Newsticker

Bundesregierung hebt Reisewarnung für europäische Länder auf
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Kandidaten in Neusäß diskutieren vor der Kamera ohne Publikum

Neusäß

07.03.2020

Kandidaten in Neusäß diskutieren vor der Kamera ohne Publikum

Die Podiumsdiskussion der Bürgermeisterkandidaten von Neusäß mit (von links) Bernhard Hannemann, Michael Frei, Richard Greiner, Susanne Höhnle und Moderator Jürgen Marks fand vor Kameras statt Live-Publikum statt.
Bild: Marcus Merk

Plus Wegen des Coronavirus fand die Podiumsdiskussion der Bürgermeister-Kandidaten in Neusäß im Hotel statt. Viele schauen sich das Video im Netz an.

Die Bibliothek im alteingesessenen Hotel Alpenhof im Augsburger Norden ist nicht groß. Bei Seminaren finden dort vielleicht 20 Teilnehmer Platz - am Samstagvormittag waren es wesentlich weniger: Vier Bürgermeister-Kandidaten für Neusäß und ein Moderator standen vor einer Videokamera, dahinter waren noch ein halbes Dutzend weiterer Helfer und Organisatoren im Raum und erlebten die Wahlkampf-Debatte um die Themen Wohnen, Mobilität, Uniklinik und Vereinsleben persönlich mit. Viele andere saßen aber irgendwo vor ihrem PC, Tablet oder Smartphone und verfolgten die Diskussion digital über Facebook, statt auf altmodische Art in der Turnhalle des TSV Steppach die Kandidaten auf dem Podium zu erleben.

Aber Not macht bekanntlich erfinderisch. Denn weil sich der Coronavirus immer weiter verbreitet und sogar der Landrat am Freitag dazu riet, auf Veranstaltungen zu verzichten, hat der Veranstalter, der Bund der Selbständigen, die öffentliche Podiumsdiskussionen abgesagt und kurzerhand ins Internet verlegt. „Die Kandidaten wollten es machen, also gehen wir jetzt neue Wege“, so der Bezirksvorsitzende Frank Dietrich. Er buchte einen geeigneten Raum und Bezirksgeschäftsführer Tilo Treede kümmerte sich um Kamera und Internettechnik.

Live Stream von der Debatte der Bürgermeisterkandidaten

Und so konnten alle Interessierten zur geplanten Zeit die Argumente und politischen Ziele der vier Kandidaten hören: Amtsinhaber Richard Greiner (CSU), Michael Frey (Grüne), Susanne Höhnle (SPD) und Bernhard Hannemann (Freie Wähler). Laut Veranstalter hatten bis zum Ende der Debatte bereits rund 3500 Nutzer den Beitrag auf der Facebook-Seite des „BDS Schwaben“ angeklickt.


Die Moderation hatte der Journalist Jürgen Marks übernommen, dem es die Kandidaten nicht schwer machten: In vielen Punkten waren sie sich weitgehend einig, es gab fast keine deutlichen Kontroversen und schon gar keine gegenseitigen Angriffe. In etlichen Fragen waren sich Frey und Höhnle einig sowie auf der anderen Seite Greiner und Hannemann.

AZ-Leser hatten Fragen für Kandidaten in Neusäß eingereicht

Die ruhige, konzentrierte Diskussion zu den Themenbereichen war geprägt von Sachargumenten, Respekt und dem Bemühen um gute Lösungen für Neusäß. Auch die Leser der Augsburger Allgemeinen hatten einige Fragen eingereicht, die auch gestellt wurden.

  • Wohnen: SPD und Grüne waren sich einig in ihrer Forderung nach einem Mietpreisspiegel für Neusäß. Greiner und Hannemann lehnen dies als "leider unwirksam" ab. „Nur der Markt wird uns helfen, wieder zu vernünftigen Mietpreisen zu kommen“, so Bernhard Hannemann, der aber wie Susanne Höhnle und Michael Frey ebenfalls künftig für einen Anteil von 30 Prozent Sozialwohnungen bei Neubauprojekten ist. Auf eine Leserfrage sagte der amtierende Bürgermeister Richard Greiner, im neuen Flächennutzungsplan sei festgelegt, wo künftig eine Nachverdichtung möglich ist, sie müsse aber auch verträglich sein. Er höre durchaus auch kritische Stimmen in Neusäß, die sagen „Wie viel Wohnraum soll denn noch entstehen?“ Alle waren sich einig, man müsse Grund und Boden klug und intensiver nutzen. Frey sagte: „Wir müssen dichter bauen.“ Denkbar sei auch für alle die Überbauung von Supermarkt-Parkplätzen.


  • Baumschutzverordnung: Bei dieser Leserfrage waren die Kandidaten uneins: Höhnle und Frey halten sie – vor allem vor dem Hintergrund der aktuellen Baumfällungen im Stadtgebiet – unbedingt für nötig, sie wurde auch von den Grünen jahrelang (ohne Erfolg) beantragt. Für die SPD-Kandidatin geht das sogar nicht weit genug: Denkbar seien in Neusäß auch ein Bürgerwald, mehr Biotope und Grundstücksankäufe der Stadt für eine Verpachtung an Bio-Landwirte. Für Greiner sei eine Baumschutzverordnung ein „stumpfes Schwert“ gegenüber dem Bebauungsplan und Hannemann befürchtet in der Praxis zu viele Probleme und soziale Härten.

"Kümmerer" soll Vereinen bei Antragsstellung helfen

  • Vereine: Einig waren sich die Kandidaten darüber, dass die Bestellung eines „Kümmerers“ für die Vereine, der in Zuschussfragen und bei der Antragstellung behilflich ist, eine gute Idee sei.
  • Uniklinik: Um von der Uniklinik zu profitieren und Neusäß zu einem „Medical Valley im Schmuttertal“ (Hannemann) zu machen, einem Gesundheitsstandort, wie es Richard Greiner seit etwa zwei Jahren vorschwebt, müssten alle Beteiligten frühzeitig eingebunden werden. „Die öffentliche Beteiligung in der Bauleitplanung ist dann schon zu spät“, mahnte FW-Kandidat Hannemann an, man müsse alle Betroffenen viel früher - vor dem Aufstellungsbeschluss - anhören. Richard Greiner konterte: „Und deswegen haben wir in bereits acht Unternehmerabenden ein Gewerbeflächen-Entwicklungskonzept auf den Weg gebracht.“

Das Video mit der kompletten Debatte können Sie hier noch einmal sehen. Falls da Video nicht korrekt angezeigt wird, klicken Sie bitte auf diesen Link.

Über 3.000 Zuschauer, danke an die Kandidaten, danke an Jürgen Marks für die souveräne Moderation, wir gehen offline

Gepostet von Johannes Kopp am  Samstag, 7. März 2020
Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren