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Dinkelscherben-Anried

11.01.2020

In Anried ist ein Streit über eine alte Eiche entbrannt

Eine alte Eiche im Dinkelscherber Ortsteil Anried wurde gefällt. Bei Bürgern hat diese Entscheidung zu Unmut geführt.
Foto: Inge Herz

In Anried ist ein Baum bei der Marien-Grotte gefällt worden. Als Grund wird die Sicherheit der Passanten genannt. Die Entscheidung stößt auf Widerstand.

An einer alten Eiche in Anried hat sich ein Streit entzündet. Mehr als 80 Jahre stand der Baum hinter der Marien-Grotte in einem biotopgeschützen Feldgehölz. Doch seit vergangener Woche befindet sich dort nur mehr ein Baumstumpf. Mit der Begründung der Sicherheit für Passanten ist der mächtige Baum gefällt worden – zum Unmut des Naturschutzbundes, Teilen des Gemeinderats und mancher Bürger. Eine von ihnen ist Inge Herz, die sich mit einem Schreiben an unsere Redaktion gewandt hat. Ihrer Ansicht nach wurde die Eiche aufgrund einer Fehleinschätzung gefällt. Eine Kritik, die Bürgermeister Edgar Kalb so nicht stehen lassen will.

Gutachten bestätigt schlechten Zustand der Eiche

In einem von der Gemeinde Dinkelscherben beauftragten Gutachten des Landratsamtes Augsburg beurteilte Bernhard Frey, Kreisfachberater für Gartenbau, den Zustand der Eiche als nicht mehr zu retten. Aufgrund der „stark nachlassenden Vitalität“, dem „fortgeschrittenen Zerfall der Baumkrone“ sowie „Ast- und Starkastabbrüchen in der gesamten Baumkrone“ und „Hohlfäule“ stellte der Baum seiner Ansicht nach ein Risiko für die Verkehrssicherheit dar.

Durch die Nähe zur Grotte und einer Sitzgelegenheit sei diese Stelle als Platz des „öffentlichen Verkehrs“ einzustufen, erklärt Frey die Entscheidung, den Baum zu fällen. Und die Sicherheit der Menschen stehe in diesem Fall über den „sonst in freier Landschaft rechtlich wirkenden ökologischen Kriterien, wie Belassung von Totholz und Bewahrung von Habitaten“, also den Lebensräumen für Tiere. Dazu zählen unter anderem Baumhöhlen.

Die Entscheidung, die Eiche zu fällen, wurde lange diskutiert

Um eben solchen Lebensraum für Insekten zu erhalten, solle der Baumstumpf an der Stelle bleiben, sagt Dinkelscherbens Bürgermeister Edgar Kalb auf Nachfrage. Ihn ärgern die Stimmen, die die Entscheidung der Gemeinde anzweifelten. Die Gemeinde habe diese schließlich nicht über Nacht getroffen. „Wir haben ein zweites gemeindliches Gutachten eingeholt und das Thema im Umweltausschuss behandelt.“ Der Beschluss, den Baum zu fällen, sei demnach schon im Sommer getroffen worden.

Laute Kritik von Bürgern: "Fehlentscheidung"

Inge Herz, Mitglied des Vorstands der Ortsgruppe Bund Naturschutz Dinkelscherben, kann die Fällung der alten Eiche trotz allem nicht nachvollziehen. Ihrer Meinung nach habe ein Gegengutachten, in Auftrag gegeben durch den Bund Naturschutz, belegt, dass der Baum noch gesund gewesen sei und nicht hätte gefällt werden müssen. Herz arbeitete in ihrem Schreiben an unsere Redaktion heraus, dass die Eiche durch die „kompakte Krone und den dicken Stamm“ über ein „günstiges Höhen- und Durchmesserverhältnis“ verfüge und somit weitere Sicherheit böte. Auch der Einschätzung, herabfallende Äste könnten Passanten gefährden, setzte Inge Herz entgegen: „Durch das dauerhafte Kernholz kann stärkeres Totholz an Stiel-Eichen noch Jahre in der Baumkrone überdauern, ohne abzubrechen und herunterzufallen.“ Zwar würden Bäume in diesem Alter viele Mängel aufweisen, man dürfe aber ihr „Regenerationsvermögen“ nicht unterschätzen. Herz kritisiert die Fällung als „Fehleinschätzung“, durch welche „große Schäden im Naturkreislauf“ entstanden seien.

Gemeinde beharrt auf der Entscheidung

Von dem Gutachten, worauf sich Inge Herz stützt, hält Bürgermeister Kalb nichts. Auch das Landratsamt reagiert verhalten. Das Gegengutachten läge der Behörde bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht konkret vor, weshalb es zu den Inhalten keine Stellung nehme. Das Amt verweist hingegen auf ein öffentliches Gespräch vor Ort, das von Bürgern kaum wahrgenommen worden sei – wohl aber auch aufgrund einer mangelnden Kommunikation des Termins, wie das Landratsamt einräumte.

Eichen spielen auch im Hauptort eine große Rolle. Wie Bürgermeister Kalb erläutert, investierte die Gemeinde in die Bekämpfung von Schädlingen – wie zum Beispiel dem Eichenprozessionsspinner – bislang rund 30.000 Euro. In der Nähe des Freibads wurden entweder Nester von den Bäumen geholt oder Bäume zur Sicherheit gefällt. Vier weitere Eichen sind im Gemeindegebiet aus diesem Grund gefällt worden. Allerdings nicht ohne Ersatz: „In der Gegend um die Grotte werden im Frühjahr zwei neue Bäume gepflanzt“, sagt Kalb. Robuste Arten wie Ahorn oder Buche würden dafür ausgewählt. Wo diese genau stehen werden, sei noch nicht geklärt.

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