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Betriebsseelsorger unterwegs

18.03.2009

Im Auftrag der Kirche

Er kann ihnen kein Geld geben, nichts versprechen, ihre Existenz nicht sichern. Und trotzdem ist Hans Gilg für die Menschen in den von der Krise gebeutelten Unternehmen ganz wichtig. Der 45-jährige Untermeitinger ist einer von drei Betriebsseelsorgern in der Region Augsburg. Von Monika Schmich

Landkreis Augsburg Er kann ihnen kein Geld geben, nichts versprechen, ihre Existenz nicht sichern. Und trotzdem ist Hans Gilg für die Menschen in den von der Krise gebeutelten Unternehmen ganz wichtig. Der 45-jährige Untermeitinger ist einer von drei Betriebsseelsorgern in der Region Augsburg.

Seine Kollegen und er besuchen die Firmen im ganzen Landkreis, sie sprechen mit Mitarbeitern - und bringen ein Stück Hoffnung in die Werkshallen zurück. Große Worte oder Bibelzitate braucht Gilg dafür nicht. "Ich kann die Situation der Mitarbeiter nicht ändern. Das wissen sie auch", sagt der Theologe. "Aber ich höre ihnen zu." Und genau dieses Schweigen, dieses stille Zuhören, genau das sei für viele Menschen in der jetzigen Situation so wichtig.

Seit die weltweite Finanzkrise auch die Unternehmen in der Region erfasst hat, seitdem ist Gilg gefragt wie nie zuvor. "Ich könnte 1000 Termine machen. Aber das schaffe ich nicht", berichtet er. Etwa drei bis vier Betriebe besucht er pro Woche. Für die nimmt er sich viel Zeit.

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Meist knüpft der Seelsorger den ersten Kontakt über die Betriebsräte. Mit ihnen spricht er, von ihnen lässt er sich den Betrieb zeigen. Oft ergibt sich bei einem Rundgang durch die Werkshallen zwischen Maschine und Förderband, zwischen Pausenraum und Toilette mit dem einen oder anderen Mitarbeiter ein Gespräch, ganz zwanglos. "Aufdrängen darf man sich nie", betont Gilg. Schließlich gehe es nicht ums Missionieren.

Stattdessen fragt der Theologe nach Familie, nach dem Lebensumfeld, nach der Arbeit. Und schon sei man mittendrin, bei den Sorgen und Nöten des Einzelnen. Immer häufiger beträfen die das Finanzielle. "Und dann kommt die Angst dazu: Wie geht es weiter?", erzählt Gilg. Bei Härtefällen knüpft der Seelsorger Kontakt zu anderen Instanzen, zur Familienhilfe oder Schuldnerberatung. In den meisten Fällen gehe es aber einfach nur um eins: "Die Leute sollen sich ihre Probleme von der Seele reden", sagt Gilg. Mit der Unternehmensführung kommt der Seelsorger selten in Kontakt. Aber er weiß, dass viele "sehr aufgeschlossen" seien. Ohnehin will Gilg nicht den Moralapostel spielen. "Es gibt ja auch viele tolle Chefs, die mitleiden und die sich für ihre Leute einsetzen", berichtet er. Aber oftmals stehe eben der "Kostenfaktor Mensch" zu sehr im Vordergrund. Wenn Gilg an die Leiharbeiter denkt: "Die werden ja nicht mal mehr in der Personalstatistik geführt. Die laufen bei vielen über den Einkauf." Mit der Menschlichkeit, wie sie die katholische Soziallehre definiert, habe das nichts zu tun.

Aber Gilg hat in der Krisenzeit auch die andere Seite des Wirtschaftslebens kennengelernt. Er berichtet von einer großen Solidarität unter den Mitarbeitern, vom Zusammenwachsen der Belegschaft. "Es sind Kleinigkeiten wie ein Schulterklopfen, die in keiner Bilanz auftauchen, die aber das Arbeitsleben menschlicher machen", sagt er. Das sei gelebter Glaube, das sei das wahre Evangelium - auch wenn vielen das gar nicht bewusst ist.

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