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Volkstheater

21.10.2013

Intrigante Versteckspiele, irrwitzige Verwechslungen

Intrigante Versteckspiele, irrwitzige Verwechslungen
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Die Schauspieltruppe Unter Uns begeistert in Stadtbergen mit dem schrägen Dreiakter „Loch in der Wand“

Stadtbergen Wenn das eigene Dorf den Namen Biersee trägt und der einzige Kneipenwirt Biersack heißt, ist die volkstümliche Welt noch in heiler Ordnung. Oder etwa doch nicht? Der Theaterverein Unter Uns hat im Bürgersaal zu einer turbulenten Bühnenjagd aufgerufen, in welcher sich grantelnde Wassergötter mit frivolen Revuetänzerinnen vereinen, Sodom zu Gomorra wird und ein unscheinbares Leberfleckerl mit einem Male ein Vermögen wert sein kann.

„Loch in der Wand“ heißt der neue Geniestreich der fröhlichen Truppe, die sich wegen ihrer Perfektion schon längst einen Namen im Genre des Laientheaters gemacht hat. Als sich der Vorhang öffnete, bekam man ein liebevolles Gesamtgemälde zu sehen, das gerne mal eine Brücke schlug zwischen bäuerlicher Bierseligkeit und fast schon surrealen Schmuckstücken der modernen Zeit.

Ein Leberfleck an einer unzugänglichen Stelle

Intrigante Versteckspiele, irrwitzige Verwechslungen

Und die Geschichte war nicht weniger verschroben: Ein beschauliches Dorf soll einen neuen Brunnen bekommen. Gegen den dort verewigten Wassergott (Herrmann Schweiger) hat niemand etwas einzuwenden, doch als auch noch eine sinnliche Seejungfrau (Manuela Schreier) ins Spiel kommt, ist es mit der Moral der bayerischen Biedermänner schnell vorbei. Gleichzeitig trifft die Meldung ein, dass eine hohe Belohnung für das Auffinden einer reichen Erbin ausgesetzt ist - Erkennungszeichen: ein Leberfleck an einer „unzugänglichen“ Stelle! Ist das Modelgirl des umstrittenen Brunnens etwa das gesuchte Frauenzimmer? Ein Loch in der Wand soll Gewissheit ans Tageslicht der braven Dorfgemeinschaft bringen...Und so kam es schließlich, wie es kommen musste: Intrigante Versteckspiele und irrwitzige Verwechslungen gaben sich die Hand mit blutigen Bergmannsflüchen und unaussprechlichen Kraftausdrücken.

Ein Aufschnitt wird schon mal mit einem schlüpfrigen Ausschnitt verwechselt, „mündliche“ Vereinbarungen mit feurig roten Lippen wörtlich genommen und die Grundlagen der Philosophie mit völlig neuen Erkenntnissen bereichert („Der Krug geht zum Brunnen, weil er Gold im Munde hat!“). Die Schauspieltruppe glänzte dabei immer wieder mit aktionsgeladener Bühnenpräsenz: Die turbulenten Verfolgungsjagden hatten Filmniveau und die ausgeteilten Ohrfeigen waren ziemlich hörbar von recht authentischer Natur geprägt. Das Publikum war rundum von dem Stück gefangen und ließ immer wieder mal ein mitleidiges „Oh“ oder ein neckisches „Ah“ durch den Saal erklingen. Herrlich der Vorrat an zerknautschten Grimassen von Christoph Wörner, ein Ohrenschmaus dagegen die Augschburger Frotzeleien von Helga Schnell.

Respekt hatte auch Herrmann Schweiger verdient: Noch während der Generalprobe lag der Hauptdarsteller krank im Bett und es war bis zuletzt nicht klar, ob sein Auftritt stattfinden würde. Erstaunlich, was er unter solchen Umständen dann doch noch auf die Bühne zauberte. Brigitte Huber sorgte für eine weitere nette Überraschung: Eigentlich ist die Dame Lichttechnikerin im Bürgersaal, doch tauchte sie urplötzlich im Stück als g’schtandene Kellnerin auf. Nach der Aufführung meinte die hobbymäßige Gospelsängerin glücklich: „Ich bin es ja gewohnt, aufzutreten, aber in den eigenen Hallen auf der Bühne zu stehen, ist schon eine ganz besondere Sache.“

Und was war nun mit der reichen Erbin? Wer letztendlich den goldschweren Leberfleck am Allerwertesten sein eigen nennen konnte, sei an dieser Stelle dezent verschwiegen.

Aufführung Am Freitag, 25. Oktober, ist das Stück nochmals um 19 Uhr im Stadtberger Bürgersaal zu sehen.

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