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Baar

16.01.2019

Künstler-Porträt: Der Herr über Eis und Feuer

Vor knapp 15 Jahren entdeckte Klaus Grunenberg seine Leidenschaft für das Eisschnitzen.
Bild: Marcus Merk (Archivfoto)

Klaus Grunenberg schneidet Skulpturen aus blankem Eis. Eine davon soll jetzt sogar brennen.

Das Blatt der rotorangen Holzkettensäge kreischt, als Klaus Grunenberg den ersten Kanten aus dem 80-Kilo-Eisblock fräst. Weiße Späne haften an seinem schwarzen Fleece. Bruchstücke bedecken den Gitterboden. Egal. Der Handwerker ist in seinem Element. Wie mit einen feinen Pinsel streicht er mit dem Sägblatt in das transparente Material, trennt Ecken heraus, tranchiert hauchdünne Scheiben. In weniger als 20 Minuten soll ein Fisch aus seiner Fantasie entstehen. Das ist alles, was zählt.

Als Atelier dient dem umtriebigen Baarer bis heute ein alter Kuhstall

Seine Leidenschaft für gefrorene Kunst entdeckte Klaus Grunenberg vor knapp 15 Jahren. Und davor? Sein Großvater war Steinmetz. Sein Vater war Steinmetz. Er war Steinmetz – war. Bis er 2003 eine Dokumentation über Eisschnitzer sah. „Im Winter hat man als Steinmetz oft wenig zu tun, ich war auf der Suche nach einem Hobby, und beim viertägigen Eisschnitzer-Kurs in Luzern war noch ein Platz frei“, erinnert sich Grunenberg. Kurzerhand meldete er sich an: „Das Bildhauen konnte ich von meinem Beruf, die Werkzeuge lagen mir, und die Arbeit mit dem porösen Material ging mir gut von der Hand.“

Anschließend entwickelte der Tüftler mit einem Kältetechniker eine Eismaschine, die hüfthohe Quader entstehen ließ. Als „Atelier“ dient dem umtriebigen Baarer bis heute ein alter Kuhstall. Dort lässt Grunenberg gerade die Kettensäge verstummen. Der Eisfisch ist in seiner Rohform bereits erkennbar. Dann greift der Maître zum messerscharfen Schreiner-Stechbeitel – Flossen, Augen und Schuppen wollen herausgeschnitzt werden. Grunenberg ist in seiner Welt, seiner Werkstatt.

Die erste Eisskulptur war ein Schwan

Um ihn herum allerhand skurrile Gerätschaften – viele davon hat er selbst umgebaut: eine Bausäge mit eingebautem Druckluftgebläse, einen Vakuum-Eisheber oder einen Maurerhobel mit mehreren Dutzend Spax. Auf den ist der Hobbyerfinder besonders stolz, weil ihn schon einige Kollegen nachgeahmt hätten. „Mein Modell schleift die Oberfläche glatt. Da schmiert nichts“, Grunenberg weiß, was er kann. Trotzdem prahlt er nicht gerne: „Ein Patent anzumelden käme mir nicht in den Sinn“, sagt er.

„Meine erste Eisskulptur war ein Schwan“, erinnert er sich. „Anfangs habe ich meine Objekte Freunden geschenkt oder einfach im eigenen Garten aufgestellt“, sagt er. Das änderte sich bald. Für die Ski-WM in Garmisch schnitzte er eine Blumensäule, für eine TV-Show einen Drachen und einen Eisberg für die Internationale Raumfahrtausstellung.

Ein Projekt, das herausstach, war der Berliner Reichstag aus Eis. Im November 2016 brachen Grunenberg und vier Mitarbeiter eine sechs Meter lange und ein Meter breite „Miniatur“ des deutschen Parlamentes aus elf Tonnen Eis. Anschließend wurde der Koloss auf einen offenen Lkw-Anhänger verladen und durch Berlin gefahren. „Mit dem schmelzenden Reichstag wollte unser Auftraggeber auf die Verfehlung der selbst gesetzten Klimaziele von Deutschland aufmerksam machen“, sagt Grunenberg.

Dann beginnt er die Schuppen des Eisfisches mit einem Stecheisen mit V-förmiger Klinge herauszukratzen. Vor Kurzem sorgte er beim Thierhauptener Engerlmarkt für Aufsehen, als er aus einem Eisblock mit Motorsäge und Stemmeisen passend zum Markt einen Engel schuf.

Der letzte Traum: eine Eisfackel

Gerne erinnert sich der Eiskünstler auch an die Hochzeit mit seiner jetzigen Frau zurück: „Ich hatte mich für die Gestaltung der Iglu-Kirche im Schneehausdorf in der Nähe der Fleckalmbahn in Tirol beworben“, erzählt er. „Ich sagte meiner Partnerin: Wenn ich den Zuschlag bekomme, heiraten wir dort.“ So kam es. Mit einem Rentierschlitten ging es am 4. Januar 2009 zur Iglukirche auf 1800 Metern. „Die freie Trauung war herzzerreißend, das Jawort emotional“, erinnert sich Tochter Jeanette Grunenberg. Das Brautpaar nahm auf Eisstühlen mit Lehnen in Herzform Platz. In die Lehnen hatte der Eisschnitzer aus Baar rote Rosen eingefroren. Als Klaus Grunenberg davon berichtet, werden seine Augen für einen Moment glasig. „Das war nicht alltäglich“, sagt er.

Sein Fantasiefisch ist fertig. Er greift zur Gasbrennerdose, fackelt die Eisspäne ab, die beim Schnitzen des Fisches entstanden. „Fertig. Das ist die Schnellvariante“, sagt er.

In seinem neuen Beruf hat Grunenberg bereits einige Höhepunkte erlebt. Trotzdem ist er nicht zufrieden: „Ein Traum wäre noch, die größte Eisfackel der Welt zu schnitzen“, sagt er. Für die sieben Meter hohe Fackel, in der das Feuer aus einem Heißluftballonbrenner lodern soll, sucht er Sponsoren. „Am liebsten würde ich das Teil bei einer Großveranstaltung wie der Vier-Schanzen-Tournee in Garmisch aufstellen“, sagt Grunenberg. (AL)

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