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Landkreis Augsburg

20.10.2018

Kluge Köpfe rechnen mit Kastanien

Basteln mit Kastanien fördert die Kreativität, und hilft sogar beim rechnen.
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Basteln mit Kastanien fördert die Kreativität, und hilft sogar beim rechnen.
Bild: Fotolia (Symbolfoto)

Plus Stures Pauken bringt nichts, sagt Birgit Sölch. Sie erklärt, in unserer Kolumne „Kind & Kegel“welche Faktoren wichtig sind für den Lernerfolg des Kindes.

Noah ist einer der vielen Erstklässler, die nun seit wenigen Wochen die Schulbank drücken. Nach der Schule kommt er nach Hause und möchte erst einmal spielen. Doch dann findet er nicht mehr in den Arbeitsmodus zurück. Einfachste Lese- oder Rechenübungen werden zur Herausforderung für den Sechsjährigen und seine Eltern.

Dass das so nicht sein muss, verrät Birgit Sölch, Diplom-Sozialpädagogin der St. Gregor Kinder-, Jugend- und Familienhilfe. Sie weiß: Beim erfolgreichen Lernen kommt es sowohl auf das rechte Timing an als auch auf ein Grundverständnis für die Funktionsweise des Gehirns, ein Set an Lernmöglichkeiten mit den verschiedensten Sinnen und das Kind selbst.

Gefahrensituationen hemmen den Lernerfolg

Als wichtigste Grundlage für den Lernerfolg formuliert die Sozialpädagogin die Lernatmosphäre. Ein Kind darf spüren, dass Schule wichtig ist, allerdings darf kein Druck herrschen, der Angst macht. „Fühlt sich ein Kind sicher und angenommen, ist im Gehirn genug Platz, um Neues lernen“, erklärt Birgit Sölch. Weiß ein Kind hingegen um das Donnerwetter, das wegen schlechter Leistungen drohen kann, nimmt diese Gefahrensituation weite Teile des Gehirns ein. Das hemmt den Lernerfolg.

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Zudem müssen Eltern lernen, die Stärken und Grenzen des Kindes zu begreifen. Wird zuhause klar, dass ein Kind sich schwer tut, den Lernstoff in den Kopf zu bekommen, zu verstehen, zu abstrahieren und langfristig verfügbar zu machen, kann es hilfreich sein, mehrere Sinne anzusprechen. Birgit Sölch hat hierzu einige Beispiele parat: Buchstaben lassen sich zum Beispiel nicht nur schreiben, sondern auch kneten und in die Luft malen. Mit Kastanien lässt es sich gut rechnen und zählen. Auch kann es hilfreich sein, die in der Schule gelernten Themen noch einmal neu aufzubereiten - mit kleinen Zusammenfassungen, Bildern oder Zeichnungen.

Kleine Rituale lassen sich gut in den Familienalltag integrieren

Wie viel Engagement der Eltern an dieser Stelle gefragt ist, ist von Kind zu Kind verschieden. Wie so oft gilt auch hier der Grundsatz „so viel wie nötig und so wenig wie möglich“, erklärt die Sozialpädagogin. Wer sich als Elternteil zu viel einbringt, beraubt das Kind eines Erfolgserlebnisses. Im Fachjargon ist dabei von einer „Selbstwirksamkeitserfahrung“ die Rede, die das Gefühl beschreibt, das ein Kind hat, wenn es eine Sache selbstständig erfolgreich erledigt hat. Ein grundsätzliches Interesse an Schulthemen zu zeigen, ist der Ratschlag der Sozialpädagogin. Auch kleine Rituale wie gemeinsame Leseübungen lassen sich gut in den Familienalltag integrieren, ohne dass Eltern ihren Kindern dabei zu viel „abnehmen“ sollten.

Ebenso individuell sollte der Zeitpunkt für Hausaufgaben und Lerneinheiten gewählt werden. Braucht ein Kind nach der Schule eine kurze Auszeit, ist das verständlich. Allerdings darf der Zeitraum bis zum Beginn der Hausaufgaben oder der Übungseinheiten nicht zu weit in die Abendstunden rücken.

Erst die Pflicht, dann die Freizeit

Bei der Wahl des besten Lernzeitpunkts dürfen sich Eltern gerne an sich selbst orientieren, verrät Birgit Sölch einen ganz praktischen Tipp: „Wir stehen auch nicht während dem Spielfilm auf und schalten den Fernseher ab, um die Küche aufzuräumen.“ So ist es auch in der Welt der Kinder günstig, zunächst die Pflicht in Form von Hausaufgaben und Übungen zu absolvieren, um anschließend die Freizeit genießen zu können.

Sind Hausaufgaben überhaupt noch sinnvoll? Prof. Harald Lesch beantwortet in einem Kurzfilm diese Frage aus seine ganze eigene Art. Zum Film

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