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Neusäß-Westheim

09.01.2020

Kleine Welt der Modelleisenbahn: Infiziert mit Virus Spur 0

In diesem Jahr stehen Dampflokomotiven im Mittelpunkt der Ausstellung des Modelleisenbahnclubs Neusäß im Bahnhof Westheim.
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In diesem Jahr stehen Dampflokomotiven im Mittelpunkt der Ausstellung des Modelleisenbahnclubs Neusäß im Bahnhof Westheim.
Bild: Siegfried P. Rupprecht

Plus Der Modelleisenbahnclub Neusäß gibt im Bahnhof Westheim einen faszinierenden Einblick in die Geschichte der deutschen Dampfloks.

Ist die Modelleisenbahn nur ein Relikt aus der Vergangenheit, eine Sache, die in erster Linie die unmittelbare Nachkriegsgeneration begeistert? Mitnichten. Die Ausstellung des Modelleisenbahnclubs Neusäß (MECN) im Bahnhof Westheim haben nicht nur ältere Semester besucht. Vielmehr sind auffallend viele junge Menschen darunter. Und natürlich erwartungsgemäß eine Reihe von Opas, die Enkelkinder mitbringen.

Modelleisenbahnclub Neusäß: Im Ruhestand ein neues Hobby

So wie Wolfgang Kuhn aus Gablingen. Er nennt gleich zwei Gründe für den Besuch der Ausstellung. Einmal will er seinem Enkel die weit über die Region hinaus bekannte Anlage zeigen. Zum anderen holt er sich Anregungen in eigener Sache. Der aktive Eisenbahner ist im richtigen Leben als Wagenmeister für die Sicherheit der Fahrzeuge zuständig. „Ich gehe bald in Ruhestand und suche mir nun ein Hobby“, erzählt er.

Der Modelleisenbahnbau hat bei ihm Favoritenstatus. „Wenn ich diese Anlage hier sehe, schlägt mein Herz höher“, gesteht er. „Die Vereinsmitglieder haben Faszinierendes geschaffen.“ Allein die versammelten deutschen Dampflokomotiven seien bewundernswert. „Sie geben einen interessanten Einblick in die 1950er- bis 1970er-Jahre der Eisenbahngeschichte.“ Es seien Modelle, um die sich einst die seltsamsten Geschichten gerankt haben. Hinzu kämen die Detailliebe, die vorbildliche Modelltreue, die plastisch gestalteten Dioramen und die ausgeklügelten Fahrreglersysteme, ja überhaupt der optimale Modellbahnbetrieb. Die Anlage sei schon mehr als nur ein optischer Hingucker, meint Kuhn anerkennend. „Sie regt nachhaltig die eigenen Ambitionen an“, lächelt er. Da finde er viel Nachahmenswertes.

Kleine Welt der Modelleisenbahn: Infiziert mit Virus Spur 0

Die Ausstellung als Zeitsprung zurück

Georg Erdle aus Stadtbergen, der mit seinem Nachwuchs gekommen ist, bezeichnet die Ausstellung als einen „Zeitsprung zurück“. Er schwärmt von den naturgetreuen Landschaften und den atmosphärischen Bauten entlang der Gleise. Das alles habe viel Stil und erinnere ihn an das eine und andere Modell aus seiner Kindheit, gesteht er. Darüber hinaus gefällt ihm, dass die Vereinsmitglieder mit Herzblut bei der Sache seien und sie sich gerne mal auf eine Fachsimpelei einlassen.

Die Anlage lebt nicht nur von ihrer Detailtreue, sie punktet auch mit atmosphärischen Bauten, Landschaften und einem ausgeklügelten technischen Betriebssystem.
Bild: Siegfried P. Rupprecht

Auch Frauen bewundern die akribisch gestalteten Modellbauten und die große Anzahl der Dampfrösser. Liselotte Mannhart aus Aichach haben es insbesondere die fantasievollen Schauplätze zwischen den Gleiskörpern angetan. Sie deutet auf einen Schrottplatz, auf dem Altfahrzeuge aufeinandergetürmt liegen. „Das schaut traumhaft aus, voller Leben“, schwärmt sie. Oder die Brückenbauwerke: Hier könne man Assoziationen ausleben. Für sie sei die Anlage eine Zeitreise in die Vergangenheit, bei der die Nostalgie erwache.

Auf 80 Quadratmetern 40 Weichen mit acht Zügen

In der Tat: Die rund 80 Quadratmeter der MECN-Anlage, bestückt mit rund 40 Weichen und bis zu acht Zügen, die gleichzeitig betrieben werden können, macht was her. Sie ist für Spur 0, also im Maßstab 1:45, konzipiert. Heuer lautet die Ausstellungsdevise „König Dampf“. Nicht ohne Grund: Ihre Runden drehen diesmal ausschließlich die imposanten Dampflokomotiven der Deutschen Bundesbahn vor langen Güter-, Personen- und Schnellzügen. So bekommen die Besucher unter anderem den Jumbo, den Bubikopf, das Steppenpferd und die emsige Fuffziger zu sehen. „Insgesamt sind rund 15 Loks und circa 150 Wagen im Einsatz“, informiert der zweite MECN-Vorsitzende Dieter Rothenfußer.

Für das Hobby braucht man Geduld und Motivation

Hexenwerk seien Bausätze, Technik, Fahrzeuge und Präsentation aber keinesfalls, betont er. Alles verlange lediglich Geduld, Motivation, Ideenreichtum und die richtigen Leute am richtigen Platz. So sei beispielsweise er eher der Landschaftsplaner und -bauer. Vorsitzender Siegfried Schuster sei für die Elektronik zuständig, andere wiederum für Malerei, Szenarien und Betriebseinsätze. Die Aufgaben seien auf vielen kompetenten Schultern verteilt. Das sei auch das Erfolgsgeheimnis des Vereins.

Zu tun gebe es immer etwas, so Rothenfußer. Der erste Teil der Anlage sei zwar fertiggestellt, doch Neues sei bereits in konkreter Planung. So schwebt den Vereinsmitgliedern die Errichtung eines kompletten Kopfbahnhofs vor, verbunden mit einer großen Drehscheibe, um die Dampfloks optimal zu präsentieren. „Da ist aber noch viel Fantasie, Technik und vor allem Einsatz notwendig“, berichtet er. Das Engagement ist jedoch schon deutlich zu spüren. Das angepeilte Vereinsziel erzeugt bei ihm bereits ein Leuchten in den Augen.

Die Ausstellung ist nochmals am Sonntag, 12. Januar, von 10 bis 17 Uhr im Clubheim Bahnhof Westheim, Hindenburgstraße 4, zu sehen. Die Eintrittspreise: Erwachsene zahlen drei Euro, Kinder einen Euro. Die Familienkarte kostet sieben Euro.

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