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Meitingen-Ostendorf

03.04.2021

In Ostendorf finden Kaninchen ein Zuhause

Auf ihren Sozialarbeiter Max kann sich Monika Fassl immer verlassen. Der Kaninchen-Riese ist ein ganz lieber Kerl, flößt renitenten Rammlern aber Respekt ein.
Foto: Sonja Diller

Monika Fassl betreibt eine Auffangstation für Kaninchen in Ostendorf. Wie die 25 Tiere hier leben und was die Nager wirklich brauchen

Schwarz-weiß mit Hängeöhrchen, braun-plüschig vor sich hin mümmelnd oder selbstvergessen in der Sonne dösend sehen die Zwergkaninchen in Mucki's Hasenscheune aus. Als ob sie schon immer ein tolles Leben gehabt hätten. Leider stimmt das so nicht. In der Auffangstation von Monika Fassl treffen sich die Fehlkäufe, die von großen Würfen übrig gebliebenen, die in falscher Haltung krank gefütterten Häschen. Zum Glück für die vierpfotigen Charmeure. Denn hier in Ostendorf werden sie sozialisiert, wieder auf die Beine gestellt und an ein gutes, neues Zuhause vermittelt.

Als tierische Sozialarbeiter sind die Langohren Max und Moritz dabei in Festanstellung behilflich. Der Acht-Kilo-Brocken Max und sein halb so schwerer Kumpel Moritz begrüßen alle Neuankömmlinge und erklären ihnen, wie der Hase läuft. Damit alles schön gemütlich abläuft im Revier, denn Stress ist Gift für Zwergkaninchen.

Zwergkaninchen sind keine kuscheligen Tiere fürs Kinderzimmer

Oh wie süß! Putzig! Kuschelig! Wenn sie das hört, ist Monika Fassl gar nicht begeistert. Hübsch anzusehen sind Zwergkaninchen, das stimmt schon. Aber kuschelige Schoßtiere fürs Kinderzimmer sind sie sicher nicht. "Das sind Fluchttiere mit hohen Ansprüchen in der Haltung." Wenn das nicht von Anfang an klar ist, dann wird der Mümmler schnell lästig und landet, wenn er Glück hat, im Tierschutz. Wenn er Pech hat, ist die Straße die fast sichere Endstation.

Chillen im Außengehege: So sieht für die Zwergkaninchen in Mucki's Hasenscheune ein toller Tag aus.
Foto: Sonja Diller

Als sie vor bald zehn Jahren mal wieder in der Zeitung von ausgesetzten Kaninchen gelesen hatte, war das Maß für die Tierfreundin voll. Die Idee zu Mucki's Hasenscheune war geboren und bald umgesetzt. "Zeit habe ich ja", sagt die an Multibler Sklerose (MS) erkrankte Frührentnerin. Sie ist davon überzeugt, dass ihr die Arbeit für und mit den Tieren guttut. Erst in Gablingen und seit einem knappen Jahr im Meitinger Ortsteil Ostendorf nimmt Monika Fassl mit der tatkräftigen Unterstützung von Ehemann Martin Zwergkaninchen in Obhut und vermittelt sie an Halter, die genau wissen, worauf sie sich einlassen.

Zwergkaninchen brauchen Platz

Mindestens sechs Quadratmeter Platz für zwei Tiere ist für die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz ein Muss. Plus 20 Prozent für jedes weitere Tier. Am besten sind Kaninchen in ganzjähriger Außenhaltung mit Stall und Auslauf aufgehoben. Ein kleiner Käfig aus der Zoohandlung reicht also bei Weitem nicht aus. Auch beim Futter muss aufgepasst werden.

Frisches Gemüse ist gut, Obst ist schlecht, denn der Fruchtzucker führt leicht zu Diabetes. Heu, Kräuter und Gräser, hochwertiges Raufutter für gesunde Zähne sind die Voraussetzung für gute Gesundheit der für Verdauungsstörungen anfälligen Tiere. Da muss kräftig investiert werden. Das alles erfahren potentielle Kaninchenhalter bei Informationsgesprächen mit Monika. Erst danach darf ein Kaninchen umziehen. "Wenn sich bei den Vorgesprächen herausstellt, dass die Haltung doch zu aufwendig ist, bin ich niemandem böse, der dann darauf verzichtet ein Tier zu adoptieren."

Vor Ostern ist Umzugsstopp

Aktuell teilen sich in Ostendorf bis zu 25 der größeren und kleineren Widder, Löwenköpfchen und Farbenzwerge das Schutzhaus und den luftigen Auslauf. Vermittelt werden gerade keine Tiere, denn vor Ostern und vor Weihnachten ist die Gefahr zu groß, dass die Zwergkaninchen als Geschenke im Nest oder unter dem Baum landen. Zwei Wochen vor und zwei Wochen nach den Feiertagen ist deshalb Umzugsstopp. Interessierte können sich in diesen vier Wochen aber gerne melden und zum Kennenlernen vorbeikommen. Auf der Facebook-Seite der Hasenscheune kann man die Umzugskandidaten vorab anschauen. Doch auch wenn viele der lustigen Fellnasen neue Liebhaber finden, wird der Nachschub für die Auffangstation wohl nicht ausgehen.

Mit gleich doppelt angelegter Gebärmutter und einer Tragezeit von nur einem Monat ist reichlicher Nachwuchs vorprogrammiert, wenn nicht alle Rammler einer Gruppe kastriert sind. Deshalb sind zusätzliche Gehege auch schon in der Planung. Irgendwo gibt es immer ein Kaninchen, das dringend ein Dach über dem Kopf braucht. Gemeinsam mit Ehemann Martin und Freundin Annette, die in Augsburg eine Auffangstation für Meerschweinchen betreibt, klappt das schon, ist "Kaninchenmama" Monika Fassl überzeugt.

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