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Gersthofen

12.05.2015

Kita-Streik: Gersthofer helfen sich selbst

In der Notgruppe haben Anna, Tuana, Selina und Viktualia (von links) im Garten des „Kinderhauses Am Ballonstartplatz“ so viel Platz wie nie. Insgesamt fünf Kinder benötigten das Angebot der Stadt Gersthofen.
Bild: Marcus Merk

In der Ballonstadt legten 80 Erzieherinnen und Pflegerinnen die Arbeit nieder. Wie das Angebot angenommen wurde und wie Eltern zu den Forderungen von ver.di stehen

von Benjamin Eberhardt

 Gestern machten die Erzieherinnen im Augsburger Land ernst und streikten. In neun städtischen Kindergärten standen die Eltern vor verschlossenen Türen; sechs davon in Gersthofen, zwei in Steppach und einer in Aystetten. Nachdem sich die Aystetter und Steppacher Eltern selbst organisierten, waren dort keine Notgruppen nötig. Nur in Gersthofen gab es eine provisorische Kinderbetreuung.

Hier kümmerten sich vorwiegend Praktikanten, die nicht streiken dürfen, um Kinder, die ansonsten alleine gewesen wären. Sie betreuten die Kleinen von 8 bis 17 Uhr im „Kinderhaus Am Ballonstartplatz“.

Während die Kolleginnen in Gersthofen die Minimalversorgung sicherstellten, versammelten sich die Streikenden in der Augsburger Innenstadt. In Gersthofen legten alleine 80 Erzieherinnen und Pflegerinnen die Arbeit nieder, wie Bürgermeister Michael Wörle feststellt. Mona Recher, eine Sozialpädagogin, die normalerweise im Hort arbeitet, half in der Notgruppe aus: „Laut meinen Kolleginnen haben sich in der Innenstadt schon 400 Leute für die Menschenkette vom Dom zum Rathaus eingefunden.“ Sie unterstütze den Arbeitsausstand, könne sich die finanziellen Einbußen durch den Streiktag, der als unbezahlter Urlaub gilt, aber schlicht „nicht leisten“. Denn nur Gewerkschafts-Mitglieder erhalten ein Streikgeld, das den verlorenen Arbeitstag kompensiert. Je nach dem Gehalt des Streikenden entspreche das einem Verlust von 50 bis 100 Euro pro Tag, erklärt Mona Recher weiter. Im Stadtgebiet Augsburg seien aber viele in der Gewerkschaft.

Obwohl sie nicht mit ihren Kolleginnen in der Innenstadt ist, hofft sie, dass sich der Streik am Ende für alle lohnt. Auch die Eltern ihrer Hortkinder sehen die Notwendigkeit von Veränderungen. Sie reagierten durchweg positiv, wenn Mona Recher den Arbeitsausstand ankündigte. Einige waren nicht nur verständnisvoll, sondern fragten sogar warum sie nicht länger streiken.

Die Akzeptanz in der Elternschaft trug sicherlich auch dazu bei, dass sich viele selbst um die Unterbringung ihres Kindes kümmerten und das Angebot der Notunterkunft nicht wahrnahmen. Um halb neun wurde ein einziges Kind zum Ballonstartplatz gebracht, nachmittags stießen noch vier Hortkinder dazu. Fünf Kinder von rund 850, die in Gersthofen ohne Betreuung waren. „Heute ist es wirklich sehr ruhig“, sagt Mona Recher und lächelt.

Ein weiterer möglicher Grund für den geringen Andrang sei, dass das Angebot der Notgruppe sehr kurzfristig angekündigt wurde. Außerdem wollen viele Eltern ihre Kinder nicht in die Hände von fremden Betreuern geben: „Die vier Hortkinder kennen mich und sind deswegen gekommen. Sie essen erst und erledigen dann ihre Hausaufgaben – wie sonst auch.“ Wegen des Streiks wurden alle Kinder früher abgeholt und um16 Uhr war am Ballonstartplatz Feierabend. Ab heute öffnen die Kindergärten im Augsburger Land wieder ihre Pforten, nur die Beiden in Steppach bleiben bis einschließlich Mittwoch geschlossen.

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