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Auftritt

22.10.2019

Klangvolle und präzise Mädchenstimmen

Der Mädelchor Saalfeld, hier beim Einzug, unter der Leitung von Andreas Marquardt bei seinem Konzert in der Immanuelkirche Diedorf.
Bild: Bernd Fetthauer

Der Mädelchor aus Thüringen überzeugte und überraschte die Zuhörer in der Diedorfer Immanuelkirche

Dass es in der evangelischen Immanuelkirche in Diedorf immer wieder musikalische Glanzlichter zu hören gibt, ist weithin bekannt. Etwas ganz Besonderes stellte auch der Auftritt des Mädelchors Saalfeld dar, der die Thüringer Herbstferien zu einer Konzertreise genutzt hatte.

Während gerade den Augsburgern durch die Domsingknaben der ganz spezielle Klang eines Knabenchors vertraut ist, sind reine Mädchenchöre wesentlich seltener zu finden. Auch in Anbetracht der aktuellen Diskussion darüber, ob reine Knaben- oder Mädchenchöre noch zeitgemäß seien, konnte man auf das Konzert gespannt sein. Der Chor, der in Diedorf zu Gast war, heißt bis heute wirklich Mädelchor und nicht Mädchenchor, was wohl am Gründungsjahr 1950 liegt.

Bereits der singende Einzug der Mädchen in die Kirche war beeindruckend. Konnte man zunächst nur aus der Ferne den mittelalterlichen Hymnus „Christe qui lux es et dies“ hören, so wurde der Klang der Stimmen immer voller, als die Sängerinnen von zwei Seiten auf den Altarraum zuschritten und schließlich das Kirchenrund mit einem erstaunlichen Klangvolumen füllten.

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Unter der Leitung von Andreas Marquardt brachten die 24 Mädchen im Alter von acht bis 18 Jahren sehr anspruchsvolle, überwiegend geistliche Chormusik von der Renaissance bis zur Gegenwart zu Gehör. Bei Andrea Gabrielis „Crucifixus“ und Giovanni Croces „Et ressurexit“ überzeugte der Chor mit präzisem vielstimmigen Gesang aus der Renaissance-Zeit. Souverän in allen Stimmlagen wurde das „Magnificat“ der zeitgenössischen schwedischen Komponistin Agneta Sköld vorgetragen, wobei auch die äußerst sorgfältige Artikulation der Sängerinnen auffiel. Eigens für Frauenstimmen hatte Felix Mendelssohn Bartholdy den Psalm „Laudate pueri“ vertont, den die Saalfelder Sängerinnen konzentriert und nuanciert präsentierten.

Begleitet wurden sie bei diesem und einigen anderen Stücken am Klavier beziehungsweise an der Orgel von der Kirchenmusikerin Solveig Lichtenstein. Während der Chor pausierte, spielte Lichtenstein ein Concerto von Johann Gottfried Walther sowie die Fuge und das Präludium in G-Dur von Felix Mendelssohn Bartholdy. Er war eindrucksvoll, welche Klangfülle die Organistin an der sehr kleinen Kirchenorgel erzielte. Strahlend-festlichen Chorgesang bot „Das große Halleluja“, das der erst 19-jährige Franz Schubert komponiert hatte. Sensibel, zurückhaltend und ausdrucksstark wurden die getrageneren Stücke wie Max Regers „Nachts“ und Arnold Mendelssohns „Herbst“ intoniert. Mit dem so passenden Lied „Wie ist der Abend so traulich“ von Wilhelm Köhler, einem ehemaligen Kantor der Saalfelder Johanneskirche, endete dieses überaus gelungene Konzert.

Mit der Erkenntnis, dass auch ein reiner Mädchenchor über eine ganz eigene Ausstrahlung und einen besonderen klanglichen Reiz vom glockenhellen Sopran bis zum kräftigen Alt verfügt, spendeten die Zuschauer reichlich Applaus und durften sich daher noch über eine Zugabe freuen.

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