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Landkreis Augsburg

23.02.2021

Korruptionsprozess: Der tiefe Fall eines Ex-Lechstahl-Managers

Ein ehemaliger Manager der Lech-Stahlwerke in Meitingen steht wegen Korruptionsverdacht vor Gericht. Mit ihm sind zwei weitere Männer angeklagt.
Bild: Marcus Merk

Plus Jahrelang soll ein ehemaliger Chef der Lech-Stahlwerke Hundertausende Euro an Schmiergeld eingesteckt haben. Er und zwei weitere Geschäftsmänner stehen nun vor Gericht.

Seit mehr als einem Jahr sitzt ein ehemaliger Chef der Lech-Stahlwerke in Untersuchungshaft. Er muss sich nun vor der 15. Kammer des Augsburger Landgerichts verantworten. Dem 55-Jährigen wird vorgeworfen, eine Menge Geld in die eigene Tasche gesteckt zu haben - insgesamt über 800.000 Euro. Dafür soll er bei der Vergabe von Aufträgen einen anderen Geschäftsmann bevorzugt haben. Die Bestechungsgelder sollen zum Teil über das Konto eines Steuerberaters geflossen sein. Alle drei sitzen nun auf der Anklagebank. Ein tiefer Fall für die Spitzenverdiener.

Erst 2014 wechselte der heute 55-jährige Angeklagte in die Führungsmannschaft der Lech-Stahlwerke in Meitingen (Landkreis Augsburg). Als vertrauensvoller Partner wurde er damals von der Max-Aicher-Gruppe, der das Stahlwerk gehört, vorgestellt. Nach eigenen Angaben arbeitete er mehr als 25 Jahre lang in der Industrie, war vor allem beratend tätig. Zuletzt gemeldet war der Geschäftsmann in einem Apartment in Berlin-Mitte. Seit März 2019 sitzt er in der JVA Augsburg in Gablingen (Kreis Augsburg)

Staatsanwaltschaft wirft Steuerhinterziehung in Millionenhöhe vor

Im Kern geht es in dem komplexen Verfahren um Bestechung und Untreue. Zwei Angeklagten wird außerdem Steuerhinterziehung in Millionenhöhe vorgeworfen. Seit 2017 soll der ehemalige Lechstahl-Chef regelmäßig Bestechungsgelder eingesteckt haben. Monatlich zwischen 7500 und 86.000 Euro. Ein weiterer Geschäftsführer einer Tochterfirma von Lech-Stahl soll ebenfalls in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Belangt werden kann der Mann dafür allerdings nicht mehr. Er ist zwischenzeitlich gestorben.

Bezahlt wurde das Schmiergeld laut Staatsanwaltschaft von dem mitangeklagten 45-jährigen Geschäftsmann. Er leitete eine Unternehmergruppe, die immer wieder Aufträge von den Lechstahlwerken bekam. Dafür sollen der ehemalige Lechstahl-Chef und sein inzwischen verstorbener Kollege kassiert haben. Neben der beträchtlichen Summe an Geld, die teils bar ausgezahlt worden sein soll, geht es auch um eine Luxusküche für knapp 60.000 Euro. Dieses Geld wurde offenbar offiziell für eine Betriebskantine des Stahlwerks verbucht. Um nicht aufzufliegen, liefen die Geschäfte laut Anklage zum Teil über einen Steuerberater - der dritte Angeklagte in dem Mammutprozess.

Steuerberater bricht vor Gericht mehrfach in Tränen aus

Vor Gericht brach der Steuerbrater immer wieder in Tränen aus. Er habe nicht gewusst, dass er sich strafbar mache, sondern auf seinen langjährigen Geschäftspartner, den 45-jährigen Angeklagten, vertraut. Dieses Vertrauen sei erschüttert worden, als im März vergangenen Jahres plötzlich die Polizei vor seiner Haustür stand. Durchsucht wurden bei einer großangelegten Razzia rund 30 Objekte in Bayern, Baden-Württemberg und Berlin. Bei den Angeklagten wurden damals unter anderem Luxusuhren und teure Autos sichergestellt.

Der 45-Jährige Geschäftsmann ließ über seinen Verteidiger ausrichten, er selbst sei Opfer der Bestechungsaffäre.
Bild: Marcus Merk (Symbolfoto)

Doch der 45-Jährige Geschäftsmann ließ über seinen Verteidiger Jan Bockemühl ausrichten, dass er selbst Opfer der Bestechungsaffäre sei. Der inzwischen verstorbene Geschäftsführer einer Lech-Stahl-Tochter habe "unverhohlene Forderungen" gestellt. Weil er bereits viel Geld für Maschinen und Personal ausgegeben habe, sei er von Lech-Stahl abhängig gewesen, beteuerte der Angeklagte. Er habe den Druck nicht mehr ertragen und wie gewünscht bezahlt. Andernfalls hätte er nach eigenen Angaben Konkurs anmelden müssen.

Ex-Manager von Lechstahl geht nicht auf die einzelnen Vorwürfe ein

Persönlich äußern wollte sich auch der 55-jährige Ex-Chef von Lech-Stahl nicht. Sein Anwalt Klaus Rödl erklärte allerdings in seinem Namen, dass er bei der Vergabe von Aufträgen stets den günstigsten Anbieter ausgewählt habe. Und das sei oft die Firma des 45-Jährigen gewesen. Dabei geht es laut Anklage um Aufträge von bis zu 15 Millionen Euro jährlich. Zu den einzelnen Vorwürfen möchte sich der Angeklagte im Laufe des Verfahrens äußern.

Neben den Schmiergeldern wird es dabei auch um Steuerhinterziehung im Umfang von 1,1 Millionen Euro gehen. Dieses Geld soll der 45-jährige Geschäftsmann zusammen mit seinem Steuerberater laut Anklage als private Darlehen betrieblich verbucht und den Fiskus damit um Steuergelder geprellt haben. Das Verfahren wird am Mittwoch fortgesetzt. Ein Urteil wird erst im Mai erwartet.

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