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Ustersbach

22.08.2017

Kein Bock auf Politik? In Ustersbach schon

Podiumsdiskussion_U18-Wahl2.jpg
2 Bilder
Die Podiumsdiskussion im Ustersbacher Forum stand unter dem Motto „Jugend U18 fragt, Politiker antworten“.
Bild: Siegfried Rupprecht

Bei der Podiumsdiskussion zur U-18-Wahl bringen Kinder und Jugendliche die Politiker ganz schön auf Trab.

„Das war eine informative und jugendgerechte Veranstaltung“, sagt Vitus Braun. Der 15-jährige nahm wie rund 50 weitere Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Ustersbacher Forum an der Podiumsdiskussion mit Politikern zur bevorstehenden U-18-Wahl teil. Interessant sei für ihn vor allem die differenzierte Sichtweise der Parteivertreter zu einzelnen Themen gewesen. „Das hilft mit, Politik besser zu verstehen“, meinte er.

Auch kritische Fragen sind dabei

Im Fokus der Besucher standen acht Politiker: Ludwig Lenzgeiger (CSU), Annette Luckner (SPD), Eva Lettenbauer (Bündnis 90/Die Grünen), Frederik Hintermayr (Die Linke), Maximilian Funke-Kaiser (FDP), Gabi Olbrich-Krakowitzer (ÖDP), Christian Bolsinger (AfD) und Andreas Jung (Die Piraten). Markus Brem von den Freien Wählern hatte kurzfristig abgesagt. Unter der Leitung des jungen Moderatorenduos Jonas Naß und Philipp Teut ging es zunächst um persönliche Themen, beispielsweise warum die Teilnehmer Politiker geworden sind und welche Vorbilder sie haben.

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Erstmals aus der Reserve gelockt wurde die Talkrunde bei der Frage, was die Einzelnen mit ihren politischen Aktivitäten erreichen wollen. „Großes Augenmerk lege ich auf Demokratie und Grundrechte“, verdeutlichte Andreas Jung von den Piraten. „Sie werden im Rahmen der Sicherheit derzeit stark zurückgestellt.“ Doch was nütze Freiheit in einem goldenen Käfig?, fragte er seinerseits. Die Aufrechterhaltung der Freiheit war auch für Eva Lettenbauer ein großes Anliegen, aber auch, dass das Klimaabkommen von Paris endlich weltweit eingehalten werde.

Diskussion um Frächenfraß

Die Politiker nahmen zudem Stellung, was an Politik oder der eigenen Partei störe. „Reden und Handeln liegen oft weit auseinander“, gestand Gabi Olbrich-Krakowitzer. Ähnlich äußerte sich Annette Luckner: „Wichtig wäre, Themen weniger zu zerreden.“ Gleichzeitig trat sie dafür ein, öfters impulsiver zu handeln und auch mal Klartext zu reden. Ludwig Lenzgeiger bedauerte, dass zwischen den politischen Ebenen oft zu schlecht kommuniziert werde.

Gesprächsstoff bildete auch der Verbrauch von Grünflächen zur Bebauung. Hier schlug die Vertreterin der Grünen vor, in den Kommunen auf eine bessere Innenverdichtung zu achten. Frederik Hintermayr plädierte für den Bau von mehrstöckigen Häusern, um weniger Flächen zu versiegeln und wieder bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Der Punkt Bildung wurde von den Politikern teils konträr angepackt. Einig war man sich, kleine Klassenstärken zu etablieren, mehr Lehrer einzustellen sowie die Ausbildung der Pädagogen zu verbessern. Maximilian Funke-Kaiser insistierte, im Unterricht weg von der „Kreidezeit“ zu gehen und verstärkt hin zur Digitalisierung. Damit wollte sich die ÖDP-Vertreterin nicht anfreunden. Der vermehrte Einsatz von Neuen Medien führe bei den Schülern oft zu Unkonzentriertheit und Nervosität, warf sie ein.

Jugendliche Videobotschaften für Berlin

Annette Luckner trat dafür ein, den großen Leistungs- und Psychodruck beim Übergang von der vierten Grundschulklasse in eine weiterführende Schule wegzunehmen. Ihr Rezept: eine längere gemeinsame Schulzeit. In diesem Zusammenhang hielt Ludwig Lenzgeiger ein eindringliches Plädoyer für den Handwerksberuf. Abitur sei nicht das Maß aller Dinge, betonte er. Das Handwerk biete Jugendlichen auch finanziell gute Chancen.

Ein kleines Streitgespräch entwickelte sich beim Thema Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV). Andreas Jung brachte eine Verbindung von Car-Sharing und ÖPNV ein. Einige schlugen vor, den Nahverkehr zumindest für Kinder und Jugendliche kostenfrei beziehungsweise generell für alle Nutzer billiger zu gestalten. ÖDP, Linke und Grüne sahen es als notwendig an, beim ÖPNV dichtere Taktangebote einzuführen.

Vor der Diskussion hatten die jungen Leute die Möglichkeit, im Wohnwagen SARA (Statement Auf RAedern) des Kreisjugendrings Augsburg-Land eine Videobotschaft aufzunehmen. Dort konnten sie Politikern aus der Region ihre Wünsche, Forderungen und Anregungen mitteilen. In Ustersbach wurde diese Aktion genutzt, um vor allem kommunale Themen wie Umwelt, Nahverkehr und Flüchtlingspolitik anzusprechen.

Die Veranstaltung kam übrigens nicht nur bei Vitus Braun gut an. Für Bürgermeister Maximilian Stumböck war sie unverzichtbar, „um junge Leute an Politik heranzuführen“. Die Diskussionsteilnehmer wiederum meinten unisono, dass es wichtig sei, den Jugendlichen zuzuhören und ihre Anliegen ernst zu nehmen.

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