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Gesundheit

16.05.2014

Immer öfter heißt die Diagnose: Demenz

Demenz ist eine schleichende Krankheit, bei der die Leistungsfähigkeit des Gehirns nach und nach schwächer wird. Die Folge sind Vergesslichkeit und mangelnder Antrieb. Oft können sich Patienten nicht mehr orientieren und sind hilflos.
Bild: Charly Höpfl

Forscher sagen bereits für das kommende Jahrzehnt im Landkreis Augsburg eine Verdoppelung der Zahl der Erkrankten voraus

Der Fall der Alzheimer-Patientin aus Königsbrunn hatte vor einem Vierteljahr bayernweit für Aufsehen gesorgt. Mit einer Mahnwache vor dem Gersthofer Pflegeheim, in dem die 89-Jährige untergebracht war, kämpften ehemalige Nachbarn erfolgreich gegen ein Besuchsverbot, welches das Amtsgericht in Augsburg verhängt hatte. Die große gesellschaftliche Frage, die hinter derartigen Vorkommnissen aufscheint: „Wie gehen wir mit dementen Menschen um?“ Denn eines ist sicher: Ihre Zahl wird wachsen.

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Experten warnen: Ganz Deutschland überaltert allmählich, die Zahl der Menschen mit der Alterskrankheit Demenz wird rasant steigen. Wer soll sie pflegen? Rund 1,4 Millionen Menschen mit Demenz leben derzeit in Deutschland. Bis 2025 dürften sich in einigen Regionen die Werte bereits verdoppelt haben, schätzen die Forscher. Für den Kreis Augsburg wird in den nächsten zehn Jahren eine Zunahme um 54 Prozent prognostiziert.

Viele Familien sind von der kräftezehrenden Aufgabe der Pflege demenzkranker Angehöriger überfordert, Privatpflegerinnen sind teuer, angemessene Heimplätze rar. Zumal vielen Pflegeheimen häufig das Know-how im Umgang mit den Dementen fehlt, obwohl sie einen immer größeren Anteil ihrer Patienten ausmachen. Die Heime stehen unter enormem Kostendruck, die schlecht bezahlten Pflegekräfte unter permanentem Zeitdruck. Verwirrte Alte, die sich wie Kleinkinder benehmen, überfordern das System. Fixierte, eingesperrte und mit Psychopharmaka ruhig gestellte Patienten seien die Regel in den Heimen, nicht die Ausnahme, so lautet zumindest das Ergebnis einer Doktorarbeit an der Uni Regensburg.

Immer öfter heißt die Diagnose: Demenz

Ab 65 Jahren steigt die Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken, steil an. Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung nennt Zahlen. Knapp 3500 Erkrankte gab es 2008. Nach dem Prognoseszenario der Forscher soll der Wert bis zum Jahr 2025 um rund 54 Prozent zunehmen – das wären dann weit über 5300 Betroffene.

Die Kommunen stünden bis zum Jahr 2025 vor großen Herausforderungen, warnen die Berliner Forscher. „Zu diesem Zeitpunkt erreichen die starken Jahrgänge der Babyboomer das Rentenalter. Die nachfolgenden Generationen, die sich als Kinder, Schwiegerkinder, Enkel oder auch als potenzielle Pflegekräfte um die demenziell Erkrankten kümmern könnten, fallen deutlich kleiner aus. Daraus ergibt sich eine Lücke, die zu füllen eine gesellschaftliche und politische Aufgabe ist.“

Was die Krankheit für den Alltag bedeutet

Doch wie geht man im Alltag mit Demenzkranken würdig um? Statt auf den Bau neuer Pflegeheime setzen die Experten auf neue Betreuungsmodelle. Beispielsweise wie im Vorzeige-Demenzdorf De Hogeweyk in den Niederlanden, das zugleich Vorbild für das erste deutsche Demenzdorf ist, das im Frühjahr 2015 im rheinland-pfälzischen Alzey eröffnen soll. De Hogeweyk ist auf die Bedürfnisse der Kranken zugeschnitten und gleicht einem ganz normalen Dorf. Verlaufen kann sich dort niemand, denn das Dorf ist so konzipiert, dass man immer wieder am Ausgangspunkt landet.

Neue Ansätze verfolgt auch das Bielefelder Modell, das stadtteilbezogen Hilfen und Aktionen konzentriert. Immer häufiger gibt es auch Wohngemeinschaften für Demenzkranke: Die Betroffenen werden rund um die Uhr von ambulanten Pflegekräften betreut, die Familienangehörigen helfen in Alltagsdingen mit. (zds, AL)

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