Flüchtlinge

14.10.2016

Im Landkreis gelandet

Im vergangen Jahr kamen in vielen Kommunen im Landkreis Augsburg Asylbewerber an, für die dringend Platz benötigt wurde. Unser Bild zeigt eine Aufnahme aus dem August 2015. Damals wurden 200 Flüchtlinge zunächst in der Neusässer Dreifachturnhalle an der Realschule untergebracht.

Hunderte haben bereits ein Bleiberecht, viele weitere werden folgen. In den Unterkünften haben die Menschen ein Dach über dem Kopf. Doch auf die Dauer ist mehr nötig

Sie kamen im August vor einem Jahr übers Meer nach Griechenland, schliefen in Belgrad im Park und hungerten in Ungarn. Die kleine Reemas war gerade ein Jahr alt. Gelandet sind die Familien Rustom und Jamal aus der syrischen Hafenstadt Tartus schließlich in Königsbrunn. Vier Erwachsene und ein Kleinkind teilen sich zwei kleine Räume, Bad und Küche in der Unterkunft in der Lilienthalstraße und würden gerne in eine größere Wohnung ziehen. Doch die ist nicht zu finden.

So wie diesen Flüchtlingen aus Syrien geht es derzeit Hunderten im Landkreis Augsburg. Ihre Asylverfahren sind soweit abgeschlossen, dass sie im Land bleiben dürfen, aber aus den Unterkünften kommen sie deswegen noch lange nicht raus. Es fehlen die geeigneten Wohnungen, obwohl die Miete gesichert wäre, weil der Staat im Notfall einspringt. Als „Fehlbeleger“, wie es im Amtsdeutsch heißt, wohnen die Menschen weiter in einer der 65 Asylunterkünfte, die es im Landkreis Augsburg gibt. „Die Obdachlosigkeit droht keinem,“ sagt Max Rauscher.

Der Büroleiter des Sachgebiets für öffentliche Ordnung am Landratsamt hat von Anfang an an vorderester Front miterlebt, wie die Zahl der Flüchtlinge auch im Augsburger Land anschwoll. Bis Mitte 2012, da war Rauscher noch Chef des Ausländeramtes, kümmerten sich in der Landratsamtszentrale am Augsburger Prinzregentenplatz zwei Mitarbeiter um etwa 60 Menschen.

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Heute ist der Bereich Asyl nach Schwabmünchen gezogen, umfasst 24 Mitarbeiter und betreut aktuell mehr als 2100 Menschen, die in den verschiedenen Unterkünften wohnen. Es waren schon mal mehr. Ende vergangenen Jahres lag die Zahl bei 2500. Es war die Zeit, als in einer Neusässer Schulturnhalle Sperrholzwände hochgezogen waren, als der Landkreis in einer ehemaligen Wäscherei in Schwabmünchen und in einer Gewerbehalle in Welden Notunterkünfte einrichtete. Wo früher Innenbezüge für Särge hergestellt wurden, mussten bis zu 16 Menschen in einem Raum leben. Rauscher im Rückblick: „Noch so ein Jahr könnte niemand mehr verkraften.“

Seit der Schließung der Balkanroute kommen deutlich weniger Flüchtlinge im Landkreis an. Zuletzt waren es um die 40 Menschen im Monat – vor einem Jahr kamen 60 und mehr in der Woche. Das entspannt die Lage in den Unterkünften, wo sich die Reihen gelichtet haben und es weniger Reibereien gibt, weil immer wieder anerkannte Flüchtlinge ausziehen, die mit Hilfe der ehrenamtlichen Betreuer eine Bleibe gefunden haben.

Beim Großteil der Menschen allerdings läuft das Verfahren noch. Mehr als 1500 warten auf ihren Bescheid, viele von ihnen werden voraussichtlich länger im Land bleiben, wie ein Blick in die Statistik zeigt. Fast die Hälfte der Asylsuchenden im Landkreis, deren Verfahren noch nicht abgeschlossen ist, kommt aus Afghanistan, Syrien, dem Irak und dem Iran. Flüchtlinge aus diesen Ländern haben gute Aussichten auf ein Bleiberecht: Aktuell liegt für sie die sogenannte Schutzquote bei mehr als 60 Prozent.

Die Konsequenz aus diesen Zahlen liegt für Rauscher klar auf der Hand. Nun gehe es darum, sich um die Integration der Menschen zu kümmern. „Die Leute sollen Fuß fassen.“ Ende Oktober soll deshalb im Landratsamt eine große Migrationskonferenz stattfinden. Auf der wird es unter anderem darum gehen, wie Zuwanderer besser und schneller in den Arbeitsmarkt integriert werden können.

Um diese Ziele zu erreichen, muss noch einiges geschehen, sagt die SPD-Landtagsabgeordnete Simone Strohmayr: „Wir müssen uns dafür einsetzen, dass Menschen wie die Rustoms und Jamals, die zu Hause keine Zukunft mehr haben, hier eine zweite Heimat finden.“ Und nicht nur in diesem Punkt sind sich die Landespolitikerin und die Königsbrunner SPD-Stadträtin Andrea Collisi, die Flüchtlinge ehrenamtlich betreut, einig: „Wir brauchen dringend bezahlbaren Wohnraum für diese Familien und müssen sicherstellen, dass auch die Mütter einen Sprachkurs besuchen können. Dazu gehört, dass es genügend Betreuung für kleine Kinder wie Reemas in unserem Land gibt.“

Ahmad Jamal, der im August übers Meer kam, spricht inzwischen fließend Deutsch. Auch ein Berufspraktikum als Informatiker schloss der 27-Jährige mit positiven Bewertungen ab. Er möchte unbedingt wieder in seinem Beruf arbeiten.

Auch Ghassan Rustom, der unbedingt wieder als Elektrotechniker arbeiten möchte, besuchte einen Sprachkurs und hat mittlerweile ein Arbeitspraktikum hinter sich gebracht. „Ich wünsche mir und meiner Familie, dass wir eine Zukunft für unsere Kinder haben“, so Ghassan.

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