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Ausstellung

22.01.2019

Kabinett der Kuriositäten

Die farbenfrohen Figurenwelten des Künstlers Petrus sind ein origineller Hingucker der Neusässer Ausstellung.
Bild: Thomas Hack

Im Neusässer Rathaus wartet ein breites Panoptikum von Friedberger Künstlern auf die Besucher

Filigrane Silberkleinode, lebensgroße Holzskulpturen, geheimnisvolle Gemäldewelten. Dazu gesellen sich anmutige Textilien im ziselierten Ethnolook, fotografische Bilderrätsel und futuristische Objekte, die aus irgendeiner mysteriösen Zwischenwelt zu stammen scheinen. Und doch handelt es sich hier nicht etwa um ein neues Museum, das im Augsburger Landkreis seine Pforten geöffnet hat, sondern um die aktuelle Ausstellung auf der Galerie des Neusässer Rathausgebäudes. Acht renommierte Künstler aus einem Friedberger Kunstkreis haben sich zusammengetan, um ihre kreativen Schöpfungen dem interessierten Besucher zu präsentieren und mit einer Zusammenschau der Exponate ein erstaunlich dichtes Panorama zu schaffen, das seine knisternde Spannung insbesondere durch seine Vielseitigkeit erhält.

So sind in einer Glasvitrine liebevoll kreierte Schmuckstücke von Elisa Kronschnabel zu finden, deren Leidenschaft es ist, die Formen der Natur aufzugreifen und diese kunstvoll mit Edelsteinen, Metallen und Perlen zu kombinieren. Ähnlich naturnah und filigran, aber mit völlig anderer Ausdrucksweise in Szene gesetzt offenbaren sich dagegen die Kunstwerke von Brigitte Kronschnabel dem Betrachter: In ihren „Seelentieren“ etwa warten auf den Betrachter eine Vielzahl zarter Gespinste, in denen scheinbar schwerelos wundersame Wesen mit der Anmut einer Meeresmedusa durch den Äther schweben, während die benachbarten „Pflanzengeister“ aus einem friedlichen Elfenwald entstammen könnten, würden sie durch ihre blutroten Erscheinungsbilder nicht irgendwie ein finsteres Geheimnis verbergen wollen – allesamt aufmerksam beobachtet von Martin Osters „Alone Doll“, die mit ihren unergründlichen Farben und Materialien nicht nur durch die exponierte Lage in den Bann zu ziehen vermag.

Die Holzskulpturen der Bildhauerin Christiane Osann hingegen erzielen ihre Wirkung insbesondere durch die Beziehungen mit dem Raum: Überdimensional groß eine Art Wächter, der die Rathausgalerie bewacht, von winzigen Dimensionen geprägt indes die Miniatur „Grasland“, in welcher ein unscheinbares Menschlein mit den unendlichen Weiten der Natur eine harmonische Symbiose bildet.

Von Künstlerin Martina Brobst ist zwar nur ein einziges Exponat zu sehen, doch wird von diesem aufgrund der Größe, der leuchtenden Farben und des afrikanisch anmutenden Motivs das Auge des Betrachters wohl als allererstes gefangen genommen: Das Werk „Beziehungen“ vereint archaische Formenwelten und modernste Digitaltechnik auf einem ganz besonderen Material, der Habotai-Seide.

Auch der etwas exzentrische „Kultkünstler“ Petrus ist auf der Neusässer Ausstellung vertreten und zeigt dort ein einzigartiges Panoptikum an farbenprächtigen Figurenensembles, die sich allesamt auf einem schmalen Grat zwischen Surrealismus und Skurrilität bewegen. Einen ganz eigenen Stil zur künstlerischen Mission gemacht hat sich auch Tobias Freude, dessen harmonisches Spiel mit Bildern und Texten, flacher Leinwand und mehrdimensionaler Räumlichkeit viel Platz für ganz neue Stilrichtungen lässt – schön zu sehen an seinen Werken „Ride on Ride on“ oder „Endlich Text“.

Nicht zuletzt werden aufmerksame Betrachter wohl auch von den Bildern Hubert Brobsts verzaubert werden, denn dieser Künstler vereint nonchalant und im augenzwinkernden Charme historische Fotografien mit zeitgemäßen Elementen. Während das Werk „Finde den Weg nach unten“ noch eindeutig vom Stil des niederländischen Formenkünstlers M.C. Escher beeinflusst ist, gehen seine fotografischen Bilderrätsel ganz eigene Wege und sorgen durch ihre Aufforderung „Was ist falsch?“ bewusst dafür, dass man vor diesen Bildern etwas länger verweilt.

Trotz aller Unterschiede haben die Exponate der Ausstellung eine Gemeinsamkeit: Keines der Werke ist im minimalistischen und oft seelenlosen Informel-Stil gehalten, sondern jedes einzelne Objekt erzählt viel von der Arbeit des Künstlers und dessen Liebe zum Detail.

Die Ausstellung „Friedbergs Kunst“ ist noch bis zum 7. März im Neusässer Rathaus zu sehen.

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