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Klimawandel
20.09.2019

Klimawandel lässt Fische verschwinden und Sojabohnen wachsen

Einige Fischarten werden in schon bald aus den heimischen Gewässern verschwunden sein.
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Einige Fischarten werden in schon bald aus den heimischen Gewässern verschwunden sein.
Foto: Thorsten Jordan

Das Wasser in Flüssen und Seen wird immer wärmer. Einige heimische Fischarten werden daher schon bald verschwunden sein. Ein Überblick zur aktuellen Situation und was jeder einzelne tun kann.

Der Überlebenskampf ist bereits so gut wie verloren. Und es ist ein schleichender Tod, der in aller Stille passiert. Denn: Fische können nicht schreien und sind in der Regel unter der Wasseroberfläche auch nicht zu sehen. Doch der Klimawandel und der damit verbundene Temperaturanstieg betreffen viele heimische Fischarten und auch die Unterwasserflora wird in einigen Jahren nicht mehr dieselbe sein.

Hubert Schuster aus Meitingen ist Vorstandsmitglied im schwäbischen Fischereiverband und als Vertreter für den Gewässerschutz kennt er die aktuelle Situation nur zu gut. „In einigen Jahren wird die Bachforelle weg sein“, sagt er. Auch die Äsche, die Mühlkoppe oder die Quappe, der einzige Vertreter aus der Familie der Dorsche, der im Süßwasser lebt, haben es von Jahr zu Jahr schwerer.

Fische nehmen bei Hitze weniger Nahrung auf

Schuster erklärt, warum diese Tiere schon jetzt nicht mehr munter wie ein Fisch im Wasser sind. „Je wärmer das Wasser ist, desto niedriger wird der Sauerstoffgehalt.“ Fische, vor allem die Salmoniden, geraten dadurch unter Stress, denn viele Fische brauchen kühles und fließendes Wasser. Ist die Temperatur zu hoch, führt dies dazu, dass Forellen & Co. weniger oder überhaupt keine Nahrung mehr aufnehmen. Sie werden immer schwächer. Auswirkungen hat dies letztendlich auch auf das Laichverhalten.

Die vielen Sonnenstunden im Jahr aber erwärmen nicht nur das Wasser, sondern spenden entsprechend mehr Licht. „Die Algenblüten nehmen dadurch zu“, sagt Schuster. Durch die teilweise schon explosionsartige Vermehrung kommt es zu riesigen Algenteppichen. Seen, Weiher und auch Flüsse drohen zu verkrauten. Fische und andere Seebewohner drohen an der kanadischen Wasserpest, so die Bezeichnung der Algen, zu ersticken. Doch auch das andere Extrem erschwert den Überlebenskampf unter Wasser. „Der Lech ist mittlerweile so sauber, dass die Fischbrut kaum noch was zu fressen hat“, erklärt Schuster.

Die Veränderung aufgrund der höheren Wassertemperaturen sind auch bereits in der Nordsee zu spüren. Der Dorsch wandert immer weiter Richtung Island und vor Helgoland gehen Fische ins Netz, die es früher nur im Mittelmeer gab. Verzweifelt kümmern sich die Fischereivereine um regelmäßigen Besatz und kämpfen gegen das Artensterben. Doch es ist ein Kampf, der nicht zu gewinnen ist. „Diesen Veränderungen stehen wir machtlos gegenüber“, bringt es Schuster auf den Punkt. (thia)

  • Sojabohnen kommen jetzt aus Deutschland

Gerhard Ringler aus Langerringen ist Ehrenvorsitzender des Kreisverbandes Augsburg des Bayerischen Bauernverbandes. Seit 240 Jahren betreibt seine Familie eine Landwirtschaft – früher mit Rindern, dann mit Schweinen, aber immer mit Ackerbau. Jahrzehnte hat Ringler den Klimawandel hautnah auf dem Feld miterlebt: „Es gibt längere Trockenperioden, stärkere Hitze und mehr Starkregen als früher. Der Klimawandel ist offensichtlich.“ Die Folgen: Gras und Weizen wachsen bei mehr als 30 Grad nicht, der Weizen bekommt gar Sonnenbrand. Starke Regenfälle verschlämmen die Böden. Viele Landwirte sind auch im Forst tätig. Auch hier macht sich das Klima bemerkbar. Die Bäume sind bei Trockenheit anfälliger für Schädlinge.

Mehr Sonnenstunden und höhere Temperaturen haben aber auch ihre Vorteile in der Landwirtschaft. Ringler baut mittlerweile spätreifen Mais an. Der sei ertragreicher. Zudem bauen Landwirte nun auch Sojabohnen an, so muss weniger importiert werden. „Das wäre früher undenkbar gewesen“, sagt Ringler. Alles in allem habe der Klimawandel aber mehr Nachteile als Vorteile für die Landwirtschaft. (cako)

  • Wetterextreme gibt es schon immer

Klaus Hager leitete lange die Geophysikalische Beratungsstelle beim Jagdbombergeschwader 32 in Lechfeld und ist Mitglied mehrerer meteorologischer Gesellschaften. Nach seinen Recherchen hat sich das Klima im Großraum Augsburg in den vergangenen Jahrzehnten nur wenig verändert. „Es ist ein bisschen wärmer geworden, aber das ist natürlich.“ Im Augenblick gebe es eine Warmphase. Dass sich dieser Klimawandel auf Menschen zurückzuführen ist, sei eine Hypothese, die sich nicht mit Fakten belegen lasse. Der Klimaschutz sei „eine Doktrin bestimmter Kreise“ geworden, die den über Jahrtausende wirkenden natürlichen Klimawandel unter den Tisch fege und mit Computermodellen nur Simulationen fern der Realität erzeuge und damit die Bevölkerung in Angst versetze.

