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Konzept

18.07.2019

Kein Geld, kein Hochwasserschutz

Edgar Kalb

Die Pläne für das Siefenwanger Rückhaltebecken an der Zusam kommen überraschend in die Schublade. Bürgermeister sind empört. Landrat will Druck ausüben

Jahrelang wurde diskutiert, verhandelt und gestritten: Jetzt werden die Pläne für den Hochwasserschutz bei Siefenwang in die Schublade gelegt. Das Rückhaltebecken an der Zusam auf Höhe des Dinkelscherber Ortsteils Siefenwang kann nicht gebaut werden, weil der Freistaat Bayern derzeit kein Geld dafür zur Verfügung stellt. Das bestätigte der Chef des zuständigen Wasserwirtschaftsamtes in Donauwörth, Kurt Nunn. „Wir dürfen es nicht machen, weil wir kein Geld haben“, sagte Nunn gestern auf eine entsprechende Frage von Dinkelscherbens Dritter Bürgermeisterin Annette Luckner bei der jüngsten Dienstbesprechung der Bürgermeister im Landratsamt in Augsburg.

Die Reaktionen dort waren harsch. „Das ist ja der Wahnsinn“, schimpfte Landrat Martin Sailer. Hochwasserschutz sei klar eine Aufgabe des Staates, man werde da Druck machen. Dinkelscherbens Bürgermeister Edgar Kalb wollte es gar nicht glauben. „Das ist furchtbar“, sagte er. Halbjährlich habe er Schreiben an Behörden verfasst, um das Großprojekt anzuschieben. Jahrelang sei verhandelt und gefeilscht worden. „Jahre sind vergangen, und nichts ist passiert“, sagte Kalb. In dieser Zeit seien die Baukosten explodiert und die Grundstückpreise gestiegen. Wäre früher gebaut worden, dann wäre der Hochwasserschutz schon für die Hälfte der Kosten entstanden.

Vor eineinhalb Jahren lagen die geschätzten Baukosten bei rund 3,4 Millionen Euro. Dinkelscherben wollte sich mit 1,2 Millionen Euro beteiligen. Auch die Nachbargemeinde Zusmarshausen hatte als Hochwasserschutz-Profiteur knapp 100000 Euro beigesteuert.

Auch aus Altenmünster gab es gestern Kritik. Altenmünsters Bürgermeister Bernhard Walter schimpfte, dass seit 15 Jahren am Hochwasserschutz gearbeitet werde. Er fragte: „Müssen erst wieder 100 Keller unter Wasser stehen, bevor etwas passiert?“ An den Ernstfall will Kalb gar nicht denken. „Man kann jetzt nur hoffen, dass das nächste Hochwasser keinen großen Schaden anrichtet.“ Weldens Bürgermeister Peter Bergmeir, der in seinem Ort seit 30 Jahren Hochwasserschutz zum Thema hat, lobte bei der Bürgermeisterbesprechung die Zusammenarbeit mit dem Freistaat in der Vergangenheit. Bei insgesamt acht Dämmen für drei Millionen Euro seien die Zuschüsse schnell geflossen. Derzeit läuft in Welden die Planung für den neunten Damm. Bergmeir wörtlich: „Und am Ende hast du Ärger mit fünf Naturschützern.“

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