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Dinkelscherben

12.07.2018

Kritische Fragen an Bürgermeister Kalb

Das Abkochgebot in Dinkelscherben wurde teilweise aufgehoben, die Chlorung wird aber fortgesetzt.

Gemeinderäte hinterfragen das Verhalten des Dinkelscherber Bürgermeisters. Hinter den Kulissen geht der Streit zwischen Verwaltung und Gesundheitsamt weiter.

Warum hat die Marktgemeinde nicht am vergangenen Freitag schon reagiert und den Trinkwasser-Beziehern der Oberschöneberger Gruppe mitgeteilt, dass die Abkochanordnung voraussichtlich nach dem Wochenende aufgehoben wird? Das war eine Frage, der sich Bürgermeister Edgar Kalb in der jüngsten Gemeinderatssitzung stellen musste. CSU-Fraktionssprecher Tobias Mayr brachte zur Sprache, was seiner Meinung nach für Unverständnis bei vielen Bürgern sorgt. Kalb erklärte, dass er persönlich am vergangenen Freitag keine E-Mail des Gesundheitsamts zur Aufhebung der Abkochanordnung erhalten habe. Das sei eine falsche Behauptung der Behörde. Er habe sein Postfach mehrfach kontrolliert und keine Mail des Gesundheitsamts gefunden.

Es gibt sie aber, diese E-Mail: Sie wurde am Freitag um 11.53 Uhr verschickt, allerdings nicht von der Behörde. Sie wurde vom Dinkelscherber Bauamt ans Gesundheitsamt gesendet. Kalb erhielt eine Kopie. In der Betreffzeile heißt es „Nachfrage zur eventuellen Aufhebung der Abkochanordnung für den Versorgungsbereich Oberschöneberger Gruppe“. Die Mail bezieht sich auf ein vorher geführtes Telefonat. Die Gemeinde bittet um eine schriftliche Mitteilung, wenn die Voraussetzungen zur Aufhebung vorliegen. Im Klartext: Die Behörde soll die Aufhebung bestätigen.

Bürgermeister will nur noch auf Schriftliches reagieren

In der Mail ist auch der vorherige Schriftwechsel enthalten – darin heißt es ausdrücklich, dass es aus Sicht der Behörde sinnvoll wäre, die Chlorung während des Wochenendes weiter zu beobachten und die Abkochanordnung dann am Montag aufzuheben. Die wurde dann tatsächlich für die Oberschöneberger Gruppe (wir berichteten) aufgehoben. Eine explizite Mitteilung der Behörde gab es am Montag nicht. Auf der Homepage der Marktgemeinde hieß es gestern Nachmittag allerdings immer noch, dass das Trinkwasser im Gemeindegebiet auf Anordnung des Gesundheitsamts abgekocht und gechlort werden muss. Kalb erklärte am Dienstagabend im Gemeinderat, dass er nur noch auf Schriftliches reagiere – die schlechten Erfahrungen der Vergangenheit hätten ihn dazu veranlasst. Schriftverkehr sei rechtlich belastbar und die einzige Form, die für Qualität sorge. „Ich will eine klare Aktenlage haben. Das ist dem Thema angemessen. Dann muss auch niemand mehr danach diskutieren.“ Und: „Wo ist denn das Problem, dass jemand zwei Zeilen mit dem Computer schreibt?“ Die Zeilen erhielt Kalb dann am Dienstag von der neuen Gesundheitsamtsleiterin Monika Kolbe. Marktgemeinderat Tobias Mayr hakte nach: „Aber in dem Fall trifft es doch auch die Bürger.“ Kalb entgegnete: „Das ist eine pure Absicherung. Dass die Menschen ein bis zwei Tage mehr abkochen, macht das Kraut nicht fett.“ Er fragte sich außerdem, was passiert, wenn eine neue mikrobiologische Untersuchung ein positives Ergebnis bringt, die Abkochanordnung aber bereits aufgehoben ist? „Müssen wir dann wieder mit der Feuerwehr rausfahren?“

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Davon unabhängig läuft Tag und Nacht das Wasser. An diesem Zustand werde sich auch nichts ändern, solange gechlort wird, erklärte Kalb. Gemeinderat Gernot Ritter (FW) bezeichnete das als „Umweltfrevel“. Auch andere Kollegen schüttelten den Kopf. Kalb wunderte sich, warum nicht Naturschützer protestieren.

Ritter wollte wissen, ob nicht einfach die Konzentration erhöht werden könne, um das Verfahren zu beschleunigen. Das sei nicht möglich, sonst bekämen diejenigen Haushalte, die direkt an der Injektionsstelle liegen, die erhöhte Menge ab, erklärte Kalb. Auch mehr Injektionsstellen einzurichten sei technisch nicht möglich.

Untersuchungen kosten laut Gemeinde rund 10000 Euro in der Woche

Um Geld zu sparen, hatte Kalb jüngst beantragt, die Messstellen zu reduzieren und den Messplan abzuspecken. Derzeit kosten die Untersuchungen laut Gemeinde rund 10000 Euro in der Woche – Geld, das am Ende auf den Wasserkunden umgeschlagen wird. Das Gesundheitsamt bittet nun darum, einen neuen Messplan unter Mitwirkung der Stadtwerke Augsburg vorzulegen und ihn fachlich zu begründen. Dann könne darüber entschieden werden. In einer Mail, die auch an die Marktgemeinderäte ging, hieß es: Der aktuell gültige Messplan samt den Messstellen sei von der Gemeinde ausgearbeitet worden. Annette Luckner (SPD) wollte wissen, ob das stimmt. Kalb: „So ist es nicht richtig, wie es das Gesundheitsamt formuliert wird. Verantwortlich sei ein Triumvirat aus Wasserwart, den Stadtwerken und dem Gesundheitsamt.“ Kommentar

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