Die historische Klimatologie führe laut Hager den Beweis, dass das Klima schon immer pendelt und es Extremwetter, wie viele Chroniken beweisen, schon immer gegeben hat. Hager merkt kritisch an: „Aber mit Angst an Stelle der Wahrheit zieht man halt das Geld des Bürgers leichter aus dem Beutel.“

Hagers Sichtweise ist allerdings hoch umstritten. Die überwältigende Mehrheit der Wissenschaftler, die sich mit dem Thema befassen, sehen den vom Menschen ausgelösten Klimawandel als erwiesen an. (mcz)

  • Ältere und Pflegefälle haben Probleme

Der Sommer in diesem Jahr war heiß: Die Folge war, dass vor allem ältere und pflegebedürftige Menschen in die Notaufnahme der Uniklinik kamen, die Austrocknungserscheinungen hatten. Der grund: Sie hatten zu wenig getrunken. Deshalb empfiehlt Pressesprecherin Ines Lehmann, in heißen Zeiten die direkte Sonne zu meiden und ausreichend zu trinken.

Beim Universitätsklinikum Augsburg macht sich der Klimawandel so bemerkbar: „Grundsätzlich merken wir Hitzephasen an der Anzahl der in die Zentrale Notaufnahme kommenden oder eingewiesenen Menschen – durchschnittlich 200 Patienten pro Tag – nicht“, sagt Lehmann. Dazu seien die Hitzephasen in der Region noch nicht lang genug, beziehungsweise immer mal wieder durch einige kältere oder Regentage unterbrochen. Fazit: Wer den Tag am Badesee verbringen kann, den freut es. Für andere wird‘s zur Qual: Die heißen Temperaturen, die der Klimawandel mit sich bringt. (nos)

  • Gut geplant und weniger oft zum Einkaufen

Um das Auto möglichst oft stehen zu lassen, stellt die Familie von Hannes Hagner aus Horgauergreut einen Plan auf, was während der Woche auf den Tisch kommt. So verringern sich die Fahrten zum Laden. Hagner, der ausgebildeter Landwirt ist und als Erzeugerberater arbeitet, plädiert für kurze Wege. Und: „Es sollte saisonal eingekauft werden.“ Erdbeeren im Winter? Ein Unding. „Erdbeeren aus de Region schmecken doch am besten“, sagt er.

Den Sonntagsbraten kocht der 43-Jährige selbst. Und gerne mit Biofleisch – das sei leistbar, wenn es unter der Woche mehr Gemüse gibt. Auch Wild könnte häufiger auf den Teller kommen. „Das ist eine vernachlässigte Quelle.“ Hagner findet, dass sich wieder mehr Menschen mit Lebensmitteln und Kochen befassen sollten. „Wir müssen wieder mehr spüren und schmecken.“ Das fängt schon bei den Kleinsten an: Mit den Kindern könne zum Beispiel selbst eine Limo hergestellt werden. „Die haben die größte Freude daran.“ (mcz)

  • Bald soll ein E-Auto vor der Tür stehen

Er hat nicht nur ein Passivhaus, das ohne fossile Brennstoffe bei jährlichen Energiekosten von rund 150 Euro auskommt. Um das Klima zu schonen, fährt Förster Thomas Miehler aus Stadtbergen-Deuringen das gesamte Jahr über mit dem Rad. „Nur im Dienst geht es ohne Diesel nicht“, erklärt der Grünen-Stadtrat. Auch der Benziner zu Hause könnte bald Vergangenheit sein: Miehler will den Produktionsstart eines elektrisch betriebenen Kleinwagens abwarten, der demnächst in Schweden gefertigt werden soll. Das Besondere an dem Fahrzeug: Durch in der Karosserie eingearbeitete Solarzellen soll es sich laut Herstellerbeschreibung selbst aufladen können. Und: Das Auto soll ein mobiler Stromspeicher werden – ob im Haus, auf einer Baustelle oder beim Camping. Miehler: „Die meiste Zeit stehen Autos ja zuhause und könnten dann als Hausspeicher genutzt werden. Vielleicht ließe sich so eine Brücke schlagen.“ (mcz)

  • Kautabletten statt Zahnpasta aus der Tube

Statt Zahnpasta aus der Tube benutzt er Kautabletten: Auch der Stadtberger Bürgermeister Paul Metz hat reagiert und versucht Plastik zu vermeiden. Denn: Auch Kunststoffe tragen zum Anstieg gefährlicher Treibhausgase bei. Um sie zu produzieren, müssen Öl, Gas und Kohle gefördert, transportiert und raffiniert werden. Und: Mikroplastikteilchen sind schädlich. Um Kunststoffe zu vermeiden, kauft Metz zum Beispiel Ohrenwattestäbchen mit Papier- statt mit Kunststoffstab.

Statt flüssiger Seife im Plastikgefäß liegt bei ihm feste Seife am Waschbecken. Für die Zahnseide benutzt Metz ein kleines Glasröhrchen, das mit echter Seide und mit Bienenwachs gefüllt ist. Für den Gemüse-, Obst- und Salateinkauf verwendet er zwei Säckchen, beim Metzger lässt er sich Fleisch und Wurst in eine Box legen, die er mitbringt. Metz: „Diese Behältnis darf aus Hygienegründen nicht über den Tresen, aber es klappt.“ (mcz)










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