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Oberschönenfeld

04.11.2019

In Oberschönenfeld twittern Buche und Fichte

Wie geht es unterschiedlichen Baumarten in Zeiten des Klimawandels? Ein europäisches Forschungsprojekt bringt mit Messsensoren Bäume zum Reden: Die Bäume senden Daten für die Wissenschaft. Das Bild zeigt ein Dendrometer, das den Durchmesser des Stammes misst und so Aufschluss über Wachstum und Wasserdurchfluss gibt. 
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Wie geht es unterschiedlichen Baumarten in Zeiten des Klimawandels? Ein europäisches Forschungsprojekt bringt mit Messsensoren Bäume zum Reden: Die Bäume senden Daten für die Wissenschaft. Das Bild zeigt ein Dendrometer, das den Durchmesser des Stammes misst und so Aufschluss über Wachstum und Wasserdurchfluss gibt. 
Foto: Marcus Merk

Plus Wie geht es unterschiedlichen Baumarten in Zeiten des Klimawandels? Ein europäisches Forschungsprojekt bringt Bäume zum Reden. Und die können so einiges erzählen.

Donald Trump twittert und Angela Merkel nutzt den Nachrichtendienst ebenfalls. Jetzt twittern sogar zwei Bäume in Oberschönenfeld. Das ist kein Scherz, sondern Wissenschaft. Auf diese Weise soll der Mensch erfahren, wie es den Bäumen im Jahresverlauf bei Wetterextremen und mit dem Klimawandel geht. Eine Fichte und eine Buche sind mit Messsensoren ausgestattet worden. Sie verraten beispielsweise etwas über die Dicke des Stammes, die sich je nach Wasserdurchfluss verändert. Für das Auge nicht sichtbar, aber für die Geräte messbar.

Als eine Konsequenz aus dem Klimawandel gilt es für Forstleute, den Wald stabiler und anpassungsfähiger zu machen. Das Interessante: Ein Baum kann dem Menschen viel erzählen, denn in seinem Stamm laufen eine ganze Reihe interessanter Prozesse ab. Bäume zum Reden zu bringen hat sich ein internationales Forschungsprojekt unter der Federführung der Universität Gent mit der Bezeichnung „TreeWatch.net“ zur Aufgabe gemacht.

Vitalwerte der Bäume werden gemessen

Durch Messsonden sollen dabei die Reaktionen unterschiedlicher Waldbäume auf Stress, wie Wasserknappheit und höhere Temperaturen, beobachtet werden. Gemessen werden dabei mehrere Vitalwerte der Bäume, wie der Wasserverbrauch oder der Stammdurchmesser, mittels an den Baumstämmen angebrachter Sensoren.

Die Daten werden fortlaufend aufgezeichnet und über eine Internetverbindung zur Auswertung an einen Server geschickt, der diese in Millimeter und Liter umrechnet und anschließend einen Tweet mit den aktuellen Daten abschickt.

Die Daten werden nach Gent geschickt

Unter der Trägerschaft des Naturpark Augsburg - Westliche Wälder e.V. wurden eine Fichte und eine Buche nahe des Klosters Oberschönenfeld mit Messgeräten versehen, die deren aktuelle Daten über Durchmesser, Saftstromfluss und Baumtemperatur ins europäische Rechenzentrum nach Gent in Belgien schicken. Diese Auskünfte werden dann verarbeitet, um mit Forschungsinstituten Modelle zu entwickeln, wie Bäume auf Stressfaktoren reagieren.

Das Projekt hat aber noch eine weitere Anwendung, erklärt der Geschäftsführer Naturpark, Werner Platteder. In Zusammenarbeit mit der Universität Erlangen wird der Naturparkverein die Bäume sprechen lassen. Und so kommen Schüler der 10./11. Klassen des Leonhard-Wagner-Gymnasiums Schwabmünchen ins Spiel, die die Daten in menschliche Sprachbotschaften übersetzen, die im Netz verbreitet werden. „Als twitternde Bäume“ teilen sie uns dann in einfachen Sätzen ihren Gesundheitszustand mit. Bei Wassermangel etwa könnte der Baum etwa „Hilfe ich habe Durst“ senden“, so Platteder.

Die Messergebnisse werden verständlich dargestellt

Das Projekt ist nicht nur für Wissenschaftler gedacht: Im Naturpark-Haus an einem Großbildschirm sind die Messergebnisse verständlich dargestellt, um wissenschaftliche Klimaforschung für den Bürger greifbarer, erlebbar zu machen. Die Besucher lernen dabei unter anderem, dass Bäume wichtig sind, weil sie das Klima regulieren können. Ein Ziel sei, Emotionen in der Bevölkerung zu wecken.

Ohne finanzielle Unterstützung im Rahmen des Projekts Waldattraktionen durch das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten hätte das Baumprojekt im Naturpark nicht durchgeführt werden können, so Platteder. Jetzt freute sich der Geschäftsführer des Naturparkvereins, dass es trotz einiger Probleme im Vorfeld noch rechtzeitig geschafft wurde, die Richtlinien einzuhalten und nun ein Projekt von insgesamt 17 geförderten Waldattraktionen in Bayern zu haben, für das jetzt der Startschuss gegeben wurde.

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