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Neusäß

05.09.2016

Kapelle ist älter als bisher angenommen

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Bauforscher Bernhard Niethammer hat herausgefunden, dass die Kapelle St. Nikolaus von Tolentino im Neusässer Stadtteil Schlipsheim älter ist, als bislang immer angenommen.
Bild: Andreas Lode

Bauforscher gelangt bei Untersuchungen der Schlipsheimer Kapelle zu neuen Erkenntnissen

Wer sich für historische Bauten interessiert, sollte sich den 11. September im Kalender vormerken: Am „Tag des offenen Denkmals“ können Besucher spannende Neuigkeiten über die Geschichte der Schlipsheimer Kapelle St. Nikolaus von Tolentino erfahren. So gelangte Bauforscher Bernhard Niethammer bei einer Untersuchung zu der Erkenntnis, dass die Kapelle mehr als 60 Jahre älter ist, als man bisher annahm.

Anlass zu der Bauforschung gab eine durch die Stadt Neusäß geplante Sanierung der Kapelle. Niethammer erklärt: „Eine Instandsetzung ist eine denkmalpflegerische Maßnahme, für deren Planung die Geschichte des Bauwerks natürlich berücksichtigt werden muss“.

Die Kapelle bildete ursprünglich einen Bestandteil des Schlipsheimer-Rehlinger-Schlosses, welches erstmals im Jahr 1570 erwähnt wird. Bisher ging die Forschung davon aus, dass die Kapelle nach dem Konkurs der Familie von Rehlingen im Jahr 1793 durch das Chorherrenstift zum Heiligen Kreuz neu erbaut wurde. Bei einer Untersuchung der Dachkonstruktion stellte Niethammer allerdings fest, dass dieses Datum nicht mit dem Alter der verwendeten Bauhölzer übereinstimmt. Außerdem schloss er aus der Bauweise des Daches, dass die Kapelle einen verbliebenen Teil eines größeren und älteren Wohngebäudes darstellt. Der Bauforscher widerlegt damit die bisherige Annahme, dass die Kapelle früher als Schafstall genutzt wurde.

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Aus seinen bisherigen Befunden folgert Niethammer, dass die Familie von Rehlingen im Jahr 1730 begann, ein neues Gebäude zu bauen, welches sie jedoch aus finanziellen Gründen nicht vollenden konnte. Nach dem Verkauf an das Kloster Heilig Kreuz bemühte sich dieses um die Fertigstellung des Gebäudes und richtete dazu die kleine Kapelle ein, die bis heute in Schlipsheim steht.

Das Kloster nutzte das Gebäude als Sommersitz, bis kurz nach der Säkularisation alle Wohnräume bis auf die Kapelle abgerissen wurden. Das Grundstück wurde daraufhin an vier Schlipsheimer Bauern verkauft, welche die Kapelle im Jahr 1821 an die Gemeinde Schlipsheim verschenkten.

Niethammer betont, wie bedeutend die Befunde der Bauforschung für die Schlipshammer Kapelle sind: „Sie ist heute das letzte Zeugnis einer ehemals bedeutend größeren Anlage, deren Reste man vermutlich nur noch durch Grabungen erschließen kann.“

Die Kapelle ist am Tag des offenen Denkmals durchgehend für Besucher geöffnet. In Führungen um 11 Uhr und um 14 Uhr erklärt der Bauforscher bei einer Besichtigung des Dachgebälks ausführlich, wie er zu den neuen Erkenntnissen über die Geschichte der Kapelle kam. Eine weitere Führung durch Pfarrer Karl Freihalter findet im Anschluss daran um 15 Uhr statt.

Die Stadt Neusäß nimmt bereits seit 15 Jahren am bundesweit stattfindenden „Tag des offenen Denkmals“ teil. Dieser steht in diesem Jahr unter dem Motto „Gemeinsam Denkmale erhalten“ und bietet Besuchern die Möglichkeit, tausende historische Bauten im ganzen Land zu besichtigen. Im Landkreis Augsburg öffnen neben vielen anderen auch das ehemalige KZ-Außenlager in Horgau, das Kloster Holzen in Allmannshofen oder das historische Wasserkraftwerk in Langweid für Besucher ihre Türen.

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