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Landkreis Augsburg

19.01.2019

Jugendliche haben keinen Bock auf Ganztagsschule

Die Statistik spricht Bände: Die zehnjährigen Fünftklässler gehen noch sehr gerne in den Hort und die Ganztagsschule.
Bild: Alexander Kaya (Symbolfoto)

Die Angebote im Augsburger Land werden weiter ausgebaut. Ab einem gewissen Alter aber lässt das Interesse rasant nach.

Die Statistik spricht Bände: Die zehnjährigen Fünftklässler gehen noch sehr gerne in den Hort und die Ganztagsschule. Sie sind gerne mit anderen Schülern zusammen und das pädagogische Nachmittagsangebot macht ihnen viel Spaß. „Aber sobald sie alt genug sind, machen sie sich vom Acker“, übersetzt Sozialexperte Dr. Christian Lüders salopp die Zahlen für die etwa 14-jährigen Neuntklässler, von denen sich die Hälfte mehr Freizeit und mehr Angebote wünschen „die Spaß machen“.

PK zur geplanten Schließung Seniorenheim Dinkelscherben /
Bild: Marcus Merk


Die Ganztagsbetreuung wird massiv ausgebaut, weil die berufstätigen Eltern eine Betreuung für ihre Kinder brauchen und weil sie auch die Chancengleichheit der Schüler fördert. Kinder mit Migrationshintergrund können besser gefördert werden. Aber etwa ab der siebten Klasse steigen viele aus der Ganztagsschule aus, sobald sie alt genug sind, nachmittags alleine zuhause zu bleiben. „Ab 13 Jahren gehen die Zahlen drastisch nach unten und die Jugendlichen bewerten die Betreuung zunehmend schlechter“, so Lüders. Er ist Leiter der Abteilung Jugendhilfe beim Deutschen Jugendinstitut (DJI) in München und hat dem Jugendhilfeausschuss des Landkreises erläutert, was im neuen Kinder- und Jugendbericht der Sachverständigenkommission steht, der den sperrigen Titel trägt „Zwischen Freiräumen, Familie, Ganztagsschule und virtuellen Welten - Persönlichkeitsentwicklung und Bildungsanspruch im Jugendalter.“

Dabei ist die Lebensphase der „Jugend“ viel länger als früher: Vor 100 Jahren war die Jugendzeit mit 14 Jahren zu Ende, heute kann sie je nach Reife und Länge der Schul- oder Berufsausbildung bis Anfang/Mitte 20 dauern.

Zeit nach dem Unterricht prägt zunehmend das Aufwachsen

Christian Lüders führte aus, dass die Betreuung nach dem Unterricht heutzutage zunehmend das Aufwachsen der Jugendlichen prägt – nebender Familie und der Beschäftigung mit der digitalen Welt. Die Schule ist für Jugendliche ohne Zweifel ein wichtiger Lebensraum und die meisten gehen auch gerne hin. Zum Erwachsenwerden, so der Pädagogik-Experte, gehöre nicht nur die Qualifizierung durch einen Schulabschluss oder eine Berufsausbildung, sondern die Jugendzeit sei auch eine Zeit der „Selbstpositionierung und der Verselbstständigung“ – sie müssen ihre Identität finden, ihren moralischen Kompass finden und selbstständig werden. Dabei hilft das Zusammensein mit Gleichaltrigen, das Abgrenzen von den Erwachsenen.

Die Jugendlichen wünschen sich mehr Freiräume. „Und diese Herausforderung ist paradox“, erläutert Lüders, „denn wie kann ich eine sichere Aufsicht und pädagogische Betreuung garantieren und gleichzeitig einen Rückzugsort von den Erwachsenen bieten?“ Hier müsse noch viel diskutiert werden.

Ein Wohlfühlort zum Aufwachsen

Dennoch müsse sich die Ganztagsschule mit Hilfe der Jugendhilfe mehr anstrengen, den Jugendlichen einen Wohlfühlort zum Aufwachsen zu bieten, der die Bedürfnisse der jungen Leute mehr berücksichtigt. „Da ist noch Luft nach oben.“ Oftmals gehe es weiterhin nicht um die persönliche Entwicklung und ums selbstständig werden, sondern wie am Vormittag um „Qualifizierung“: Lernen, Hausaufgaben, Musikunterricht, Sportkurs. Viele Jugendliche fühlen sich auch nachmittags noch den Zwängen der Schule unterworfen. „Sie wollen mit ihren Freunden abhängen – aber das geht natürlich nicht unter der Aufsicht von Lehrern und Pädagogen.“

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