem um Lebensqualität geht

Wenn Ulrike Müller und Barbara Kopold darüber berichten, in ihrem Ehrenamt „Lebensqualität“ zu spenden, dann klingt das zunächst fast mit ihrer Aufgabe unvereinbar. Denn Ulrike Müller hat im Jahr 2014 die Ausbildung zur Hospizbegleiterin gemacht. Barbara Kopold beendet diese Ausbildung gerade. Die enge gedankliche Verquickung des Begriffs „Hospiz“ mit dem Tod ist sicherlich richtig, doch wer den Erzählungen von Ulrike Müller und Barbara Kopold über den Praxis-Einsatz lauscht, der merkt: Es geht um so viel mehr als um den Tod.

Als Ulrike Müller zu ihrem vierten Einsatz als Hospizbegleiterin gerufen wurde, hatte sie „Glück“, wie sie selbst sagt. Sie hat die alte Dame, zu der sie gerufen wurde, noch in recht fittem Zustand angetroffen. Sie habe viel erzählt und sie liebte Groschenromane, die Ulrike Müller ihr gerne vorgelesen hat. Gerufen wurden die Hospizbegleiter aus einem einzigen Grund: Die Familie der alten Dame wünschte sich nichts weiter, als die Dame möglichst lückenlos zu Hause zu betreuen. Da dies mit Blick auf die eigenen Herausforderungen im Alltag nicht immer in Eigenregie zu stemmen war, kamen die Hospizbegleiterinnen der Hospizgruppe Meitingen ins Spiel. Und Ulrike Müller, die bereits seit 2014 als ehrenamtliche Hospizbegleiterin tätig ist, bekam nach einer Weile noch zusätzliche Unterstützung. Barbara Kopold war gerade inmitten ihrer Ausbildung zur Hospizbegleiterin, und es stand das obligatorische Praktikum an. Da Barbara Kopold beruflich bereits in der Altenpflege arbeitet, ging es der Koordinatorin der Hospizgruppe, Mandy Regis-Lebender, nicht darum, im Rahmen eines Praktikums im Altenheim zu überprüfen, ob sie mit älteren Menschen umgehen kann. So war schnell entschieden: Barbara Kopold sollte sich mit Ulrike Müller am Bett der alten Dame mit dem Vorlesen abwechseln. „Wenn ihr einmal kurz die Augen zufielen und man hörte auf zu lesen, war sie gleich wieder hell wach und erklärte: Sie dürfen weiterlesen, ich schlafe nicht“, erinnert sich Barbara Kopold an ihren ersten Praxiseinsatz als Hospizbegleiterin.

Die Hospiz-Koordinatorin erklärt, was an diesem Beispiel ganz deutlich wird: „Die Hospizbegleitung setzt nicht am Sterbebett an.“ Aktiv werden die Hospizbegleiterinnen dann, wenn anzunehmen ist, dass die Krankheit zum Tode führen wird oder ein Mensch schlicht altersbedingt aus dem Leben scheidet. Da die Hospizbegleitung lange vor dem Tod in Anspruch genommen werden darf, kann sich der Zustand auch wieder verbessern. Dann ziehen sich die Hospizbegleiterinnen wieder zurück.

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Darüber hinaus ist das Angebot nicht nur eine ehrenamtliche Leistung für den Kranken selbst, sondern auch für die Angehörigen des Patienten. Während der Ausbildung lernen die angehenden Hospizbegleiterinnen, dass Mitleid niemanden weiterbringt und sie sich daher in der Rolle als Gesprächspartner sehen sollten und um „Freude zu bereiten“, wie Mandy Regis-Lebender erklärt.

Hospizbegleitung bedeutet nicht „irgendeinen Zauber zu veranstalten“, erzählt Ulrike Müller und relativiert damit die Angst vor etwaigen Anforderungen, die an die künftigen Hospizbegleiter gestellt werden. Es geht darum, den alten oder kranken Menschen eine ihrer größten Ängste zu nehmen: die Angst vor dem Alleinsein. Barbara Kopold hat in diesem Zusammenhang noch etwas ganz Wichtiges während ihrer Ausbildung gelernt: „Es geht nicht darum, noch mehr Ratschläge zu geben oder noch mehr Trost zu spenden – es geht darum, die Situation auszuhalten.“

Gespräche über den Tod dürfen sein. Da dies für Familienangehörige nicht immer einfach ist, sind Hospizbegleiter an dieser Stelle eine wertvolle Stütze – und zwar für die ganze Familie. Und auch wenn es keiner zugeben möchte, so ist es doch völlig in Ordnung, wenn pflegende Angehörige selbst an ihre Grenzen stoßen, den Tod des Angehörigen förmlich herbeisehnen – und eben genau über diese Gefühle offen mit den Hospizbegleiterinnen sprechen können.

In den Praxiseinsatz ziehen die Hospizbegleiterinnen mit mächtig viel Engagement und nur wenig Equipment. Ein kleines Handkreuz, das viele Kranke schon nach kurzer Zeit lieb gewonnen haben, und vielleicht das eine oder andere Hilfsmittel aus dem Pflegebereich wie etwa ein Mundstäbchen, gehören zu ihrer Grundausstattung. Ihr Ziel ist es, möglichst viele Genussmomente zu bescheren – und dabei darf der Geschmackssinn nicht unterschätzt werden.

Die Dame, die Ulrike Müller und Barbara Kopold begleitet haben, schwärmte beispielsweise für Rotwein-Schorle und Kekse. Nun das zu dürfen, was vielleicht für einige Zeit untersagt geblieben ist, war für die alte Dame ein wahrer Genuss und damit auch erlebte Lebensqualität bis zum Tod.

Meitingen steht unter der Trägerschaft der Ökumenischen Sozialstation Meitingen und Umgebung. Weitere Informationen unter der Telefonnummer 08271/8120222 sowie per E-Mail unter hospiz@sozialstation-meitingen.de

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