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Kreis Augsburg

26.10.2013

Klagen über Zustände: Asylbewerber treten in den Hungerstreik

15 von 27 afrikanischen Asylbewerbern, die im Landgasthof Maingründel untergebracht sind, sind in einen Hungerstreik getreten und sprachen mit Bürgermeisterin Silvia Kugelmann (rechts). Mit Transparenten protestierten sie vor dem Rathaus in Kutzenhausen.
Bild: Monika Hupka-Böttcher

Flüchtlinge beklagen die Zustände in Maingründel: Es gebe zu wenig Essen und zu viel Kontrolle. Einige sind jetzt in einen Hungerstreik getreten.

Von den 27 Asylbewerbern im Landgasthof in Maingründel sind etwa die Hälfte in einen Hungerstreik getreten. Seit Donnerstag wollen sie damit protestieren: Zu wenig Essen und der respektlose Umgang seitens der Gasthofbesitzer hätten die jungen Afrikaner zu dieser Aktion veranlasst. Ihren Protest haben die Asylbewerber gestern mit einem Marsch zum Kutzenhausener Rathaus und mit Transparenten zum Ausdruck gebracht.

Beim Essen gebe es massive Probleme

Vor allem beim Essen gebe es massive Probleme, sagt ihr Sprecher Ngouda Tall: Zum Beispiel gebe es zu wenig Essen für die Leute. Außerdem bekämen die Menschen zu wenig zu trinken, pro Mahlzeit nur ein Glas Wasser. Wer wegen eines Behördengangs eine Mahlzeit verpasse, für den gebe es bei der Rückkehr nach der regulären Essenszeit nichts mehr. „Viel lieber würden wir selber kochen“, sagt Ngouda Tall.

Umgang mit Asylbewerbern sei nicht mehr hinnehmbar

Nicht die Unterkunft werde kritisiert, sondern der Umgang der Gastgeberfamilie mit den Asylbewerbern selbst sei nicht mehr hinnehmbar. Die Bewohner würden von einer Art privat organisiertem Securitydienst überwacht und kontrolliert. Zwei Bewohner beklagen sich, dass sie als „Kriminelle“ bezeichnet werden. Und die Ehrenamtlichen, die sich zu Beginn um die Asylbewerber kümmerten und Deutschunterricht anboten, hätten inzwischen Hausverbot bekommen.

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Entsetzen über die Zustände

Bürgermeisterin Silvia Kugelmann ist über die Zustände im Landgasthof und den Umgang mit den Menschen dort entsetzt: „Uns sind die Hände gebunden, die Gemeinde kann nichts machen, wir haben keine Kompetenz. Und der Rechtsanwalt der Familie Bhalla hat mir verboten, mich einzumischen. Die Gemeinde darf nur das Taschengeld auszahlen“, so Kugelmann. Innerhalb der Gemeinde gebe es mit den Asylbewerbern keine Probleme, sie seien in Vereinen und Gruppen integriert, so die Rathauschefin.

Der Besitzer des Landgasthofs, Baljit Bhalla, stellt die Situation gegenüber unserer Zeitung hingegen anders dar: Die Anschuldigungen seien aus der Luft gegriffen. Der Vorwurf, pro Mahlzeit gebe es für die Asylbewerber nur ein Glas Wasser, sei falsch. „Das stellen wir ihnen flaschenweise auf den Tisch.“ Auch gebe es ausreichend zu essen. Das Problem sei ein anderes: „Die wollen afrikanische Küche, die wir aber nicht kochen können“, sagte Bhalla. Die indischen Gerichte, die er ihnen anbiete, würden die Asylbewerber oftmals einfach wegwerfen. Einen hauseigenen Securitydienst gebe es nicht. Er habe auch keinen Deutschlehrern Hausverbot erteilt – stattdessen würden die Asylbewerber seit einigen Monaten auf eine Sprachschule in Augsburg gehen, das Landratsamt bezahle die Fahrtkosten dafür.

Suche nach einer Lösung

Auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte Thomas Dolp aus Kutzenhausen, der den Asylbewerbern bis Februar Deutschunterricht gegeben hatte, allerdings das Hausverbot. „Wir haben im Februar ein Schreiben der Rechtsanwälte der Gasthofbesitzer bekommen, dass ehrenamtliche Kräfte nicht mehr in das Haus dürfen“, erklärte Dolp.

Max Rauscher vom Amt für Ausländerwesen und Integration im Landratsamt Augsburg war am gestrigen Freitagmittag vor Ort in Maingründel. Laut Bürgermeisterin habe er bestätigt, „dass er manches schon gehört habe“, sagte Kugelmann. Über die Pressesprecherin des Landratsamts, Kerstin Zoch, ließ Rauscher gestern mitteilen, dass man nach einer Lösung suche, aber noch nichts spruchreif sei. Erst nächste Woche gebe es eine konkrete Lösung.

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