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Diedorf

17.12.2020

Jugendarbeit in Diedorf muss wegen Corona weiter hinten anstehen

Zu Corona-Zeiten haben Jugendliche immer weniger Möglichkeiten, sich zu treffen.
Bild: Annette Zoepf

Plus Seit Dezember sind die Jugendzentren geschlossen. Was das bedeutet, zeigt das Beispiel Diedorf, wo es besonders am Streethockeyplatz Probleme gab.

Bayern fährt runter, vieles macht wegen Corona dicht. Die Jugendzentren sind schon seit dem 1. Dezember geschlossen. Nicht nur in Diedorf, sondern auch im gesamten Landkreis haben sich Jugendliche im Sommer immer wieder auf öffentlichen Plätzen getroffen. Vielerorts gab es Beschwerden wegen Müll und Lärm. Der Streethockeyplatz in Diedorf schien allerdings einer der Problemorte zu sein. Ende September versammelten sich hier zum Beispiel über 100 Jugendliche aus dem ganzen Landkreis. Die Polizei musste die Feier auflösen.

Corona in Diedorf: Im Sommer gab es große Probleme

Gegen Ende des Sommers sahen sowohl die Polizeiinspektion Zusmarshausen als auch die Gemeinde Diedorf große Probleme. Immer mehr Anwohner beschwerten sich, und laut Raimund Pauli, dem Leiter der zuständigen PI, wurden Drogendelikte und übermäßiger Alkoholkonsum von Beamten in Zivil und im Streifendienst mehr als einmal festgestellt. Die Jugendlichen wehrten sich auch öffentlich gegen diese Darstellungen. Sie sahen zwar ein, dass die Treffen in Zeiten der Corona-Krise keine gute Idee waren, waren aber nicht mit der Darstellung des Skaterplatzes als "Problemzone" und "Drogenumschlagplatz" einverstanden. Sie erklärten, dass sie wiederholt auch ohne Grund von der Polizei kontrolliert worden seien.

Mit der Darstellung des Diedorfer Skaterplatzes als "Problemzone" und "Drogenumschlagplatz" waren die Jugendlichen nicht einverstanden.
Bild: Marcus Merk (Archiv)

Die Lage am Skaterplatz hat sich laut Bürgermeister Peter Högg mittlerweile beruhigt. Es gebe aber trotzdem noch Treffen im Freien in Diedorf: "Das Problem hat sich zum Teil verlagert." Anwohner am Bürgerpark hätten sich zum Beispiel über Lärm beklagt. Auch Treffen am Sinnesgarten in der Nähe des Seniorenheims habe die Gemeinde beobachtet. Problematisch ist laut Högg nach wie vor, dass "sich die Jugendlichen auch ohne Abstand und Maske treffen".

Freunde treffen war nur im Freien möglich

Gegenüber unserer Zeitung erklärten die Jugendlichen ihre Situation. Die Treffen im Freien waren und sind für viele die einzige Möglichkeit, rauszukommen und Freunde zu sehen. Welche Auswirkungen die in dieser Woche eintretenden Regelungen haben, ist noch nicht abzusehen. Auch der Jugendtreff in Diedorf konnte lange nur sieben Jugendliche einlassen, und schon zum 1. Dezember hat die Staatsregierung viele "außerschulischen Bildungsangebote" in Präsenz untersagt. Das trifft auch Jugendzentren. Das Landratsamt sah keine Möglichkeit, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Aufsuchende Arbeit und Beratungsangebote bleiben bisher erlaubt.

Auch für die Jugendpflegerin der Gemeinde, Xenia Ullrich, bedeutet das, dass sie jetzt "die Füße stillhalten muss". Die aktuelle Situation ist in ihren Augen allerdings sehr schwierig. Schon im Oktober warb sie im Gespräch mit unserer Zeitung um Verständnis für die Jugendlichen in der Corona-Krise: "Die sitzen jetzt allein im Kinderzimmer, und einigen geht es wirklich nicht gut mit der Situation." Das Treffen mit Gleichaltrigen, der "Peergroup", sei ein wichtiger Bestandteil des Erwachsenwerdens und würde durch Kontrollen und Betretungsverbote immer weiter ins Abseits gedrängt. Die Jugendpflegerin befürchtet gesundheitliche Folgen, da sich die Jugendlichen jetzt an Orten ohne jeglichen Schutz vor den eisigen Temperaturen treffen. Außerdem ist es in ihren Augen bedenklich, dass "niemand mehr das kleinste Auge auf die Gruppen hat".

Jugendpflegerin in Diedorf: Jugendliche haben großen Redebedarf

Vor dem neuen Lockdown hatte Xenia Ullrich es zusammen mit Jugendlichen geschafft, zwei Kochabende mit bis zu 20 Leuten unter Einhaltung aller Hygienevorschriften zu organisieren. "Youth Club" nannten sie diese Treffen. "Da haben sich auch Jugendliche geöffnet, die in der Gruppe sonst eher ruhig sind. Es besteht unheimlicher Redebedarf, und ich habe Angst, dass genau diejenigen, die sowieso schon ein Tendenz für die schiefe Bahn haben, jetzt in etwas hineinrutschen, das ihnen das Leben zerstören kann", erklärt die Pädagogin, um zu unterstreichen, wie wichtig die Arbeit der Juzes und Treffen wie der "Youth Club" gerade jetzt sind.

Auch für die Jugendpflegerin der Gemeinde, Xenia Ullrich, bedeutet das, dass sie jetzt "die Füße stillhalten muss".
Bild: Marcus Merk (Archiv)

Ein weiterer wichtiger Punkt, den sie aus ihrem Austausch mit den Jugendlichen mitnimmt, ist, dass sich die Heranwachsenden nicht gehört fühlen. Viele hätten sich mittlerweile eine fundierte Meinung zu den Corona-Einschränkungen gebildet und wären auch bereit, zu diskutieren. Besonders beschäftigt habe die Diedorfer Jugend ein kleines Treffen in einem Privatgarten, das von der Polizei aufgelöst wurde (wir berichteten). Sechs Erwachsene aus drei Haushalten hatten sich Ende November um ein Feuer im Garten versammelt. Nachdem ein Nachbar die Polizei gerufen hatte, hagelte es Anzeigen. Diese Art, miteinander umzugehen, habe die Jugendlichen geschockt, sagt Xenia Ullrich.

Um die Wogen des Sommers zu glätten, wollte die Gemeinde eigentlich einen Runden Tisch mit den Anwohnern am Skaterplatz und den Jugendlichen organisieren. Das Gespräch, bei dem auch die Jugendlichen zu Wort kommen sollten, konnte bisher aber nicht stattfinden. Der Grund seien die Kontaktbeschränkungen, erklärt Bürgermeister Peter Högg. Verständlich, aber schade ist das für die Jugendlichen und Xenia Ullrich. Sie habe die Jugendlichen bereits auf die "negative, aber zum Teil auch berechtigte Kritik" vorbereitet und eigene Argumente mit ihnen ausgearbeitet, erklärt die Jugendpflegerin. Peter Högg hofft, dass der Runde Tisch im Frühjahr stattfinden könne.

Wie trifft die Corona-Krise Jugendliche? Hören Sie sich dazu unseren Podcast von Juni 2020 aus der Reihe "Augsburg, meine Stadt" an:

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