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Dinkelscherben-Au

14.05.2019

In dieser Schreinerei trainieren die Weltmeister

Der 20-jährige World-Skills Teilnehmer Johannes Bänsch (links) mit Trainer Florian Langenmair vor einem aktuellen Übungsstück.
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Der 20-jährige World-Skills Teilnehmer Johannes Bänsch (links) mit Trainer Florian Langenmair vor einem aktuellen Übungsstück.
Bild: Michael Kalb

In der Schreinerei Langenmair im Dinkelscherber Ortsteil Au bereiten sich die besten Möbelschreiner für die Weltmeisterschaft der Berufe vor. 

In der Schreinerei Langenmair im Dinkelscherber Ort Au bereitet man sich derzeit auf die World Skills vor. Die Weltmeisterschaft der Berufe findet im August in Kasan in Russland, rund 800 Kilometer östlich von Moskau, statt. Der 20-jährige Schreiner Johannes Bänsch aus Leipzig wird vom Dinkelscherber Schreinermeister Florian Langenmair auf den Wettbewerb vorbereitet und ist der deutsche Hoffnungsträger in der Kategorie „Cabinetmaking“ (Möbelschreiner).

In mehreren Trainingsabschnitten bereitet Trainer Langenmair seinen Schützling Bänsch auf die Weltmeisterschaft vor. Im Wettbewerb wird viel Wert auf Maßgenauigkeit trotz Arbeiten unter hoher zeitlicher Belastung gelegt. Die Konkurrenten müssen an den vier Wettkampftagen, innerhalb 22 Stunden, ein von der Jury vorgegebenes Möbelstück schreinern. Abweichungen vom Maß werden mit Punktabzug bestraft. Zur Vorbereitung stehen dem Team drei offizielle Übungsstücke zur Verfügung. Bei der Meisterschaft wird dann eines der drei Stücke als Wettbewerbsteil bekannt gegeben und noch einmal um 30 Prozent im Plan abgeändert.

Der lange Weg zur Weltmeisterschaft

Für Schreinergeselle Bänsch steigt schon jetzt die Aufregung auf die Weltmeisterschaft. „Ich muss jeden Tag daran denken“, sagt er. Dass er im entscheidenden Moment einen kühlen Kopf bewahren kann, bewies Bänsch bereits in einer ganzen Reihe von Vorentscheiden. Für die WM-Qualifikation musste er zuerst die Innungs- und Kammerwettbewerbe, dann die sächsische Ausscheidung und schließlich den Bundesentscheid der Möbelschreiner gewinnen. Sein Ziel in Kasan in Russland sei, alles zu geben – und dann „schauen wir mal“. „Das Ziel ist natürlich die Goldmedaille, und von da an kann man dann abspecken“, wirft Trainer Langenmair mit einem Schmunzeln ein.

In dieser Schreinerei trainieren die Weltmeister

Doch die Konkurrenz sei inzwischen härter geworden. „Während der Ausbildungsstand in Deutschland gleich geblieben ist, ziehen andere Länder an“, so Langenmair. Dies sei beispielsweise schon 2015 bei den World Skills in Brasilien zu spüren gewesen, wo auch sehr viele Medaillen verblieben. Länder wie Brasilien und China investieren zwei ganze Jahre nur in das Training. Und auch Russland unterstütze seine Handwerker finanziell stärker.

Nur fünf Wochen Vorbereitung

Langenmair und Bäntsch haben zur Vorbereitung insgesamt nur fünf Wochen. Darin müssen sie auch noch die Werkzeuge für den Wettbewerb packen und durch das komplizierte russische Zollverfahren lotsen. All das geschehe großteils unentgeltlich und in der Freizeit, so die beiden. Bäntsch erzählt, er habe dafür sogar extra den Führerschein gemacht, um die Spezialwerkzeuge von Au nach Leipzig mitnehmen und nach Feierabend und am Wochenende üben zu können. „Die ersten zwei Trainingswochen musste ich alles im Zug mitnehmen“, sagt er. Immerhin konnte der Bundesverband für Tischler und Schreiner etwas Geld für ein gemeinsames Trainingslager mit den Kollegen aus Österreich, der Schweiz und Südtirol bezuschussen.

Der 20-jährige World-Skills Teilnehmer Johannes Bänsch (links) mit Trainer Florian Langenmair vor einem aktuellen Übungsstück.
Bild: Michael Kalb

Florian Langenmair ist schon lange dabei

Für Trainer Florian Langenmair ist es nicht das erste Mal, dass die Elite der Möbelschreiner in seiner Schreinerei ausgebildet und trainiert wird. Denn seit 1997 kommen die jungen Talente nach Au. Damals bereitete sein Vater Walter Langenmair die Möbelschreiner auf diese besondere WM vor. Zu dieser Aufgabe kam er, da er in den Neunzigerjahren selbst zwei Lehrlinge ausbildete, die sich beide für die Weltmeisterschaft qualifizierten. 1991 ging sogar die Silbermedaille an den Lehrling aus dem Dinkelscherber Betrieb, und bei der WM 2005 in Helsinki und 2011 in London gab es Gold. 2015 trat dann erstmals Sohn Florian in des Vaters Fußstapfen und reiste mit nach São Paulo, Brasilien. Wie präzise dort gearbeitet wurde, das könne man nicht mündlich übermitteln, meint Langenmair. „Das muss man live erlebt haben.“ Ein tolles Gefühl sei es auch gewesen, ein Teil der deutschen Nationalmannschaft zu sein und die Ehre zu haben, sein Land im Beruf „Möbelschreiner“ zu vertreten.

Drei Übungsstücke werden für die World-Skills geübt. Welches dann in veränderter Form beim Wettbewerb drankommt, ist geheim.
Bild: Michael Kalb

Nun darf man gespannt sein, wie das Team Ende August bei den World Skills in Russland abschneiden wird. Für Bäntsch und Langenmair zählt neben dem olympischen Gedanken auch der Spaß an der Sache. „Es treibt an, wenn alle Gas geben und man sieht, wie Johannes sich reinhängt“, fasst Trainer Langenmair zusammen.

Mehr zu der Weltmeisterschaft finden Sie im Internet unter www.worldskillsgermany.de.

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