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Gersthofen

25.06.2019

Imkerei: Es brummt und summt in Biberbach

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Kleine Schutzröhrchen werden über die Weiselzelle der Königinnen gestülpt, damit es nicht zum Königinnenmord kommt. Martin Fraunhofer von der Imkerei Braun in Biberbach spekuliert im Sommer auf reiche Tracht, wie der eingesammelte Nektar, die Pollen und der Honigtau in der Fachsprache heißt. 
Bild: Sonja Diller

Nach einigen Wetterkapriolen ist jetzt die beste Zeit für das Heranziehen der Königinnen. Mit ihren steht oder fällt das Schicksal eines ganzen Bienenvolkes.

Wetterkapriolen, kapriziöse Königinnen, kompromisslose Völker und nicht immer garantierte Früchte monatelanger Arbeit: Imker sein kann ganz schön aufregend sein. Im Dezember hat Martin Fraunhofer von der Imkerei Braun in Biberbach erklärt, wie seine gestreiften Ladys durch die kalte Jahreszeit kommen. Jetzt ist Hochsaison besucht. Da müsste es aktuell es doch in jeglicher Hinsicht so richtig brummen rund um die Stöcke?

„Im Prinzip ja, doch der Anfang war holprig“, sagt der Fachmann. Erst zu warm, dann zu kalt und der Mai regnerisch, zählt Martin Fraunhofer die widrigen Faktoren für die Bienen auf. Normalerweise blüht früh im Jahr erst die Weide, dann die Obstbäume, danach der Raps. Speziell den Obstblüten machte das Wetter zu schaffen. Deshalb gingen ein paar seiner Völker im Frühjahr ans Eingemachte und fütterten die Brut mit den Rücklagen, die Fraunhofer gerne goldgelb in Gläser abgefüllt hätte. Für den Sammelflug war es ihnen öfter mal zu kalt: Mindestens 10 Grad warm und trocken sollte es dafür sein. „Nicht schlimm“, findet der gebürtige Oberbayer den Griff seiner Bienen in die Vorratskammer. „Das ist Natur.“ Er spekuliert im Sommer auf reiche Tracht, wie der eingesammelte Nektar, die Pollen und der Honigtau in der Fachsprache heißt. Denn jetzt ist es warm und speziell im außerhalb des Ortes gelegenen Bienenparadies im lichten Wald blühen Himbeeren und Brombeeren so richtig üppig. „Das rettet uns auch durch schlechte Blütezeiten“, sagt Fraunhofer Wert.

Mai und Juni sind gute Monate für Imker

Im Moment ist er ohnehin mit Wichtigerem beschäftigt als Flugstunden nachzurechnen. Denn Mai und Juni sind die besten Monate für das Heranziehen der Königinnen, mit denen das Schicksal eines ganzen Bienenvolkes steht oder fällt. Während die normale Arbeitsbiene, die rund 40 Tage Lebenszeit hat, nur ein kleines bisschen vom königlichen Futtersaft „Gelee Royal“ abbekommt, schwimmt die heranwachsende Regentin geradezu darin. Deshalb lebt sie viel länger, nämlich etwa drei Jahre und legt zu besten Zeiten gut 2000 Eier am Tag. Das muss sie auch, denn eine schlechte Königin wird von ihrem Volk auf gut bayerisch abgewatscht und dann einfach vor die Tür gesetzt. „Ganz zerzaust“, hat der Imker schon eine Königin vor ihrem Volk gerettet, das mit ihr nicht zufrieden war. In einem anderen Volk hat sie sich dann aber ganz ordentlich gemacht, erzählt er von den seltsamen Geschichten, die Mutter Natur im Bienenstock schreibt.

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Bis es soweit ist, dass eine Königin ihrem Volk den ersehnten Nachwuchs schenken kann, hat der Imker einiges zu tun. Aus einem Brutnest, in dem es nicht um den Honig, sondern nur um die neuen Königinnen geht, stammen die Eier, die der Imker mit einem winzigen Löffel in kleine Becher im Zuchtrahmen ablegt. Sobald die Brutpflegerinnen im Bienenvolk den künftigen Königinnen ihre erste Behausung, die Weiselzelle, gebaut haben, kommt auch schon ein Schutzröhrchen über die royale Wiege. Denn die erste Königin die schlüpft, beseitigt kurzerhand die Konkurrenz.

Mutter von Abertausenden von Bienen

Durch das gelochte Röhrchen kann die frisch geschlüpfte Königin zwar gefüttert werden, aber sie kann nicht auf Raubzug gehen. Bald zieht die noch jungfräuliche Königin mit einem Teil der Bienen, die sie aufgezogen haben, in das Begattungskästchen um. Von dort fliegt sie aus um sich so lange mit Drohnen zu paaren, bis die lebenslange Eierproduktion gesichert ist. Und dann kann es losgehen mit dem Job, der wohl einer der Wichtigsten im Naturkreislauf ist. Sie wird die Mutter von Abertausenden von Bienen, die beim Nektar sammeln wichtige Bestäubungsarbeit leisten und zusätzlich ein wertvolles Nahrungsmittel liefern.

Immer wieder ein Wunder, das Respekt verdient, ist für Martin Fraunhofer der Kreislauf des Lebens im Bienenstock. Deshalb würde er auch nie auf die Idee kommen, seine Bienenköniginnen per Post zu verschicken. „Fürchterlich“ findet er den Gedanken an die Paketbienen, die in einen Umschlag gestopft und mit ein paar Luftlöchern in der Verpackung auf die Reise ins Unbekannte gehen. Wer eine seiner Damen haben möchte, der muss sich schon auf den Weg nach Biberbach machen, um die Prinzessin mitsamt ihrem kleinen Anfängervolk bei ihm abzuholen. Und dem Mann, der gerne einfach mal im Garten sitzt und dem Summen und Brummen in aller Ruhe zuschaut, ist es durchaus zuzutrauen, dass er einen nicht genehmen Bewerber auch unverrichteter Dinge wieder nach Hause schickt.

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