1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Kleine Kinder, großer Zorn

19.11.2018

Kleine Kinder, großer Zorn

Landkreis Augsburg Noah stampft wütend auf den Boden: „Nein. Ich will nicht zu Oma. Ich will mit Finn spielen.“ Ruhig versucht Mama Karin ihrem Vierjährigen zu erklären: „Finn hat heute keine Zeit zum Spielen, deswegen fahren wir Oma besuchen.“ Doch die Erklärungsversuche schlagen fehl. Noah beharrt auf seinen Wünschen und tut diese auch lautstark kund.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Was Mama Karin mit ihrem Vierjährigen passiert, ist ganz normal. Die Worte „Nein“ oder „ich will“ läuten sie ein - die Hochphase der Wut: die Trotzphase. In Anbetracht dieser Signalworte können Eltern sich sicher sein: „Jetzt geht’s los mit der Trotzphase“, erklärt Doris Zahn, Sozialpädagogin der St. Gregor Kinder-, Jugend- und Familienhilfe. Wie Eltern diese Wut der kleinen Kinder verstehen und mit ihr umzugehen lernen, verrät sie in ihrem Vortrag im Familienzentrum in Meitingen.

Auch wenn Mama Karin in Anbetracht des wütenden Noahs diesen Satz sicherlich nicht unterschreiben möchte, so ist es de facto so: „Wut ist etwas Wertvolles. Es ist ein zentrales Gefühl“, weiß die Sozialpädagogin. Begreifen Eltern die Wut ihrer Kinder als dieses zentrale, wertvolle Gefühl, sollte sie ihren Kindern beibringen, mit eben diesem Gefühl umzugehen. „Wut kann guttun, wenn ich gelernt habe, mit Wut umzugehen“, verrät Doris Zahn.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Um sich dem Gefühl der Wut zu nähern, sollte die Ursache erkannt werden. Wut kann beispielsweise entstehen, wenn etwas nicht so gelingt, wie das Kind es sich vorstellt. Das passiert in der „Ich-will-es-selber-machen“-Phase häufig. Für das Kind bedeutet es, zu scheitern, und das macht wütend. Wut kann aber auch entstehen, wenn die Pläne des Kindes durchkreuzt werden, wie es für Noah vielleicht ausgesehen haben könnte. Vielleicht kam beim Vierjährigen nur an: Oma statt Finn. Und das hat Mama entschieden. Auch gibt es eine dritte Ursache, die Wut bedingen kann, und für Eltern mitunter recht schwer zu erkennen ist. So gibt es auch Wutanfälle, um den eigenen Willen durchzusetzen.

Ein Patentrezept, um auf wütende Kinder zu reagieren, gibt es von Doris Zahn nicht. Stattdessen erklärt sie, dass sowohl das Verhindern des Wutanfalls, das Begleiten des Wutanfalls als auch das Zuschauen eine mögliche Verhaltensweise der Eltern sein kann. Was der richtige Weg ist, ist häufig von der Situation und auch vom Zeitpunkt abhängig. Ausgeschlafen, fit und ausgestattet mit guten Nerven kann es ein guter Zeitpunkt sein, um dem Kind beizubringen, mit Wut umzugehen. „Sind Mama oder Papa hundemüde, ist es auch erlaubt, vom eigentlichen Wut-Thema abzulenken“, erklärt die Sozialpädagogin die Bandbreite möglicher Reaktionen auf einen Wutanfall.

Falsch wäre es, das Kind mit diesem mächtigen Gefühl der Wut alleinzulassen oder aber das Gefühl so lange zu unterdrücken bis es nahezu ungesteuert ausbricht. Das Kind zu begleiten und ihm die nötige Hilfestellung zu geben, um aus der Wut wieder herauszukommen, ist hingegen sinnvoller. Wer lernt, Wut auszuleben, ohne dass dabei etwas kaputtgeht, ist gut gerüstet für das spätere Leben.

Veranstaltung am Mittwoch, 21. November, von 9 bis 10.30 Uhr im Familienzentrum Meitingen, Donauwörtherstraße 9c. Eine telefonische Anmeldung unter 08271/813340 ist nötig.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren