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Landkreis Augsburg

23.12.2019

Jeder fünfte im Augsburger Land arbeitet zum Niedriglohn

„Auch im Kreis Augsburg zahlen immer weniger Hoteliers und Gastronomen nach Tarif.“Wer in der Backstube arbeitet, macht einen harten Job. Zu viele Bäckereien auch im Augsburger Land speisen ihre Mitarbeiter trotzdem mit Niedriglöhnen ab, kritisiert dieGewerkschaft NGG. 
Bild: NGG (Symbol)

Gewerkschaft NGG kritisiert die Mini-Löhne im Augsburger Land. Besonders betroffen sind die Arbeitnehmer im Lebensmittel- und Gastgewerbe.

40 Stunden die Woche arbeiten – und trotzdem reicht’s am Monatsende nicht: Im Landkreis Augsburg arbeiten rund 9500 Vollzeit-Beschäftigte zum Niedriglohn. Damit liegt jeder fünfte Arbeitnehmer (18,6 Prozent) trotz voller Stundenzahl unter der amtlichen Niedriglohnschwelle von aktuell 2203 Euro brutto im Monat. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit.

Die NGG-Schwaben beruft sich hierbei auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Geschäftsführer Tim Lubecki spricht von einem „Alarmsignal“. Tausende Menschen hätten trotz langer Arbeitstage enorme Probleme, finanziell über die Runden zu kommen. „In Metzgereien, Bäckereien, Fast-Food-Betrieben, Restaurants und Hotels ist der Anteil von Niedriglohn-Beschäftigten dabei besonders hoch“, sagt er. Hier müssten die Firmen endlich deutlich höhere Löhne zahle, so Lubecki. Nach Angaben der Arbeitsagentur liegen bundesweit 53 Prozent aller Vollzeit-Beschäftigten im Lebensmittel- und Gastgewerbe unter der Niedriglohngrenze.

Eine Hauptursache für diesen Zustand ist nach Einschätzung der Gewerkschaft NGG die schwindende Tarifbindung. „Auch im Kreis Augsburg zahlen immer weniger Hoteliers und Gastronomen nach Tarif“, so Lubecki.

Jeder fünfte im Augsburger Land arbeitet zum Niedriglohn

Gewerkschaft fordert armutsfeste Löhne

Statt mit dem Tariflohn von 13,34 Euro pro Stunde, gehe ein gelernter Koch dann nur mit dem Mindestlohn von 9,19 Euro nach Hause. „Wie soll man damit eine Familie durchbringen?“, kritisiert Tim Lubecki.

Um diesen Trend zu stoppen, müssten sich Firmen, die Mitglied im Arbeitgeberverband sind, an die mit der Gewerkschaft ausgehandelten Tarifverträge halten und armutsfeste Löhne zahlen. Nach Beobachtung der NGG nimmt die Zahl der Verbandsmitglieder, die aus der Tarifgemeinschaft ausscheren, seit Jahren zu.

„Außerdem muss es noch mehr Tarifverträge geben, zu denen ganze Branchen durch die Politik verpflichtet werden – gerade da, wo der Niedriglohnsektor wuchert“, fordert Lubecki. Eine sogenannte Allgemeinverbindlichkeit könne vom Bundes- oder Landesarbeitsministerium erklärt werden. Am Ende komme es aber auch auf die Beschäftigten selbst an, betont die NGG. „Wer in der Gewerkschaft Mitglied ist, hat nicht nur beim Lohn, sondern auch beim Urlaub und der Arbeitszeit die besseren Karten“, so Lubecki.

Das durchschnittliche Vollzeit-Einkommen liegt im Kreis Augsburg laut Arbeitsagentur bei 3030 Euro (brutto) im Monat – im Bundesschnitt sind es 3304 Euro. (AL)

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