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Dialekt-Serie

08.07.2013

Italienische Schnupftücher

Fremdspracheneinflüsse machen sich auch bei der Mundart bemerkbar: Die Nachbarn aus Südeuropa haben uns eine Bezeichnung für einen Alltagsgegenstand beschert

Landkreis Augsburg Wenn wir uns heute – nicht ganz zu Unrecht – über die zahlreichen und meist unnötigen Anglizismen in unserer Sprache aufregen (Stichwort Denglisch), sollten wir bedenken, dass unsere Sprache und insbesondere auch unsere Mundarten bereits früher ausländische, zumeist romanische Einflüsse „verkraften“ mussten. Man sollte es aber auch als Beleg für die Aufgeschlossenheit der Menschen und somit für die Lebendigkeit einer Sprache werten, die sich eben im Lauf der Zeit wandelt.

Dennoch bleibt in diesen Tagen positiv zu bemerken, dass die Bahn ihre ach so schicken englischen Ausdrücke, wie etwa Service-Center, wieder eindeutscht und uns so den Schalter zurückbringt; genauso wie den Treffpunkt, der den Meeting Point ablöst.

In dieser Serie über sprachliche Besonderheiten und mundartliche Eigenheiten haben wir immer wieder feststellen können, dass es unter anderem die Römer als Besatzer waren, die uns zahlreiche Wörter beschert haben, später auch die Italiener und dann vor allem im schwäbischen Bereich die Franzosen.

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Ein weitgehend wohl in Vergessenheit geratenes Wort ist dem Autor erst kürzlich aufgefallen: „Fazinettle“ – wie immer in diversen Schreib- und Aussprache-Formen. Gemeint ist das, was seit den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts hierzulande schlicht und einfach „Tempo“ heißt. Allerdings ist damit die Wegwerf-Version aus Papier gemeint.

Anno dazumal hatten die Menschen Schnupftücher aus Stoff, die oftmals hübsch bestickt waren. Und eine weitere Version dieser kleinen Tücher kommt heute wieder bei modebewussten Herren in Mode: das Einstecktuch fürs Sakko.

Ob Fazinettle im Raum um Augsburg heute noch verwendet wird, ist dem Autor nicht bekannt. Im Bekanntenkreis jedenfalls konnte niemand mit dem Wort etwas anfangen. Und auch die Suche im Internet war wenig erfolgreich. Tatsache bleibt aber, dass die Allgäuer dieses Wort kennen und wohl auch heute noch nutzen. Ebenso übrigens die Mittelfranken und die Württemberger.

Jedenfalls ist dieses hübsche Wort für das Taschentuch ein Beispiel mehr für den romanischen Einfluss auf unsere süddeutschen Mundarten. Denn es ist etymologisch mit dem italienischen „fazzoletto“ verwandt.

Italienliebhaber älteren Baujahrs werden sich vielleicht an schnulzige Lieder an der Adria erinnern: „…fazzoletti bianchi, che salutano il nostro amore…“

Mundart Die angekündigte Beschäftigung mit Mundartwörtern zur Handarbeit ist auf kommende Woche verschoben.

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