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Ehingen

23.08.2019

In Lauterbach verwurzelt, in der Welt der Volksmusik daheim

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Lauterbacher Dreigesang bei der Probe im Wohnzimmer von Ulrike Heindl: (von links) Johanna Wech, Ulrike Heindl, Marlies Landherr.
Bild: Andreas Lode

Hausbesuche: Die Frauen des Lauterbacher Dreigesangs proben im Wohnzimmer. Was für sie Singen bedeutet, welche CD sie gerade aufnehmen und welcher Auftritt besonders war.

Schon der erste Blick ins Wohnzimmer in Ehingen verrät, dass es hier musikalisch zugeht. Am großen Esstisch steht die Bronzefigur „Schwäbische Nachtigall“ – eine seltene Auszeichnung, die der Bezirk Schwaben als „Dank für herausragende Verdienste um die schwäbische Volksmusik“ nur alle zwei Jahre verleiht.

Zahlreiche Instrumente stehen im Raum bereit, sie scheinen fast zur Einrichtung des Wohnzimmers zu gehören. Am Kachelofen steht das Akkordeon, die Gitarre an der Wand, Flöten liegen am Kanapee. Für die Probe warten Noten und Notenständer, Stimmgabel und Co auf ihren Einsatz.

Vor gut 30 Jahren formierte sich das Gesangstrio

Im Juli überreichte Bezirkstagspräsident Martin Sailer dem Lauterbacher Dreigesang die Nachtigall. „Das ist uns eine besondere Ehre und Freude“ sagen die Sängerinnen unisono. Fesche Dirndl, bewusste Volksmusikpflege, und eindrucksvolle Stimmen sind ihr Markenzeichen. Vor gut 30 Jahren formierte sich das Gesangstrio um Johanna Wech (Mertingen), Ulrike Heindl (Ehingen) und Marlies Landherr (Ellgau).

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Gemeinsam gesungen wurde schon in den Kindertagen in Lauterbach bei Familienfesten. Die Freude an der Volksmusik begleitete die Schwestern Johanna und Marlies sowie Cousine Ulrike auch durch die Jugendzeit. Selbst Beruf, Heirat, Umzug oder Kindererziehung änderte nichts an ihrer gemeinsamen Leidenschaft.

Fest in der schwäbischen Volksmusikszene verwurzelt

Heute sind die drei Frauen als Lauterbacher Dreigesang fest in der schwäbischen Volksmusikszene verwurzelt. „Gemeinsames Singen mit anderen, zum Beispiel beim Wirtshaussingen, hebt die Stimmung. Singen bedeutet für uns Gemeinschaft. Gesungene Liedtexte sprechen die Gefühle viel mehr an, als das gesprochene Wort“, beschreiben die Sängerinnen das Singen als einen Ausdruck von Lebensfreude und Emotionen.

Für ihr Hobby werden ihre Wohnzimmer in unregelmäßigen Abständen zum Probenraum – abwechselnd stattet man sich gegenseitig den Besuch ab. In gemütlicher Atmosphäre wird geübt und gesungen – Musik, die ihnen am Herzen liegt. Da gehört aber auch dazu, dass man nach der Probe noch gemütlich zusammensitzt und Alltagsthemen austauscht.

Sie schreiben auch eigene Lieder und Texte

Zum Auftakt wird die Stimme mit Einsingübungen gelockert. Danach geht es an die eigentliche Probe. Traditionelle Volksmusik gehört ebenso zum Repertoire wie klassische Notensätze oder geistliches Liedgut. Die Sängerinnen legen Wert auf einen homogenen Dreigesang und haben den Anspruch, das Klangbild stimmig zu präsentieren. Sie haben Freude an innovativen Strömungen in der Volksmusik, schreiben auch eigene Lieder und Texte, die dann von Johanna Wech dreistimmig gesetzt werden.

Die Sängerinnen lassen ihre Stimmen zu vielerlei Anlässen erklingen. Ehrenamtlich. Es liegt ihnen am Herzen, die traditionelle Musikform in Gebrauch zu nehmen und ins gesellschaftliche Leben einzubetten. Sie absolvieren unterschiedliche Arten von Auftritten im Jahr und lassen ihre Zuhörer erleben, wie Volksmusik heute klingt – und von ihnen gepflegt wird: Vom Hoigarta über Mariensingen und Adventskonzerte bis zu Volksmusiktreffen oder der musikalischen Umrahmung von gesellschaftlichen Veranstaltungen. Neben Volksmusikevents sind die Auftritte im Kirchenraum das zweite große Betätigungsfeld. „Wer singt, betet doppelt“, sagt Marlies Landherr.

Auch in diversen Rundfunksendungen zu hören

Wo sie auftreten, singen sie sich in die Herzen der Zuhörer. Nicht von ungefähr ist deshalb der Lauterbacher Dreigesang auch in diversen Rundfunksendungen und auf der CD „Hei grüaß di Gott, Ländle“ des Bezirks Schwaben zu hören und damit einer bayernweiten Hörerschaft bekannt. Ein Highlight war für sie auch die Aufzeichnung des Bayerischen Fernsehens für die Sendung „la Vita“.

Gerne gehen sie auch Kooperationen mit anderen Künstlern oder Musikgruppen ein. Etwa mit den Klarischnättra aus Binswangen. Mit den sechs jungen Klarinettistinnen produzieren die Sängerinnen derzeit eine CD, auf der die beiden Gruppen sowohl alleine, als auch gemeinsam zu hören sind. Die beiden Frauengruppen kennen sich seit einigen Jahren.

Obwohl sich die jungen Instrumentalistinnen gerade in der Zeit der Familienplanung, also rund um Hochzeit, Hausbau und Kinderkriegen befinden, zögerten sie nicht und ließen sich auf das Abenteuer CD-Aufnahme ein. „Bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass der Altersunterschied beinahe eine Generation beträgt. Musik verbindet eben Völker, Nationen und Generationen“, unterstreicht Ulrike Heindl.

Kurz vor Weihnachten erscheint die neue CD

Ende September werden die Stimmen des Dreigesangs aufgenommen, als „Tonstudio“ dient dazu das Schillinghaus in Binswangen. Die Klarischnättra haben ihre Stücke bereits eingespielt. „Wenn alles klappt, wird die CD kurz vor Weihnachten erscheinen“, berichtet Johanna Wech.

Zurück zum Probenabend in Ehingen im Norden des Landkreises Augsburg. Gefeilt wird am Stück „Der Mond ist aufgegangen“. Dreistimmig. Die finale Version wird im Stehen gesungen – berührender Gesang durchdringt die Abendstille am Hirtenberg. Es ist ein Augenblick, in dem selbst Uneingeweihte nachspüren können, dass die Volksmusik auch in der modernen Zeit ganz besondere erhebende Momente birgt.

Bereits erschienen in unserer Serie "Hausbesuche":

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