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Neusäß

04.12.2012

Keine Kinderarbeit: Grabsteine sollen aus fairem Handel kommen

64 neue Grabsteine wurden im Jahr 2011 auf dem Neusässer Friedhof aufgestellt. Künftig will die Stadt gemeinsam mit den Steinmetzen darauf achten, dass nur fair gehandelte Steine auf den Friedhof kommen.
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64 neue Grabsteine wurden im Jahr 2011 auf dem Neusässer Friedhof aufgestellt. Künftig will die Stadt gemeinsam mit den Steinmetzen darauf achten, dass nur fair gehandelte Steine auf den Friedhof kommen.
Bild: Marcus Merk

Neusäß und Gersthofen setzen auf die Mitarbeit der Steinmetze.

64 neue Grabsteine sind im vergangenen Jahr auf dem Neusässer Friedhof aufgestellt worden. Das Rohmaterial dafür kommt aus aller Welt. Künftig will die Stadt allerdings stärker auf die Herkunft der Steine achten: Es sollen in erster Linie solche aufgestellt werden, die aus fairem Handel stammen, also nicht Produkt von Kinderarbeit sind. Neusäß will dabei auf die freiwillige Mitarbeit der Steinmetze setzen.

Angestoßen wurde dieser Beschluss durch einen Antrag der Grünen-Fraktion im Stadtrat. Die hatte in der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses gefordert, die Friedhofssatzung entsprechend abzuändern. Das wollten allerdings die Mitglieder der anderen Fraktionen nicht: Man schreibe den Bürgern ja auch nicht vor, Fairtrade-Produkte zu kaufen, sagte etwa Karin Zimmermann ( CSU).

Die Kontrolle dieser Bestimmung sei fast unmöglich, hieß es auch von der Verwaltung. Die könne nicht feststellen, woher ein Grabstein kommt oder wie aussagekräftig ein entsprechendes Zertifikat sei. Auch bei gebrauchten Grabsteinen oder Steinen, die schon länger im Vorrat der Steinmetze sind, sei das nicht möglich. Deshalb einigte sich der Ausschuss letztendlich auf einen Kompromiss: Die Verwaltung soll in Zusammenarbeit mit den Steinmetzen eine Vereinbarung ausarbeiten. Darin verpflichten sich die Handwerker, so gut wie möglich auf die Herkunft des Steins zu achten.

Die fair gehandelten Grabsteine sind aktuell Thema in mehreren Städten und Gemeinden in der Region. In Augsburg hat sich der Stadtrat auf ein freiwilliges Modell geeinigt, in Diedorf steht bereits ein Passus gegen Grabsteine aus Kinderarbeit in der Friedhofssatzung. Allerdings überlegt der Marktgemeinderat dort, die Regelung wieder abzuändern, weil die Kontrolle zu schwierig sei. In Gersthofen setzt die Verwaltung auf die Mitarbeit der Steinmetze. „Wir bauen eher darauf, dass die Steinmetze sensibel mit dem Thema umgehen“, sagt Bernhard Schinzel, Geschäftsführer der Stadtwerke Gersthofen. In sein Arbeitsfeld fallen auch die Friedhöfe. Es gebe zwar allgemeine Zertifikate, aber das sei nicht verbindlich. „Das funktioniert eher nach dem Motto: Der Glaube versetzt Berge.“

Der Nachweis, dass ein Stein nicht in Kinderarbeit in Indien oder China entstanden ist, sei sehr schwer zu erbringen. Schinzel: „Es gibt ja schon vorgefertigte Steine, die aus anderen Ländern nach Indien transportiert und dort weiterverarbeitet werden.“ Man erfahre dann nur, wo der Stein herstammt, aber nicht wo er bearbeitet wurde.

Eine freiwillige Übereinkunft ist auch im Sinne von Emanuel Wagner. Er ist Juniorchef bei Steinmetz Hans Wagner in Gersthofen. „Das ist eine gute Sache.“ Dadurch würden sich vielleicht auch andere Steinmetze, die noch nicht über das Thema nachgedacht haben, Gedanken über die Herkunft des Materials machen. Eine feste Regelung findet er eher schwierig. „Uns als lokal ansässigem Handwerksbetrieb fällt es nicht leicht, die gesamte Wertschöpfungskette von Anfang an zu kontrollieren.“ Man könne nur durch intensiven Kontakt mit den Lieferanten gewährleisten, dass alles transparent abläuft. Außerdem empfehle er seinen Kunden schon jetzt regionale Materialien.

Generell ist Wagner der Meinung, dass das Thema ein wenig überbewertet wird: „Wir sind natürlich gegen Kinderarbeit. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass Kinder an schweren und großen Grabsteinen arbeiten können. Dafür braucht man große Maschinen, die selbst für Erwachsene schwer zu bedienen sind.“

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