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Konzert

19.11.2013

Klaviervirtuosität auf Weltniveau erlebt

Joanna Jimin Lee spielte in Leitershofen.

Joanna Jimin Lee spielte im Immanuelhaus Leitershofen. Die südkoreanische Musikerin beeindruckte mit Können und Gefühl

Stadtbergen-Leitershofen Die Leitershofer Reihe „Kammermusik im Immanuelhaus“ startete auf Weltniveau: Das Solorezital der Pianistin Joanna Jimin Lee zog nicht nur zahlreiche Besucher an, sondern wurde am Schluss zu Recht begeistert gefeiert. Die südkoreanische Musikerin, die mit der Einspielung sämtlicher Chopin-Etüden international unbestreitbare Meisterschaft bewies, beeindruckte mit den Gaben einer echten Künstlerin, mit enormem Können und Gefühl – und dennoch erfüllte sie sich vor dreieinhalb Jahren ihren Kindheitstraum.

Denn nachdem sie als Pianistin eindrucksvolle internationale Erfolge erzielt hatte, beschritt Joanna Jimin Lee die Ausbildung zur Ordensfrau und zählt seit April zur Schwesterngemeinschaft Missionarinnen Christi. In ihrem Klavierabend zeigte sie, dass dieser Weg ihr Können nicht beschneidet. Im Gegenteil wirkte die 36-Jährige angenehm unprätentiös, stellte den Dienst an Musik und Publikum voran, moderierte gelassen und charmant, ohne spürbare Anspannung vor dem gewaltigen Repertoire, das ihr bevorstand und das sie auswendig nahezu fehlerlos meisterte.

Umrahmt wurden die beiden Hauptwerke – eine Sonate von Franz Schubert und Robert Schumanns „Kreisleriana“ – von Liedtranskriptionen Franz Liszts. Das Wort war also der rote Faden des Abends: Das berühmte, philosophisch-wehmütige Schubert-Lied „Auf dem Wasser zu singen“ hatte Liszt bis zum typisch gloriosen Finale gekonnt originalgetreu adaptiert. Joanna Jimin Lee meißelte die Melodie im Tenor kantabel heraus, während die Wellen gleichmäßig darüber schwappten. In der folgenden Sonate Es-Dur (Op. Posth. 147, D 568) zeigte sich Schubert weniger romantisch als im Lied, klassisch bis barock vielmehr, rhetorisch und jäh die Stimmung wechselnd. Mehrstimmigkeit wechselte mit Wiener Jargon, emotionale Abgründe mit Unbeschwertheit. Joanna Jimin Lee beeindruckte hier mit Anschlagskultur und meisterlicher Technik, die sich auf einem Premium-Instrument sicher noch mehr entfaltet hätte. Im zweiten Teil blühte sie vollends auf: Der Zyklus „Kreisleriana“ zeichnete zwischen homophonem Legato molto, Bizarrerie und trockenem Quasi-Kontrapunkt ein Seelengemälde, das Psychogramm einer interessanten, aber gespaltenen literarischen Persönlichkeit, die vom Pianisten große Flexibilität und Bandbreite fordert, von Joanna Jimin Lee auch erhielt. Der Kapellmeister Kreisler ist Hauptfigur der gleichnamigen Erzählung von E.T.A. Hoffmann und Schumann fühlte sich davon inspiriert.

Gewidmet hat er den Zyklus seinem Freund Chopin, nachdem seine zuerst angedachte Verlobte Clara Schumann darum bat: Sie haben schon genug Ärger mit ihrem Vater, der mit dem Schwiegersohn nicht einverstanden war. Dafür atmete die „Widmung“ aus Schumanns Hochzeitsgeschenk, dem Liederkreis „Myrthen“ pure Liebe, völlige Hingabe: Rückerts vertontes Gedicht mit den berühmten Versen „Du meine Seele, du mein Herz, mein guter Geist, mein beßres Ich“, fanden in der Klavierfassung, mit ekstatischen Tongirlanden, glitzernden Umspielungen ihre kongeniale Verdolmetschung und in Joanna Jimin Lees Interpretation bezwingende Ausdruckskraft.

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