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Region Augsburg

27.05.2019

Insekten retten gegen Gebühr: Wie lange hält der Bienenweiden-Boom?

Viele Landwirte in der Region haben Blühwiesen angelegt. Auf diesen Arealen werden Pflanzen kultiviert, die Insekten Nahrung bieten und damit einen Beitrag zum Artenschutz liefern.
Bild: Peter Fastl (Symbol)

Mit Bienenweiden wollen Landwirte in der Region einen Beitrag zum Artenschutz leisten. Eine erste Bilanz zeigt: Menschen sind bereit, dafür zu zahlen.

Damit hat Landwirt Markus Brem aus Hirblingen nicht gerechnet: Innerhalb von drei Monaten waren 1,2 Hektar seiner Blühwiesen ausgebucht. Für 50 Cent pro Quadratmeter vergibt der Landwirt und Freie-Wähler-Politiker Flächen, auf denen sich Bienen und Insekten wohlfühlen sollen – Bienenzertifikat und Mengenrabatt für die Kunden inklusive. Mindestmenge sind 20 Quadratmeter für zehn Euro.

Bienen retten gegen Gebühr – das Konzept scheint aufzugehen. 45 Kunden hat Brem, darunter sogar komplette Schulklassen. „Ich bin positiv überrascht, dass so viele Menschen etwas für die Umwelt tun wollen“, sagt Brem. Eigentlich baut der Landwirt auf seinen 71 Hektar Mais, Weizen, Raps, Zuckerrüben oder Kartoffeln an. Doch in diesem Jahr hält er einen Platz für die Bienen frei. Mit seinem Konzept will er es Menschen ermöglichen, sofort und ohne große Hürden einen Beitrag zum Artenschutz zu leisten. Denn das Interesse ist groß, zumindest auf dem Papier.

In der Stadt Augsburg haben beim Volksbegehren „Rettet die Bienen“ über 20 Prozent der Bürger unterschrieben, im Kreis Aichach-Friedberg waren es fast 21 Prozent und im Landkreis Augsburg sogar 22 Prozent. Einige sind auch bereit, dafür zu zahlen und Landwirte zu finanzieren, die auf ihren Äckern blühende Bienenweiden statt Monokulturen anlegen.

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Bleibt das Interesse auch nach dem Bienen-Volksbegehren?

Nicht nur Landwirt Markus Brem freut sich über Kundschaft für seine Blühweide. Auch andere Landwirte in der Region haben das Geschäftsmodell für sich entdeckt. Johannes Mayr aus Großaitingen ist zufrieden mit dem Ergebnis. Auf einem Hektar legte er dank zahlreicher Spenden eine Bienenweide an. Sein Konzept: Jeder konnte spenden, so viel er wollte. Von dem Geld, das am Ende zusammenkam, säte er ein entsprechend großes Stück Blühwiese aus. Ab Juni sollte es auf seinem Acker blühen. Mit dem Volksbegehren sei der Trubel rund um den Artenschutz groß gewesen. „Ich bin gespannt, was passiert, wenn das Thema nicht mehr so präsent ist“, sagt Mayr.

Diese Frage stellt sich auch Landwirt Andreas Karl aus Kühbach. Er konnte für seine zwei Hektar große Blühweide 120 Paten gewinnen. Um auf sein Projekt aufmerksam zu machen, schaltete er Werbungen und gestaltete eine eigene Homepage. „Gemessen an dem Aufwand ist das Ergebnis ernüchternd“, sagt Karl. Eine Warteliste für nächstes Jahr liegt bereit, aber noch hat sich niemand gemeldet. „Wenn das Thema nicht mehr präsent ist, schwindet auch das Interesse“, sagt Karl.

Wie die anderen Landwirte in der Region hofft auch Andreas Burkhardt aus Lechhausen, dass das Interesse an Blühwiesen langfristig anhält. Er konnte 150 Paten aus allen Altersschichten für sein Projekt gewinnen. Mit dem Geld legte er auf zwei Hektar seines Ackers Blühwiesen mit 44 verschiedenen Blumenarten an. Er hatte mehr Platz für die Bienen vorgesehen, aber mehr Paten hatten sich nicht gemeldet. Fürs Erste ist er zufrieden mit dem Ergebnis. Doch auch er kann nur darauf hoffen, dass sich im nächsten Jahr Menschen für das Thema Artenschutz interessieren und auch bereit sind, dafür zu bezahlen.

Nachfrage nach Samenmischungen für Bienen extrem hoch

Neben Landwirten, die Blühwiesen gegen eine Gebühr von privaten Kunden anlegen, gibt es in der Region auch 105 Landwirte, die auf insgesamt etwa 100 Hektar Blühwiesen betreiben und dafür eine staatliche Förderung erhalten. Nach Angaben des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten liegen 55 Betriebe im Augsburger Land, 47 im Landkreis Aichach-Friedberg und drei im Stadtgebiet Augsburg. „Durch die vielen Diskussionen rund um das Thema Artenvielfalt ist die Nachfrage auch von Seiten der Landwirte in diesem Jahr gestiegen“, sagt Wolfgang Sailer, Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Allerdings sei der Zuwachs in den kommenden Jahren noch ausbaufähig.

Doch nicht nur auf den Äckern der Landwirte, auch in den privaten Vorgärten dürfte sich der Wille zum Schutz der Bienen in diesem Sommer bemerkbar machen. Die Nachfrage nach speziellen Samenmischungen für Bienen ist extrem hoch, weiß Efi Braun von der Gärtnerei Sandner in Welden. Immer mehr Kunden würden sich gezielt beraten lassen, um die eigenen Beete und Balkone bienenfreundlicher zu gestalten.

So eigneten sich neben Wiesenblumenmischungen besonders gut Vanilleblumen oder Ziersalbei. Auch bei der Bekämpfung von Schädlingen würden Kunden stärker darauf achten, biologische Spritzmittel zu verwenden oder ganz darauf zu verzichten, weiß die Garten-Expertin. So ließen sich beispielsweise Läuse von Rosen schlicht mit daneben gepflanztem Lavendel vertreiben.

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Am 20. Mai 2019 ist Weltbienentag - offiziell ausgerufen von den Vereinten Nationen. Die Aufnahmen mit einer Highspeedkamera zeigen Bienen im Sammelflug an blühender Bienenweide (Phacelia). Aufgezeichnet mit 1000 (!) Bildern pro Sekunde ist jeder Flügelschlag zu erkennen.
Video: dpa
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