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Gersthofen

13.02.2014

Kein Besuch für Alzheimerpatientin: Streit um Betreuung erhitzt Gemüter

Eine 89-Jährige aus Königsbrunn ist seit dem vergangenen Jahr in der geschlossenen Abteilung des Paul-Gerhardt-Hauses untergebracht. Weil sie ihre ehemaligen Nachbarn nicht besuchen dürfen, gehen diese jetzt auf die Barrikaden: Am Sonntag findet eine Mahnwache statt.
Bild: Marcus Merk

Eine 89-Jährige darf wegen ihrer Alzheimer-Erkrankung nur von wenigen Menschen besucht werden. Das sorgt für Wut bei den ehemaligen Nachbarn. Am Sonntag ist eine Mahnwache geplant.

Das Schicksal einer 89-jährigen Königsbrunnerin, die seit vergangenem Jahr in einem Gersthofer Pflegeheim untergebracht ist, sorgt für Streit zwischen ihren Freunden und den Behörden. Weil die ehemaligen Nachbarn die an Alzheimer erkrankte Frau nicht besuchen dürfen, ist für den Sonntag um 15 Uhr eine Mahnwache vor dem Paul-Gerhardt-Haus geplant. Nach Auskunft der Organisatoren haben über 20 ehemalige Nachbarn der Frau ihr Kommen angekündigt.

Darum geht es: Weil bei der Seniorin Alzheimer diagnostiziert wurde, steht die Frau seit einiger Zeit unter Betreuung, eine Berufsbetreuerin regelt seitdem die Angelegenheiten der betagten Frau. Im Laufe des vergangenen Jahres wurde die Frau schließlich von ihrem Haus in Königsbrunn in die geschlossene Abteilung des Gersthofer Pflegeheims verlegt, ihren Nachbarn wurde es verboten, sie zu besuchen. Lediglich drei Personen aus dem nächsten Umfeld ist es gestattet, die Frau zu besuchen.

Der Besuch endete im Eklat

Das wiederum rief die Proteste der ehemaligen Nachbarn auf den Plan: Vor einigen Monaten unternahmen einige einen Versuch, die Frau in dem Pflegeheim zu besuchen. Der Versuch endete im Eklat, einem Besuch der Polizei und dem Hausverbot für die ungebetenen Besucher. Mittlerweile ist die in Fürstenfeldbruck ansässige Kester-Haeusler-Stiftung auf die Sache aufmerksam geworden und hat die Mahnwache organisiert. In dem Aufruf dazu kritisiert deren Vorsitzender Volker Thieler den Umgang mit der Frau. „Diese völlige Isolierung ist leider im Betreuungsrecht keine Seltenheit und stellt unserer Meinung nach eine eklatante Verletzung der Menschenrechte dar.“

Kein Besuch für Alzheimerpatientin: Streit um Betreuung erhitzt Gemüter

Das für die Frau zuständige Betreuungsgericht weist die Vorwürfe zurück: Zwischen September und Oktober habe es unabhängig voneinander drei Gutachten gegeben, die allesamt die Einsetzung einer Berufsbetreuerin sowie die Unterbringung in einer „beschützenden Abteilung“ für die Frau forderten. Auslöser war damals, dass die Frau aus ihrem Heim verschwunden und nicht alleine zurückgekehrt war. Weitere Details wollte Florian Schmitt-Roob, der Vorsitzende des Betreuungsgerichts, unserer Zeitung mit Verweis auf die Persönlichkeitsrechte der Frau nicht erläutern. Er fügte jedoch an, dass die Einschränkung des Kontakts wie in diesem Fall nur selten angewendet wird. Im Fall der Königsbrunnerin werden sowohl das Betreuungspersonal als auch die Frau fortlaufend dazu befragt, zum bislang letzten Mal sei dies am 4. Februar passiert.

„Die Hürden für Besuchsverbote sind sehr hoch.“

Auch für Regina Mayer, Sachgebietsleiterin für soziales Betreuungswesen am Landratsamt, ist dieser Fall im Landkreis einmalig. Den aktuellen Fall kennt sie im Detail nicht, sodass sie nur allgemeine Aussagen dazu treffen kann. Sie betont aber: „Die Hürden für Besuchsverbote sind sehr hoch.“ Auch dass jemand die Vormundschaft für eine betreute Person bekomme, werde nicht einfach so angeordnet. Heute gebe es einzelne Kompetenzen, die übernommen werden können – etwa das Öffnen der Post, das Regeln von Behördenangelegenheiten oder eben die Entscheidung darüber, wer zu Besuch kommen darf oder nicht. Das müsse aber durch Gutachten geregelt sein. Eine Betreuung anregen könne zwar jeder – bevor ein Betreuer eingesetzt wird, führen die Mitarbeiter der Betreuungsstelle aber erst einmal Gespräche mit dem Betroffenen und dessen Umfeld. Selbst wenn diese zum Ergebnis kommen, dass eine Betreuung nötig ist, habe der Betroffene aber immer noch die Möglichkeit, einen Pfleger abzulehnen.

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