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Diedorf

22.11.2018

Junges Literarisches Quartett: Rassismus, #MeToo und Klimawandel 

Das Junge Literarische Quartett (von links) Tobias Karrer, Annabelle Grasse, Daniela Bischof und Moritz Müller trat im Rahmen der Kinder- und Jugendbuchtage auf.
Bild: Andreas Lode

Beim Jungen Literarischen Quartett in Diedorf geht es um aktuelle Themen. Welcher Autor überraschenderweise nicht überzeugt hat.

Ungewöhnlich einig sind sich die Referenten beim Jungen Literarischen Quartett in Diedorf diesmal. Schon zum elften Mal findet die Veranstaltung, organisiert von der Buchecke Diedorf, im Rahmen der Kinder- und Jugendbuchtage statt.

Die jungen Kritiker sind sich einig

Die Einigkeit der Referenten ist sicherlich auch auf die hochaktuellen Themen zurückzuführen. „Wir haben Alltagsrassismus in den Staaten, die globale Erwärmung, #MeToo und ein wenig Unterhaltungsliteratur“, sagt der 24-jährige Tobias Karrer zur Einleitung. Danach geht es mit „Dear Martin“ von Nic Stone ans Eingemachte. Der Protagonist Justyce geht auf eine gute Schule, hat beste Aussichten auf einen Studienplatz an der Yale-Universität. Das Problem: In diesen Kreisen ist Justyce einer von sehr wenigen afroamerikanischen Jugendlichen. Das bekommt er immer wieder zu spüren, bis hin zur Polizeigewalt. In Briefen an Martin Luther King setzt er sich mit seinem Gesellschaftsfrust auseinander.

Referent Moritz Müller fand es besonders interessant, aus dem Leben eines afroamerikanischen Jugendlichen zu lesen, „der in einer Gesellschaft lebt, in der er wenigstens nominell die gleichen Rechte haben sollte“. Das dem nicht so ist, wird in dem Buch absolut glaubhaft dargestellt, sind sich die jungen Kritiker einig. Sie empfehlen den Roman.

Kein Jugendbuch: Autorin arbeitet eigene Vergewaltigung auf

Mit „2084“ enttäuscht Jostein Gaarder die Erwartungen der Referenten. Der Autor, der durch den Philosophie-Roman „Sofies Welt“ bekannt wurde, präsentiert in dem Buch eine düstere Zukunftsvision. Er schreibt gegen die globale Erwärmung und das Artensterben auf dem Planeten. Das Problem: Die Geschichte hat die vier Leser nicht gepackt. „Ich musste das Buch eine Zeit lang auf die Seite legen“, sagt zum Beispiel Daniela Bischof. Obwohl das Thema unheimlich wichtig ist, rät das Quartett dem Publikum, das Geld für den Roman lieber an Plant for Planet zu spenden. Gaarder empfiehlt die Initiative eines ehemaligen Schülers der internationalen Schule in Gersthofen auf der letzten Seite des Buches.

Besonders bewegt hat die Referenten der Roman „Nein“ von Winnie M Li. „Das ist kein Jugendbuch“, schicken sie voraus und erklären anschließend, warum man den Roman, in dem die Autorin ihre eigene Vergewaltigung aufarbeitet, trotzdem lesen sollte. Winnie M Li geht es darum, das Thema an die Öffentlichkeit zu bringen und so anderen Opfern zu zeigen, dass sie mit ihrem Schmerz nicht alleine sind. Ein wichtiger Teil des Buches ist außerdem die auf die Tat folgende Gerichtsverhandlung. „Es ist abstoßend, wie versucht wird, der Frau eine Mitschuld anzudichten“, sagt Müller.

Die Hälfte des Buches streichen - das sei schlechtes Geschichtenerzählen

Etwas lockerer wird die Diskussion bei „Renegades“ von Marissa Meyer. Annabelle Grasse hat sich das Buch ausgesucht, sagt aber schon bei der Vorstellung: „Ich war nicht wirklich begeistert.“ Der Roman beschreibt eine Welt, in der ein Kampf zwischen Superhelden mit unterschiedlichen Fähigkeiten – den Renegades – und den Anarchisten tobt.

„Leichte Unterhaltungsliteratur“, so das Urteil der Referenten. Weder die Beweggründe, noch die Liebesgeschichte in dem Buch seien irgendwie nachvollziehbar. Moritz Müller erklärt: „Meyer konstruiert ihre Welt zu dürftig, es bleiben zu viele Fragen offen.“

Zu allem Überfluss könne man 300 Seiten, also die Hälfte des Buches, einfach streichen. „Das ist schlechtes Geschichtenerzählen“, sagt Müller. (kaart)

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