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Landkreis Augsburg

23.05.2019

Knapp 1000 Kinderpornos auf PC: 69-Jähriger verurteilt

Ein 69-Jähriger ist verurteilt worden, weil er knapp 1000 Kinderpornos auf seinem Computer hatte. 
Bild: Alexander Kaya (Symbol)

Ein 69-Jähriger hatte Bilder und Videos im Internet heruntergeladen und verbreitet. Jetzt ist er deshalb verurteilt worden. 

Die erschreckenden Details wollten nicht enden, als Staatsanwalt Lukas Peltsarszky auflistete, was die Ermittler auf dem Computer eines 69-Jährigen entdeckten: Fast tausend kinderpornografische Bilder und drei Videos hatte der Mann aus dem westlichen Landkreis heruntergeladen, auf seinem Computer gespeichert und in Chatrooms mit anderen Nutzern geteilt. Dazu kamen 74 jugendpornografische Dateien, die die Ermittler sicherstellten. Dafür musste sich der Mann nun am Augsburger Amtsgericht verantworten.

Leicht gebückt saß der 69-Jährige mit grauem Haar und Schnauzer auf der Anklagebank. Er sei da so reingerutscht, erklärte er. Die ganze Sache habe ihn mitgenommen. Er wolle die Zeit seit der Durchsuchung kein zweites Mal durchmachen.

Ermittler beschlagnahmen Handy und Computer

2017 wurden Ermittler auf den 69-Jährigen aufmerksam und beschlagnahmten bei einer Hausdurchsuchung sämtliche Geräte wie Computer, Festplatten und Handy. „Er war von Anfang an kooperativ und hat uns alle Passwörter gegeben“, erklärte die Kriminalbeamtin, die die Ermittlungen damals leitete. Bei der späteren Vernehmung habe der Angeklagte gesagt, er hätte gewusst, dass es falsch war, aber eine Art Sammelleidenschaft entwickelt.

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Innerhalb von acht Monaten hatte der Mann fast tausend kinderpornografische Bilder von verschiedenen Internetseiten heruntergeladen. Einige davon ließen sich nach Angaben von Gutachter Werner Poppitz bereits auf das Jahr 2013 zurückdatieren. Woher die Bilder genau stammen, ließe sich nicht mehr nachvollziehen. Doch eines konnte der Computerexperte feststellen: Über den Nachrichtendienst Skype und die Internetplattform chatstep, die amerikanische Ermittlungsbehörden inzwischen gesperrt haben, hatte der Mann ebenfalls kinderpornografische Dateien ausgetauscht und verbreitet. Wie Gutachter Poppitz erklärte, hatte der 69-Jährige keine Verschlüsselungen oder speziellen Löschprogramme verwendet, um die Dateien zu verbergen.

69-Jähriger gesteht die Tat

Verteidiger Moritz Bode verwies darauf, dass der 69-Jährige von Anfang an geständig war und sich nie etwas zu Schulden kommen hat lassen. Er führe eine glückliche Ehe und habe das Ganze mit seiner Frau aufgearbeitet. Bode attestierte dem Mann keinerlei pädophile Neigung, sondern erklärte die kinderpornografischen Dateien vielmehr mit einer „Phase der Langeweile“. Der 69-Jährige sei aus der Arbeitswelt ausgeschieden und habe möglicherweise nach neuen Anreizen gesucht. Dem setzte Staatsanwalt Peltsarszky im Plädoyer entgegen: „Ich finde es erschreckend, dass hier mit Langeweile argumentiert wird.“ In Anbetracht der Menge und des langen Zeitraums, in der der 69-Jährige kinderpornografisches Material besaß und verbreitete, forderte der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten ohne Bewährung. Verteidiger Bode bezeichnete das Strafmaß als viel zu hoch. Sein Mandant habe nicht mehr tun können, als kooperativ und geständig zu sein.

Richter Thomas Müller-Froelich verurteilte den 69-Jährigen zu einem Jahr und zehn Monaten Gefängnis mit einer Bewährungsstrafe von drei Jahren. Zudem muss der Mann 4000 Euro an das Haus für Kinder in Augsburg zahlen. Unter Tränen entschuldigte sich der 69-Jährige bei seiner Frau, die mit im Gerichtssaal saß – das Gesicht hinter einer großen Sonnenbrille versteckt.

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