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Meitingen

07.01.2018

Kostproben von einer anderen Sportart

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Geschlossenheit demonstrierte der TSV Gersthofen nicht nur auf dem Spielfeld. Gemeinsam verfolgte das Team um Trainer Roman Artes (vorne links) auch das Halbfinale zwischen dem TSV Meitingen und dem TSV Aindling auf der Tribüne. Im Finale setzte sich der Bezirksligist dann gegen den Landesligisten durch.
Bild: Foto: Oliver Reiser

Der TSV Gersthofen deutet an, wie Hallenfußball heutzutage sein soll und fährt zur Endrunde

Als letzter Verein sicherte sich gestern Abend der TSV Gersthofen die Fahrkarte zur Endrunde um die Schwäbische Meisterschaft im Hallenfußball, die am kommenden Samstag in Günzburg ausgetragen wird. Im Sechsmeterschießen setzte sich der Spitzenreiter der Bezirksliga Nord vor 370 Zuschauern in der Meitinger Ballspielhalle mit 6:5 gegen den Landesligisten TSV Aindling durch. Die Schwarz-Gelben demonstrierten dabei phasenweise, wie man heutzutage in der Halle nach FIFA-Regeln Fußball spielt.

Zunächst erlebten die Zuschauer in der ordentlich gefüllten Halle einen Favoriten nach dem anderen: Nach dem 4:1-Sieg im Auftaktspiel gegen den TSV Neusäß war es zunächst der TSV Meitingen, nach dem 4:2 gegen den TSV Aindling dann der VfR Neuburg. Der erste Auftritt des TSV Gersthofen indes stellte alles in den Schatten. Angeführt von den Routiniers Rudi Kine und Ferkan Secgin brachten die von Roman Artes gecoachten Lechstädter eine ganz neue Qualität aufs Parkett. „So sieht also diese Sportart Futsal aus“, dachten sich die begeisterten Zuschauer, als sich der TSV beim 6:0 gegen den VfR Neuburg in einen Rausch spielte und ein wahres Feuerwerk abbrannte. In der Tat könnte man sich für diese Art von Hallenfußball begeistern. Die Treffer von Niklas Kratzer, der mit einem raffinierten Schnibbler über den Torwart und nach einem Abwurf seines eigenen Keepers erfolgreich war, oder das von Stefan Schnurrer per Hackentrick vorbereitete 5:0 von Matthias Buckow, liefen unter der Rubrik technische Kabinettstückchen vom Feinsten. Die Schlusssirene verhinderte das 7:0, als sich die Gersthofer Angreifer im Tiki-Taka-Stil schon wieder wie das Messer durch die Butter vors leere Tor durchgeschnitten hatten.

Doch schon im nächsten Gruppenspiel wurden die Zauberer des TSV Gersthofen vom TSV Aindling brutal entzaubert. Dabei schob der Landesligist mit einem 3:0-Vorsprung im Rücken teilweise minutenlang den Ball nur hin und her. Dieser „Futsal zum Abgewöhnen“, wie es BFV-Geschäftsstellenleiter Manfred Ringer bezeichnete, sollte sich rächen. 14 Sekunden vor Schluss verwandelte Stefan Schnurrer einen Zehnmeter zum 1:4. Dadurch war Gersthofen Gruppensieger. Spielleiter Reinhold Mießl brauchte die Hallenregeln nicht zu studieren. Bei Punktgleichheit aller drei Mannschaften und der exakt gleichen Tordifferenz von Aindling und Gersthofen wäre nämlich nicht der direkte Vergleich entscheidend gewesen. Ein Sechsmeterschießen hätte die Entscheidung herbeiführen müssen.

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So hatte der TSV Gersthofen im Halbfinale mit dem TSV Neusäß den vermeintlichen leichteren Gegner. Das Schlusslicht der Bezirksliga Süd hatte gegen den TSV Meitingen überhaupt kein Bein auf den Boden bekommen, den Gastgeber mit haarsträubenden Abwehrfehlern förmlich zum Toreschießen eingeladen. Gegen den SV Wörnitzstein-Berg feierten die Schützlinge von Erwin Er dann einen souveränen 3:0-Erfolg und zogen ins Halbfinale ein. Dort leistete man den Gersthofer Filigrantechnikern mit robuster Abwehrarbeit erbitterten Widerstand. Vor dem Anschlusstreffer zum 4:3, als zwei Schwarz-Gelbe verletzt am Boden lagen, bekleckerten sich allerdings weder die Schiedsrichter, die weiterspielen ließen, noch die Neusässer, die weiterspielten, mit Ruhm.

Der TSV Meitingen fand nach dem imponierenden Auftakterfolg nicht mehr so richtig in die Spur. Beim 1:1 gegen den SV Wörnitzstein-Berg hatte man sogar Glück, dass der Schuss von Daniel Habersatter in der allerletzten Sekunde nur am Pfosten landete. Selbigen hatte auch Nicolai Geiß im Verlauf des Turniers dreimal anvisiert. Der Meitinger war damit der Pechvogel des Tages. „Aindling ist zu ausgebufft für uns“, hatte Achim Zwick, Mitglied der Abteilungsleitung, ein schlechtes Gefühl vor dem Halbfinale. Und es sollte ihn nicht trügen. Die Gastgeber hatten zwar die besseren Chancen, doch am Ende musste die von Benni Hoff betreute Truppe mit 1:2 die Segel streichen. Auch Tobias Hellmann, der zum besten Torhüter gewählt wurde, konnte das nicht verhindern.

Das Finale war eine ausgeglichene und offene Angelegenheit. Aindling ging zweimal in Führung, dann drehten Niklas Kratzer und Christoph Wagemann den Spieß noch in der ersten Hälfte um. „Was wir für Chancen liegen gelassen haben“, raufte sich Abteilungsleiter Klaus Assum die Haare. Stefan Schnurrer, der zum besten Spieler des Turniers gewählt wurde, verhinderte sogar auf der Aindlinger Torlinie einen Gersthofer Treffer. „Das darf nie so knapp werden“, stöhnte Assum. Wurde es aber: Anton Schöttl sorgte zwei Minuten vor Schluss dafür, dass es zum Duell vom Sechsmeterpunkt kam. Hier scheiterte Aindlings Simon Knauer, mit sechs Treffern erfolgreichster Torschütze des Turniers, bereits mit dem ersten Schuss an Schlussmann Robert Senft. Für Gersthofen verwandelten Christoph Wagemann, Stefan Schnurrer und Rudi Kine.

Aindlings Trainer Thomas Wiesmüller war trotz des knappen Scheiterns sehr zufrieden: „Wenn man das Endspiel erreicht, dann will man es natürlich auch gewinnen. Das 3:3 kurz vor dem Schluss war Glück, das Sechsmeterschießen danach, das war natürlich auch Glückssache.“

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