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Landkreis Augsburg

23.07.2020

Kaufhäuser verschwinden: Wie sich der Handel in Meitingen verändert

Der Einkaufsmagnet am Rande der Marktgemeinde Meitingen: Der Via-Claudia-Park direkt an der Bundesstraße B2 hat sich längst etabliert.
Bild: Steffi Brand

Plus Die Zeit der großen Kaufhäuser ist in Meitingen vorbei. Was verschwunden ist – und welche Besuchermagnete hinzugekommen sind.

Martin Jäger, der Vorsitzende der Wirtschaftsgemeinschaft Meitingen, kann sich noch genau an seine Grundschulzeit im Ort erinnern: Nach der Schule ging es direkt ins Kaufhaus Diefenthaler, das sich gegenüber dem Grundschulpark befand. Dort gab es Schulsachen, Spielwaren und Süßigkeiten an der Kasse. Ende der 80er-Jahre schloss das Kaufhaus, und andere Mieter nutzten die Gewerbeimmobilie in der Hauptstraße 9, neben der sich einst mit dem Kaufhaus Liepert noch ein weiteres Meitinger Einzelhandels-original befand. Doch nicht nur die Grundschulzeit von Martin Jäger ist längst vergangen – auch die Zeit der Kaufhäuser im Ort ist längst passé.

Das Kaufhaus Liepert, in dem es einst vom Hosenknopf bis zur Gardinenhalterung alles gab, wird aktuell zu einem Wohngebäude umgebaut; das ehemalige Kaufhaus Diefenthaler zeigt hinter vergilbten Glasfenstern Flohmarktartikel und den Hinweis „zu vermieten“. Der Shopping-Hotspot der Marktgemeinde Meitingen ist dieser Straßenzug längst nicht mehr. Als Zentrum würde Jäger heute die Meitinger Schloßstraße und Teile der angrenzenden Haupt- und Römerstraße bezeichnen, die mit Bäckerei, Eisdiele, Pizzabäcker, Apotheke, Wollladen, Zeitschriftenladen, Buchhandlung, Kosmetiker, Optiker, Handyladen, Bekleidungsgeschäften sowie Ärzten lockt. An zwei Stellen der Schloßstraße werde es in den nächsten fünf bis zehn Jahren zu deutlichen Veränderungen kommen, prophezeit Jäger.

Divi-Gebäude am Ortseingang in Meitingen wird weichen

Das große Gebäude am Ortseingang der Marktgemeinde, das im Ort als Divi-Gebäude bekannt ist, wird weichen, sobald die Mietverträge mit den Pächtern auslaufen. Dann sollen dort nicht nur unterirdische Parkplätze, ein großer Supermarkt und darüber Räumlichkeiten für Gewerbe und Wohnungen entstehen, sondern auch das Ortsbild wird sich mit dieser Maßnahme deutlich verändern: Eine Zufahrt soll es nur noch von der Römerstraße aus geben, zur Schloßstraße hin soll eine Außengastronomie entstehen. Und auch am anderen Ende der Schloßstraße – dort, wo aktuell eine Kiesfläche neben dem Schlosspark für Parkplätze sorgt – soll etwas entstehen, das Platz für den Einzelhandel und für Rahmenprogramm schafft. Detailplanungen seitens der Lokalpolitik erwartet Jäger noch in dieser Wahlperiode.

Auch bei Menschen aus dem Kreis Aichach-Friedberg beliebt

Mit dieser Planung folgt Meitingen bereits zum zweiten Mal einem Trend – hin zu Zentren mit mehreren Geschäften an einem Ort, weg von den verteilten Geschäften, die einst entstanden sind, als Unternehmen noch „zu Hause“ gegründet wurden. Im Handels- und Gewerbepark Via Claudia, der im Jahr 2003 feierlich eröffnet wurde, ist dies bereits gelungen. Heute gehen dort nicht nur Meitinger zum Einkaufen. Auch aus den Nachbarlandkreisen Aichach-Friedberg und Donau-Ries pilgern die Einkäufer in die Via Claudia, um die Gastronomieangebote zu nutzen, sich beim Elektrofachhändler beraten zu lassen oder Drogerieartikel, Lebensmittel, Produkte für Hund, Katze und Maus sowie Kleidung, Schuhe und vieles Weitere einzukaufen.

Das ehemalige Kaufhaus Diefenthaler ist verwaist. Aus dem Kaufhaus Liepert, das sich direkt daneben befindet, wird gerade ein Wohnhaus.
Bild: Steffi Brand

Neben Filialen bekannter Einzelhandelsketten zeigt sich auch in der Via Claudia die Bewegung des regionalen Handels: Der Grundstein für den Elektrofachmarkt Euronics XXL wurde im Jahr 1934 in der Donauwörther Straße 22 in Meitingen gelegt. Im Jahr 2003 war der inhabergeführte Elektrohandel dann das erste Unternehmen in der Via Claudia. Auch Werner Schafnitzel, der den gleichnamigen Schuh- und Schlüssel-Sofortdienst betreibt, hatte zunächst ein kurzes Intermezzo in der Schloßstraße, bevor er sich im Handels- und Gewerbepark niederließ.

Einzelhändler sorgen sich vor Konkurrenz im Kernort Meitingen

Die Sorge vor der Konkurrenz, die die Einzelhändler im Kernort fürchteten, sei unbegründet gewesen, erklärt Jäger rückblickend. Ein Grund dafür könnte auch die gute Anschlussachse sein: die Römerstraße, die dann als Donauwörther Straße in die Via Claudia führt. Eben dort habe sich viel verändert – und doch ist einiges gleich geblieben. Der Juwelier Gleich geht auf ein im Jahr 1948 gegründete Juweliergeschäft zurück. Auch Blumen Baur ist ein Traditionsunternehmen mit einer über 100-jährigen Unternehmensgeschichte, das seit jeher die Römerstraße prägt. Daneben hat sich jedoch einiges verändert – denn auch hier sind Kaufhäuser verschwunden. Arztpraxen, Anwälte und Wohnbebauung befinden sich heute dort, wo sich einst der Delta-Supermarkt befand.

Erlebt den Wandel im Handel seit Jahren mit: Martin Jäger.
Bild: Steffi Brand

In den Räumen der ehemaligen Marienapotheke gibt es jetzt Kaffee

Andere Unternehmer wiederum schwören auf den Standort Meitingen: Stefan Ballas, der einst Chef im Mode-Treff in der Römerstraße war, bietet seit vergangenem Jahr in den Räumen der ehemaligen Marienapotheke alles rund um den Kaffeegenuss an. Damit liegt er in der Hauptstraße, an der sich in puncto Handel vor allem in Bahnhofsnähe einiges verändert hat: Einen der ersten Elektriker im Ort, Elektro Prade, gibt es nicht mehr. Stattdessen hat der Naturladen seine Verkaufsfläche vergrößert. Und Peter Kaiser entschied sich – nach einigen Jahren im Angestelltenverhältnis – dafür, dem Standort in Meitingen als Optiker und Inhaber treu zu bleiben. Mit der Metzgerei Stegmiller ist wieder ein Metzger dort eingezogen, wo bereits früher eine Metzgerei frische Wurstwaren anbot.

Auch Lothar Sebald, den Inhaber des gleichnamigen Friseursalons, zog es nach einigen Jahren im Allgäu wieder zurück ins Lechtal. Damit lässt sich trotz allem Wandel auch ausmachen, dass viele Unternehmer dem Standort Meitingen treu geblieben sind.

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